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Tod in der Samstagnacht: Dauerproblem Disko-Unfall

Von: Heiko Haupt, dpa
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Tod in der Samstagnacht -  Disko-Unfall
Trauriges Ende einer Fahrt in die Disko: Viele jugendliche Autofahrer verunglücken während der Wochenend-Sause - oft spielen Übermut, Alkohol- und Drogeneinfluss sowie Übermüdung eine Rolle. Foto: dpa

Berlin/Bonn. Der Begriff wirkt leicht angestaubt - doch was sich dahinter verbirgt, ist nach wie vor aktuell. Immer noch zählt der sogenannte Disko-Unfall zu den verbreiteten Tragödien auf Deutschlands Straßen, die vor allem junge Verkehrsteilnehmer das Leben kosten.

Das Grundproblem - junge Fahrer, lange Nächte, schnelle Autos - war schon in den 70er Jahren bekannt. Seitdem hat es immer wieder Aktionen gegeben, um die Sache einzugrenzen. Doch viel geändert hat sich nicht: Immer noch häufen sich an den Wochenenden die Unfälle junger Autofahrer.

„Das Thema Disko-Unfälle begleitet uns seit vielen Jahren”, sagt Marion Schlender vom Innenministeriums des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Auch hier kann man zwar immer wieder positive Entwicklungen verkünden. So wurde jüngst darauf hingewiesen, dass 2007 nur 34 junge Fahrer starben - was einen Rückgang um 12 Todesopfer im Vergleich zu 2006 darstellt. Doch wie so oft, wenn es um Disko-Unfälle und die Unfälle junger Fahrer im Allgemeinen geht, kommt dazu auch noch eine schlechte Nachricht: Bei den Schwerverletzten waren in dem Bundesland zum Beispiel 2007 keine Rückgänge im Vergleich zum Vorjahr festzustellen.

Regelmäßig werden Aktionen gestartet, um das Problem zu verringern. Da gibt es zum Beispiel die sogenannten Schutzengel-Projekte, die junge Menschen dazu aufrufen, sich selbst gegen nächtliche Unvernunft im Straßenverkehr einzusetzen. Immer wieder wird auch von offizieller Seite etwas unternommen: In Bayern gibt es unter anderem die Aktion Disco Fieber der Landeszentrale für Gesundheit in München, die mit Broschüren und Flugblättern, aber auch Aktionen und Aufklärung in Schulen das Thema beleuchten und junge Fahrer zur Vernunft aufrufen will. „Wir wollen weniger durch Abschreckung aufrütteln, sondern vielmehr auch zeigen, dass es Alternativen zur nächtlichen Autofahrt nach der Disko gibt”, sagt Susanne Habenicht von der Landeszentrale.

Das Problem ist immer noch das gleiche: Junge Fahrer gelten als Hauptrisikogruppe, und das vor allem in den Nächten der Wochenenden, wenn es zu den Clubs oder Diskotheken geht. In Zahlen wird das Problem von Experten so zusammengefasst: „Die jungen Fahrer im Alter von 18 bis 25 Jahren haben einen Anteil von 8 Prozent an der Bevölkerung, aber einen Anteil von 20 Prozent bei den im Straßenverkehr Getöteten oder schwer verletzten Personen”, so Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Berlin.

Kay Schulte vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn bestätigt: „Die Situation ist grundsätzlich unverändert - junge Fahrer sind nicht nur in Deutschland, sondern in Europa die Hauptrisikogruppe. Dieses Thema und das Thema der Disko-Unfälle wird uns sicher auch in zehn Jahren noch beschäftigen.”

Zwar wird speziell bei den Disko-Unfällen immer auch vom Einfluss von Drogen oder Alkohol gesprochen. Doch dies ist nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich sind die Hintergründe der Unglücke unterschiedlich. Ein wichtiger Faktor dabei ist unter anderem die Uhrzeit: „Diese Unfälle passieren zwischen 22.00 Uhr am Abend und 6.00 Uhr am Morgen”, so Hannelore Herlan. Es wird also zu ungewöhnlichen Zeiten gefahren - Müdigkeit spielt auch eine Rolle.

Hinzu kommt die Atmosphäre, die einen solchen Abend meist prägt. „Da ist laute Musik und das Tanzen, das die Menschen euphorisch macht - auch ohne den Einfluss von Drogen und Alkohol”, sagt Herlan. Was folgt, ist eine Hochstimmung, die anders ist als der Alltag - und das soll ja auch so sein. Aber: „Risiken werden dann völlig falsch eingeschätzt.” Selbst ein Fahrer, der nicht zu schnell fährt, kann in bestimmten Situationen falsch reagieren.

Doch obwohl es so aussieht, als würde die Situation unverändert bleiben, setzen die Verkehrssicherheitsexperten weiter auf Aktionen unterschiedlicher Art. Denn: „Diese Projekte bringen schon etwas - wer weiß, wie viele Tote oder Verletzte es geben würde, wenn niemand etwas getan hätte”, sagt DVR-Mitarbeiter Kay Schulte.

Sicherheitstechnik und Disko-Unfall

Die Sicherheitstechnik im Auto hat sich über die Jahre weiter entwickelt - die Auswirkungen im Bereich der Disko-Unfälle sind jedoch mit vielen Fragen behaftet. So ist laut Kay Schulte vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn die Zahl der Getöteten rückläufig. Allerdings werden immer noch viele Schwerverletzte beklagt - oft auch Mitfahrer in den Fahrzeugen. Der wichtigste Punkt in diesem Zusammenhang besteht darin, dass Hilfen wie ein Sicherheitsgurt auch benutzt werden müssen, um Schlimmes verhindern zu können. Gerade in der euphorischen Stimmung einer Wochenendnacht ist das bei jungen Fahrern und Mitfahrern aber nicht immer der Fall.
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