Hannover - Vorweihnachtszeit: Schluss mit hohen Erwartungen

Vorweihnachtszeit: Schluss mit hohen Erwartungen

Von: Johanna Uchtmann
Letzte Aktualisierung:
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Mit der Weihnachtsdeko kommt der Stress - Wer schon während des Jahres Geschenke kauft, muss nicht in der Adventszeit durch die Geschäfte rennen. Foto: dpa

Hannover. Wenn die Abende noch lau und die Zehen sommerlich nackt sind, wenn die Gedanken der meisten Menschen noch um Softeis und Sonnencreme kreisen, dann denkt Ulrike Fieback schon an Weihnachten. Nicht ständig, aber immer mal wieder.

Dann nämlich, wenn sie im Buchladen plötzlich den idealen Roman für die beste Freundin sieht oder im Kaufhaus zufällig am perfekten Stuckrahmen für die Oma vorbeiläuft. Das ist ihr Geheimnis. So vermeidet die Sprecherin der Techniker Krankenkasse Niedersachsen in Hannover Weihnachtsstress. „Frühzeitig Geschenke kaufen”, ist der Tipp Nummer eins. Und ihre Liste im Kampf gegen die Scherereien zum Jahresende ist lang.

„Geschenkekiste” nennt sie ihren Hort der Entspannung. Dort lagert, was schließlich unter die Tanne kommt. Manchmal lagert es sogar monatelang. „Wenn man nichts sucht, findet man nämlich die schönsten Geschenke”, sagt Fieback. Randvoll muss die Kiste aber gar nicht werden. Gerade in Zeiten finanzieller Krisen sei es sinnvoll, in der Familie gemeinsam zu beschließen, dass man das Schenken einfach reduziert.

Ulrike Fieback rät außerdem zu „antizyklischem Einkaufen”. Schlaue Schenker gehen dann in die Fußgängerzone, wenn Otto Normalverbraucher noch schläft - oder schon wieder. Entgegen der Masse, ist da die Devise. Wem zwischen Baumaussuchen und Plätzchenbacken aber schon der Weg ins Geschäft zu viel wird, dem bleibt immer noch die virtuelle Shopping-Alternative. „Ein Online-Einkauf ist entlastend, weil man sich alles einfach zuschicken lassen kann.”

Vor allem Frauen belasten in der Vorweihnachtszeit innere Bilder. Oft hängt Weihnachtsstress mit der eigenen unerreichbaren Vorstellung von einem makellosen Fest zusammen. Dabei muss Weihnachten nicht perfekt sein, findet Elke Wieczorek vom Deutschen Hausfrauenbund in Bonn. Die Zeiten, in denen man sich nur an Weihnachten ein gutes Essen gönnte, seien vorbei. „Auch gehen die Kinder viel früher aus dem Haus. Deshalb ist es viel wichtiger, dass die Familie einfach mal zusammen am Tisch sitzt.” Ein feudales Menü, das stundenlange Vorbereitungszeit kostet, müsse also gar nicht sein.

Wieczorek rät zu einem Weihnachtsessen, das sich leicht einige Tage vorher vorbereiten oder lange zuvor einfrieren lässt. Eine weitere Alternative sei Kurzgebratenes. Das treibt die Hausfrau erst kurz vor der festlichen Tafelrunde an den Herd und hält sie nicht stundenlang in Schach. Zu viel Kulinarisches ist weder gesund noch gewünscht: „Letztendlich sitzt doch eh jeder am Tisch und denkt heimlich an die nächste Diät.”

Nicht einmal die engagierteste Vorbereiterin kann alles allein organisieren. Deshalb empfiehlt Wieczorek, Aufgaben zu delegieren. Da das nicht immer so einfach ist, hat sie für Harmonieliebende einen Termin-Tipp: Die Aufgaben sollten während des ersten Adventskaffees verteilt werden. „Da beginnt die Weihnachtsstimmung und alle sind zugänglicher.” Am besten stellt man eine Liste auf, wer was zu erledigen hat. Wichtig sei, dass man einen ruhigen Moment wählt und alle da sind. Boykottieren Ehemann und Kinder die Aufgabenverteilung, sollte Frau knallhart sein: „Einfach mal streiken.” Wichtig sei aber auch, dass sie den Weihnachtsausstand in ruhigem, sachlichem Ton ankündigt und nicht schimpft oder jammert. „Die Situation darf nicht eskalieren, sonst ist Weihnachten gelaufen.”

Warnsignal für zu viel Weihnachtsstress ist ein „verengter Horizont”. Den hat, wer keine Prioritäten mehr setzen kann, erklärt die Hirnforscherin Beatrice Wagner von der Universität München. Beschäftigt sich der Möchtegernwichtel also einen ganzen Vormittag mit der Suche nach dem perfekten Geschenkband, statt sich in die Schlange für fast ausverkaufte Stuckrahmen einzureihen, musste der Horizont schon erheblich einbüßen. Wagner rät in solchen Fällen zu To-Do-Listen. Geplante Aktionen auf Papier festzuhalten, entspannt nämlich das Gehirn, das nun nicht mehr die ganze Gedächtnisarbeit leisten muss. Auch lassen sich so einfacher Prioritäten setzen.

„Gelassenheit trainieren” heißt Wagners zweiter Tipp. „Durch Aufregen kann man die langsame Arbeit des Kassierers nicht beschleunigen.” Besser sei es, die Zeit als Chance zu nutzen für Gedächtnistraining oder To-Do-Listen - oder für innere Bilder vom unvollkommenen Fest.
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