Wenn Jugendliche einer Szene angehören: Zuhören und da sein!

Von: dapd
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Punk
"Ihr koennt uns nicht vernichten, denn wir sind ein Teil von euch" steht auf der Jacke des Punks. Foto: dapd

Rendsburg. Nur noch schwarze Klamotten, dazu ein trauriger Blick und eine seltsame Begeisterung für Vampire und den Tod: Eltern verstehen die Welt ihrer Kinder oft nicht mehr, wenn die sich plötzlich der „Gothic”-Szene zuwenden oder sich als „Emos” bezeichnen. Doch müssen sie sich auch Sorgen um den Sohn oder die Tochter machen?

„Es kommt darauf an”, sagt Susanne Egert, die als Psychotherapeutin in der Evangelischen Jugendhilfe in Rendsburg arbeitet. Grundsätzlich sei das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe in der Pubertät „ganz wichtig”. Jugendliche wollten eben anders sein - „anders als die Erwachsenen”. Die Psychotherapeutin rät deshalb: „den eigenen Kindern eher den Rücken stärken, statt zu sagen: Du bist falsch!”

Das Abdriften des eigenen Kindes in eine Szene könne aber auch Anlass sein, den eigenen Erziehungsstil zu reflektieren. Denn gerade Jugendliche, denen es an Zuwendung und Aufmerksamkeit mangele, fühlten sich oft in besonderer Weise von Jugendszenen angezogen. Zudem findet die Psychotherapeutin es sehr wichtig, genau zu schauen, welche Art von Orientierung sich das Kind außerhalb der Familie sucht. „Ein Stil, der offen provokativ ist, etwa wenn sich das Kind die Haare rot oder grün färbt, ist vergleichsweise harmlos”, sagt Egert. Über vieles könne man sicherlich „innerlich schmunzeln”.

Besorgniserregender sei es, wenn das Kind in Gruppen gerate, die „totalitär” agierten - „wo alles sehr einseitig gesehen wird und andere Meinungen nicht akzeptiert werden”. Dann sei es sicher ratsam, professionelle Hilfe von entsprechenden Beratungsstellen in Anspruch zu nehmen.

Eltern sollten aber auch dann, wenn Jugendliche einen sehr extremen Weg wählen, niemals den Kontakt zu ihnen kappen und die jungen Menschen sich selbst überlassen, betont die Psychotherapeutin: „15-Jährige brauchen ihre Eltern noch, da ist noch nicht alles in trockenen Tüchern”.
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