Mainz - Wenn kleine Kinder zuschlagen: Ruhig bleiben und Grenzen aufzeigen

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Wenn kleine Kinder zuschlagen: Ruhig bleiben und Grenzen aufzeigen

Von: ddp
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Mainz. Wenn Kleinkinder sich ärgern oder das Gefühl haben, nicht die gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen, dann äußern sie das auch mal handgreiflich.

Das sei kein Grund, in Panik zu verfallen oder seine Erziehung in Frage zu stellen, sondern ein normaler Impuls bei Kleinkindern, sagt Diplom-Psychologe Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung: „Es ist aber wichtig, entschieden zu reagieren. Das Kind muss erkennen, dass das ein absolutes No-Go ist.”

Die richtige Reaktion sei dabei gestuft, sagt der Erziehungsexperte: „Stufe eins: Deutlich sagen, dass man das nicht möchte. Ernst werden, auf Augenhöhe des Kindes gehen. Wenn das nicht fruchtet - Hände festhalten. Das ist keine Strafe, sondern eine Reaktion auf das Verhalten. Hilft auch das nicht, kann man das Kind für einige Zeit in ein anderes Zimmer schicken.”

Körperlich zu reagieren, zum Beispiel das Kind in ein anderes Zimmer tragen, sollte nur eine letzte Notlösung sein. Auf keinen Fall sollte man zurückschlagen. Wichtig ist außerdem, dass die Eltern sich nicht verunsichern lassen. Spüre das Kind Unsicherheit, sei das ebenso schädlich wie ein übertrieben repressives Vorgehen.

Auch hier gilt übrigens die Eltern-Trostformel: Es ist nur eine Phase. „Die Zeit der Allmachtsfantasien geht spätestens zum Ende der Kindergartenzeit vorbei. Die Kinder bekommen ein realistischeres Weltbild, erkennen, dass sie sich mit Gewalt nicht durchsetzen können. Und sie lernen, mit ihren aggressiven Impulsen besser umzugehen”, beruhigt Gerth.

Wenn Schulkinder immer noch nach den Eltern schlagen, sollten diese sich allerdings Hilfe in einer Erziehungsberatungsstelle suchen. Das gelte auch, wenn sie mit ihren Bemühungen, dem Kind klarzumachen, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist, an ihre Grenzen stoßen.

„Wenn man merkt, dass die Situation in der Familie eskaliert, sollte man sich Hilfe suchen, bevor die Beziehung zum Kind vergiftet ist.” In den Beratungsstellen wird kostenlos und anonym beraten, Beratungsstellen am Wohnort findet man unter bke.de, Menüpunkt „Für Ratsuchende”.

Wesentlich entspannter sieht Gerth Raufereien unter Kindern: „Das wird man nie ganz unterdrücken können. Das ist auch ein Stück weit normal. Man muss nur sehen, dass es im Rahmen und fair bleibt”, rät er. Das gilt übrigens auch für Geschwisterstreitigkeiten. „Vermittelnd eingreifen ja - aber wenn Eltern die Verantwortung für Geschwisterstreitigkeiten übernehmen wollen, dann ist das vergebliche Liebesmüh”, sagt der Erziehungsfachmann.
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