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Untreue als Chance für die Partnerschaft

Von: Maria Hilt, ddp
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Freiburg/München. Der Seitensprung kommt vom Klischee nicht los. Zu den klassischen Indizien gehören immer wieder der fremde Lippenstift am Hemdkragen, die ständigen Überstunden und verdächtige Telefonate mit gesenkter Stimme.

Kommt die Wahrheit über die Untreue ans Licht, sitzt die Verletzung beim Betrogenen meist tief.

„Menschen, deren Partner fremdgegangen ist, fühlen sich oft verraten und hilflos. Viele machen sich in so einer Situation auch Selbstvorwürfe und denken, sie hätten versagt”, erklärt die Freiburger Paartherapeutin Alexandra Hipfner-Sonntag. Oft sei aber auch der Fremdgänger selbst verwirrt, weil er so ein Verhalten von sich niemals erwartet hätte.

Wichtig sei, dass man dem Betrogenen Zeit gebe, die Verletzung wahrzunehmen und sie zu verarbeiten. Manchmal könne auch eine räumliche Distanz beiden Partnern helfen, zu sich zu kommen. „Dabei sollte man aber nicht die Kommunikation abbrechen, sondern weiter an der Beziehung arbeiten”, sagt die Diplom-Psychologin. Keinesfalls sollte man darauf hindrängen, das Ereignis möglichst schnell zu ignorieren und wieder zur Tagesordnung überzugehen, als wäre nichts geschehen.

Die vermeintliche Schuld an der Untreue wird oft ganz selbstverständlich dem Fremdgänger zugeschoben. Die Beziehungsexperten sind sich allerdings einig, dass gemeinhin beide Partner ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass es so weit kommen konnte. „Ein Seitensprung ist immer ein Zeichen dafür, dass jemandem etwas in seiner Beziehung fehlt, was er in der Außenbeziehung erfüllt sieht”, sagt Mathias Voelchert, Autor des Ratgebers ”Chancen verlieben sich„. Diese Unzufriedenheit sollte man in der Auseinandersetzung über die Untreue offen aussprechen. „Beide Partner müssen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und sich darüber klar werden, welche Bedürfnisse sie haben”, sagt der Paarberater aus München.

Voelchert ist überzeugt: ”Das zerstörte Vertrauen wieder aufzubauen, ist ein schwieriger Prozess - aber es ist möglich.„ Die Grundvoraussetzung dafür sei, dass man sich traue, seine Ängste und Zweifel in der Beziehung anzusprechen. Manchmal sei es in so einer Krise auch notwendig, sich Unterstützung zu holen. „Von Ratgeberliteratur über eine Paarberatung bis hin zur Psychotherapie gibt es verschiedene Mittel, die den Partnern weiterhelfen könnten”, sagt Voelchert.

Hipfner-Sonntag rät Paaren, sich nach einem Treuebruch bewusst an die Anfänge ihrer Liebe zu erinnern. „Man sollte sich wieder ins Gedächtnis rufen, was man aneinander schätzt und was diese Partnerschaft trägt”, sagt die Therapeutin. Um die Qualität der Beziehung wieder zu erhöhen, sollte man Zeit und Raum für Gemeinsamkeiten schaffen. Rituale wie beispielsweise ein regelmäßiger Abend, an dem man etwas gemeinsam unternimmt, seien hier sehr hilfreich. Durch diese Beziehungsarbeit erkenne man auch den Stellenwert des anderen wieder an. „Der Betrogene merkt so, dass er seinem Partner noch wichtig ist”, sagt Hipfner-Sonntag.

Von der Methode, den Seitensprung einfach mit einer Affäre des anderen Partners auszugleichen, hält die Psychologin nichts. „Man kann Gefühle nicht vergelten. Die Außenbeziehung muss für sich stehen und auch so verarbeitet werden.” Der betrogene Partner sollte sich jedoch darauf konzentrieren, sein verletztes Selbstwertgefühl wieder zu stärken. „Es kann sehr hilfreich sein, etwas alleine zu unternehmen, ein Hobby für sich zu entdecken und sich so etwas Eigenes fernab der Beziehung aufzubauen”, sagt Hipfner-Sonntag.

Wenn beide Partner am Ende dieser Beziehungsarbeit einem Neuanfang zustimmen, sollte dieses gegenseitige ”Ja" auch gleichzeitig ein Ende der Diskussion um die Untreue sein. Hipfner-Sonntag betont: „Dann ist es an der Zeit, dieses Thema ein für alle Mal ruhen zu lassen.”
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