Münster - Studie: Geburtenrückgang auch wegen schlechter Spermien

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Studie: Geburtenrückgang auch wegen schlechter Spermien

Von: dpa
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Weniger Neugeborene - Babys
Der Geburtenrückgang in Deutschland hat sich auch 2009 fortgesetzt. Die Zahl der lebend geborenen Kinder sank um 24.000 oder 3,6 Prozent im Vergleich zu 2008. Foto: dpa

Münster. Für den Geburtenrückgang in Deutschland und anderen Industrienationen machen Wissenschaftler jetzt auch zunehmend die sinkende Fruchtbarkeit der Männer mitverantwortlich.

Auch wenn die Geburtenrate vor allem durch die sozialen Umbrüche mit der „Pille” und die häufigere Berufstätigkeit von Frauen gesunken sei: Schlechte Spermien sorgten zunehmend für Fruchtbarkeitsprobleme, besagt eine Studie der unabhängigen Stiftung European Science Foundation (ESF).

„Die Möglichkeiten künstlicher Befruchtung werden in Europa immer häufiger genutzt”, erläuterte am Mittwoch der Reproduktionsmediziner und Androloge Prof. Stefan Schlatt von der Universität Münster. „Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die Gründe dafür vielleicht auch in nachlassender Zeugungsfähigkeit der Männer zu suchen sind.” Schlatt ist einziger deutscher Mitautor des ESF-Berichts.

So sei in den Industriestaaten vor allem bei jungen Männern die Spermiendichte in den vergangenen 50 Jahren deutlich zurückgegangen. „In den meisten Fällen wirkt sich das nicht direkt auf die Fortpflanzung aus”, so Schlatt. „Es gibt aber eben auch mehr Männer, bei denen die Spermiendichte ein kritisches Maß unterschreitet und dadurch eine Befruchtung unwahrscheinlicher macht.”

Das Niveau des Testosteron sinke zudem. Hodenkrebs und vorgeburtliche Entwicklungsstörungen an Hoden und Penis treten der Studie zufolge ebenfalls häufiger auf als früher. All das beeinflusse die Fruchtbarkeit.

Die Gründe für diese Entwicklungen können die Forscher noch nicht eindeutig benennen. „Einzelne Zusammenhänge sind bekannt. Faktoren des Lebensstils, wie Übergewicht und Rauchen, tragen sicher zu den Problemen bei, auch auf genetischer Ebene haben wir Anhaltspunkte”, sagte Schlatt. Umfassend erforscht seien die Zusammenhänge jedoch nicht. Es gebe Anhaltspunkte, dass sich die erforschten Probleme auch direkt auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. „Nachgewiesen ist jedenfalls, dass Betroffene öfter unter Typ-2-Diabetes und Übergewicht leiden.” Vor allem hier sieht der Wissenschaftler weiteren Forschungsbedarf.

Die Studie verfasst haben sieben Experten aus den USA und verschiedenen europäischen Ländern. Sie untersuchten die Gesundheit der Männer aus dem Blickwinkel der Fortpflanzung. Seit Jahren sinkt die Geburtenrate in den westlichen Ländern. EU-weit kommen auf 1000 Einwohner 10,7 Neugeborene. Deutschland ist dabei Schlusslicht: Hier liegt der Durchschnitt bei 7,9 Neugeborenen. Die ESF wurde 1974 gegründet und fördert die wissenschaftliche Zusammenarbeit in Europa.

Die ESF plant ein multidisziplinäres Europäisches Forschungsnetzwerk unter Beteiligung des von Schlatt geleiteten Zentrums. Es soll in engem Austausch mit Netzwerken in den USA, in Asien und anderen Teilen der Welt arbeiten.

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