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Wenn die Auswanderer heimkehren: Ein steiniger Weg

Von: Michaela Kaebe, ddp
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Hamburg. Glaubt man den Fernsehmachern, gibt es nur einen Grund für Auswanderer, zurückzukehren - sie scheitern im neuen Land. Ganz so dramatisch sieht die Realität nicht aus, berichtet Monika Schneid vom Raphaels-Werk, der größten Beratungsorganisation für Auswanderer in Deutschland.

Die Palette, derer, die Rat suchen ist, groß: Senioren, die vor Jahrzehnten ausgewandert sind und nun den Lebensabend in Deutschland verbringen wollen; Menschen, die aufgrund einer gescheiterten binationalen Beziehung zurückkehren; sogenannte Expatriats, die von vorneherein nur für eine gewisse Zeit ins Ausland gehen, und Menschen, die sich aus freien Stücken nach einiger Zeit für die Rückkehr nach Deutschland entscheiden.

Allerdings sind auch in der Beratung die Gescheiterten die besonderen Sorgenkinder: „Da kommt, wenn die finanziellen Mittel erschöpft sind, oft die Frage: Wer hilft mir, den Umzug nach Deutschland zu finanzieren? Und diese Frage kann man leider nur mit Keiner beantworten”, warnt sie. Zwar hat jeder Deutsche Anrecht auf Sozialleistungen - aber erst, wenn er wieder in Deutschland ist. Solange er im Ausland lebt, ist das dortige Sozialsystem zuständig. Das aber ist, gerade in Ländern, in denen der Familienzusammenhalt noch vieles auffängt, oft nicht sehr ausgeprägt. „Ich kann jedem, der Deutschland verlässt, nur den dringenden Rat geben, immer ein ausreichendes finanzielles Polster für eine mögliche Rückreise zu haben”, mahnt Schneid.

Wer im Ausland seinen Lebenspartner kennengelernt hat und mit ihm oder ihr nach Deutschland zurückkehren will, steht oft ebenfalls unerwartet vor einem Problem: die Aufenthaltsgenehmigung für den Partner. Ist der Partner aus der EU oder einem der „bevorrechtigten Länder” oder hat das Paar im EU-Ausland gelebt, gibt es keine Probleme, andernfalls aber muss der Partner Deutschkenntnisse nachweisen können. Das gilt jedoch nicht, wenn minderjährige Kinder, die die deutsche Staatsangehörigkeit haben, betreut werden: „Das Kind hat ein Recht auf seine Eltern, unabhängig von deren Sprachkenntnissen.” Schneid empfiehlt, unbedingt rechtzeitig bei der deutschen Vertretung zu klären, ob ein Deutsch-Nachweis erbracht werden muss.

Doch auch für die deutschen Heimkehrer ist die Situation nicht immer einfach, berichtet Jochen Schuppener, der als interkultureller Berater auch Re-Entry-Seminare abhält: „Wer im Ausland erfolgreich sein will, muss sich dort den Gegebenheiten, der Kultur, der Mentalität anpassen. Wenn man dann in die vermeintliche Heimat zurückkommt, denkt man, man kommt nach Hause - und realisiert nicht, wie sehr man sich selbst in der Zeit verändert hat.”

Der Rückkehrer sollte sich intensive Gedanken darüber machen, welche Erfahrungen er gemacht und was er in sein Leben in Deutschland mitnehmen möchte: „Oft werden Dinge wie Freundlichkeit oder Gastfreundschaft genannt. Dann muss man sich überlegen, wie man das rüberretten kann, das geht nicht automatisch. Man muss sich aber auch ein Stück weit anpassen. Wer in Deutschland jeden im Supermarkt breit angrinst, wird schnell für einen Spinner gehalten.”

Das Wiedereinleben braucht Zeit. Das fängt beim richtigen Abschiednehmen an: „Es ist wichtig, einen Schlusspunkt zu setzen, sich zu sagen: Es war eine wertvolle Zeit, aber die ist jetzt zu Ende. Jetzt fängt eine neue Lebensphase an, und jetzt will ich hier sein.”

Leichter in der neuen alten Heimat tut sich, wer gute Kontakte nach Deutschland hat. Auch die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland sollte man aus der Ferne mitverfolgen. Das ist besonders wichtig, wenn Kinder mit ausgewandert sind oder im Ausland geboren wurden: „Die haben besondere Probleme, denn die Heimat der Eltern ist nicht die Heimat der Kinder.”

Auf die Probleme dieser „Third Culture Kids” hat sich die Sozialpädagogin Ilona Greiner spezialisiert. „Sie erleben sich oft als Außenseiter, und gerade für Kinder und Jugendliche ist die Gruppe der Gleichaltrigen immens wichtig”, erzählt sie. Zudem erleben die Kinder, dass Werte aus der Kultur ihres bisherigen Heimatlandes in Deutschland nicht gefragt sind, ihre Erfahrungen oft nicht einmal auf Interesse stoßen, berichtet Greiner.

Aber sie profitieren auch von ihren Erfahrungen: „Die Kinder sind flexibler, haben einen weiteren Horizont und mehr Verständnis für andere Menschen. Sie sind meist sehr kontaktfreudig und natürlich mehrsprachig.” Die Kehrseite der Medaille: Oft wissen sie, auch als Erwachsene nicht, wo sie hingehören, führen ein Nomadenleben und haben Probleme mit dauerhaften Beziehungen. „Die Eltern sollten versuchen, den Kindern innerhalb der Familie eine Heimat zu bieten”, rät Greiner. Klare Strukturen und feste Rituale, die aus dem Ausland mitgebracht werden, helfen. Und, vor allem bei kleinen Kindern, möglichst viele Dinge aus dem Umfeld: „Die Kuscheltiere, die Bettwäsche, die Lieblingsmusik - all das sollte mit ins Ausland und dann auch wieder zurück nach Deutschland ziehen.”

Literaturtipp: 1x1 Rückkehr nach Deutschland, Informationsschrift des Raphaels-Werks, für 20,- Euro bei den Beratungsstellen oder unter http://www.raphaels-werk.de zu beziehen.
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