Berlin/Köln - Verliebt am Strand: Eine Urlaubsliebe hat es im Alltag schwer

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Verliebt am Strand: Eine Urlaubsliebe hat es im Alltag schwer

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Urlaubsliebe/Strand
Frisch verliebt am Strand kuscheln - da stört kaum etwas. Foto: dpa

Berlin/Köln. Zuerst ist es nur ein kurzes Lächeln am Strand, doch dann wird aus dem Flirt mehr: Gerade im Urlaub verlieben sich viele Jungen und Mädchen - entweder in jemanden aus der Reisegruppe oder - und dann wird es besonders kompliziert - einen Einheimischen.

Doch so toll und aufregend das Kuscheln beim Sonnenuntergang auch ist, irgendwann geht der Urlaub vorbei und der Alltag zu Hause wieder los. Das ist für eine Liebe, die im Urlaub begonnen hat, nicht einfach.

„Zuerst einmal ist es etwas sehr Tolles, sich im Urlaub zu verlieben”, sagt die Erziehungsberaterin Maria El-Safti-Jütte vom Berliner Kinder- und Jugendtelefon. „Schließlich ist das eine Ausnahmesituation: Man ist entspannt, an einem neuen Ort und durch diese Entspannung innerlich auch offener und bereiter, sich auf etwas Abenteuerliches und Neues einzulassen.” Deswegen sei es nicht verwunderlich, dass sich so viele Menschen - Erwachsene und Jugendliche - im Urlaub verlieben. „Das kommt häufig vor.”

Die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln sieht in einer Urlaubsliebe sogar Vorteile: Jemanden im Urlaub kennenzulernen, frei von allen Alltags-Verpflichtungen und sozusagen ohne Vorurteile, das sei befreiend. „Man wird vielleicht ganz neu gesehen, bekommt eine neue Chance, sich anders zu geben, und fühlt sich auch selbst viel freier.”

Doch das hält leider nicht ewig. „Sobald der Urlaub vorbei ist, ist das oft schwer zu verkraften”, sagt der Paartherapeut Bernhard Broekman aus Wiesbaden. „Die meisten Paare schaffen es nicht, ihre Beziehung in den Alltag zu retten, da sie dann meist erst merken, wie unterschiedlich ihre Leben eigentlich sind.”

Manchmal hat man Glück und die neue Liebe kommt aus demselben Ort wie man selbst. Allerdings ist auch das nicht immer einfach. „Immerhin haben im Urlaub die Hormone vielleicht etwas verrückt gespielt, und im Alltag wirkt die Urlaubsliebe möglicherweise dann nicht mehr so spannend wie in der Ferne”, sagt Broekman.

Hinzu kommt, dass man im Urlaub bereiter war, über eine zu dicke Nase, ein paar Pickel oder ein paar doofe Bemerkungen hinwegzusehen oder hinwegzuhören, erläutert Raffauf. „Zu Hause geht es um die Alltagsprüfung, und da ist der Blick oft kritischer.”

Außerdem seien dann die Verpflichtungen wieder da. „Man hat nicht so viel Zeit, ist auch mal schlecht gelaunt oder genervt, weil der neue Freund sein Basketball-Training scheinbar wichtiger nimmt als die Beziehung oder weil die neue Freundin öfter mal mit ihren Freundinnen zusammen sein möchte”, schildert Raffauf die Probleme. Deswegen müsse man sich zu Hause klar werden, ob der neue Partner wirklich so toll ist wie zuerst gedacht und vielleicht gemeinsam besprechen, welche Erwartungen man an die Beziehung im Alltag hat.

Ganz andere Probleme haben die Jungen und Mädchen, deren neuer Partner nicht in der Nähe wohnt. Doch auch das kann reizvoll sein, wie El-Safti-Jütte sagt. „Immerhin kann man sich den grauen Alltag versüßen, indem man von dem Partner in der Ferne träumt.” Außerdem könne es spannend sein, dass nicht jeder zu Hause den Partner kennt. „Diese Beziehung ist etwas, das einem ganz alleine gehört und wo nicht jeder seine Kommentare zu dem neuen Freund oder der Freundin abgeben kann.”

Außerdem muss wegen einer Fernbeziehung keine Funkstille herrschen. „Zum Kontakthalten ist alles erlaubt”, sagt Raffauf. SMS, E-Mail, Briefe schreiben, Päckchen schicken, Telefonate und Besuche. „Wenn man weiter auseinander wohnt, kosten die Fahrten natürlich Geld.” Das bedeutet: „Sparen und die Eltern um Verständnis bitten - vielleicht sind sie ja auch bereit, einen mal zu fahren.”

Urlaubsliebe gibt Sicherheit

„Wenn man sich in der Fremde verliebt, gibt einem das Sicherheit”, sagt der Diplom-Psychologe Bernhard Broekman aus Wiesbaden. Immerhin sei einem der Urlaubsort meist fremd. „Durch einen Partner hat man dann aber eine Bezugsperson und ist emotional gebunden”, erklärt der Experte. „Deswegen hat man so auch in der Fremde ein bisschen das Gefühl, geborgen und in gewissem Sinne auch zu Hause zu sein.”
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