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Täglich in die Natur: Waldkitas härten Kinder ab

Von: Anja Sokolow, dpa
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Waldgruppe im Eberswalder Kindergarten
Kinder der Waldgruppe aus dem Kindergarten "Arche Noah" in Eberswalde (Barnim) trinken im Wald während einer Pause Tee. Minusgrade, Schnee und Eis stören die Mädchen und Jungen der Waldgruppe genauo wenig wie Matschwetter. Bei Wind und Wetter verbringen sie täglich bis zu drei Stunden im benachbarten Wald. Foto: dpa

Eberswalde/Eichwalde. Minusgrade, Schnee und Eis stören die Mädchen und Jungen der Waldgruppe im Kindergarten „Arche Noah” in Eberswalde genauso wenig wie Matschwetter.

Bei Wind und Wetter verbringen sie täglich bis zu drei Stunden im benachbarten Wald. Nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung” gehen die Erzieherinnen selbst bei Regen mit den Drei- bis Sechsjährigen in die Natur. „Nur bei starkem Sturm und Gewitter bleiben wir in der Kita”, erklärt Erzieherin Angelika Czirr.

Auch dieser Wintertag vergeht nicht ohne Schlittenfahrten und Spiele unter den Bäumen. Schnell schlüpfen die Kinder in die warmen Skianzüge und bekommen von Czirr noch eine dicke Schicht Creme aufs Gesicht. Während die Letzten noch Schals und Handschuhe suchen, drängen sich andere schon an der Tür. „Wenn die Kinder nicht rauskommen, fehlt ihnen etwas”, sagt die Erzieherin.

Die Idee, täglich mit den Kindern in die Natur zu gehen, entstand vor drei Jahren aus der Not heraus. „Als die Kita umgebaut wurde, stand uns nur der halbe Spielplatz zur Verfügung”, erinnert sich Czirr, die damals mit ihrer Kollegin beschloss, in den Wald auszuweichen. Das Entdecken von Käfern, Würmern und Spinnen sowie das Spielen mit Stöcken und Seilen begeisterte Kinder wie Erzieher.

Nachdem auch die Eltern davon überzeugt waren, dass ihre Schützlinge nicht nur am Tisch rechnen, malen und basteln können, wandelte die Kita zwei Gruppen in Waldgruppen um. Mit Hilfe des Jugendamtes konnten die Grundausrüstung wie Handwagen, Lupen, Seile und Nachschlagewerke gekauft und Fortbildungen finanziert werden.

Das Konzept hat sich aus Sicht der Kita bewährt: „Natürlich gab es zuerst hin und wieder einen Schnupfen. Inzwischen sind die Kinder aber viel seltener krank”, sagt Czirr. Außerdem seien sie lebhafter und kreativer als vorher. Während Czirr erzählt, tummeln sich die Kleinen im Schnee. Zwischendurch gibt es heißen Tee für alle.

Das Konzept der Waldkindergärten stammt aus dem hohen Norden. Erste Einrichtungen gab es nach Angaben des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland bereits vor mehr als 50 Jahren in Skandinavien. „In Deutschland wurde 1993 die erste Waldkita staatlich anerkannt. Danach haben sie sich lawinenartig verbreitet”, sagt Vorstandsvorsitzende Maria-Luise Sander.

Inzwischen gebe es in Deutschland rund 700 Waldkitas. Tipps zur Gründung gibt es beim Verband, aber auch bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Weiterbildungen für Erzieher anbietet. „Einige Kreisverbände haben sogar bereits die Trägerschaft für Waldkitas übernommen”, erklärt Sprecher Jens Stengert.

In Brandenburg gibt es laut Bildungsministerium acht solcher Einrichtungen, etwa in Templin, Neuenhagen oder Belzig. Nicht immer geht es jedoch täglich in den Wald: Die Kita in Eichwalde versteht sich als kombinierte Waldkita. „Bei uns sind Montag und Donnerstag Waldtage”, erklärt Leiterin Jeannine Seibt, die die Kinder als gesundheitlich und motorisch „richtig fit” beschreibt. Weitere Tage seien für den Strand und Ausflüge reserviert. „Und an einem Tag pro Woche bleiben die Kinder im Haus oder im Garten. Auch da freuen sie sich drauf”, sagt Seibt.

dpa ans yybb a3 rk
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