Köln/Frankfurt - Rot werden ist normal: Referate vor Gruppen üben

Rot werden ist normal: Referate vor Gruppen üben

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Augen auf und los: Bei Referaten vor der Klasse zählt auch die Körperhaltung. Foto: dpa

Köln/Frankfurt. Was für ein Alptraum: Das nächste Referat steht kurz bevor, und die Anspannung steigt. Manche Schüler haben richtig Angst davor, dann vor der Klasse zu stehen und sich zum Affen zu machen.

Meist läuft wirklich noch etwas schief, und alle lachen. Aber muss es wirklich immer so schlimm sein, vor einer größeren Gruppe zu sprechen? Zuerst einmal sollte man sich klar machen, dass die Aufregung nichts Ungewöhnliches ist, sagt die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln.

Im Gegenteil: „Es geht vielen anderen genauso, sie kaschieren ihre Panik vielleicht nur besser.” Deswegen rät sie: „Lasst euch von dem Verhalten der anderen Klassenkameraden nicht blenden!” Besser sei, darauf zu achten, was die anderen an Fehlern machen. Stottert die Klassenbeste möglicherweise auch mal? Und wird der coole Junge nicht auch rot? „Daran sieht man: Fehler sind beim Sprechen vor Gruppen normal, das passiert eigentlich allen.”

Grundsätzlich gilt: Übung macht den Meister. Aus diesem Grund sollte sich niemand vor Referaten oder ähnlichen Aufgaben drücken, rät Raffauf. „Es muss ja nicht gleich das einstündige Referat sein, aber es kann möglicherweise sogar ganz gut sein, sich immer mal wieder freiwillig für kurze Vorträge zu melden.”

Die können dann zu Hause vor dem Spiegel, den Eltern oder Freunden geübt werden. „Es geht aber nicht nur darum, das Referat vor Publikum zu sprechen”, erklärt der Diplom-Psychologe Ulrich Gerth von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Genauso wichtig sei die Körperhaltung, die sollte ebenfalls geübt werden, da sie einem Sicherheit gibt. Wer ein Referat hält, achtet am besten darauf, dass er gut und mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht.

„Außerdem sollte es nicht heißen "Augen zu und durch", sondern "Augen auf und durch"”, rät Gerth. „Denn wer sich vor der Gruppe hinstellt, einzelne Leute direkt anschaut und laut spricht, zeigt, dass er sich nicht verstecken, sondern selbstbewusst auftreten will.” Genau diese Haltung und die Lautstärke des Vortrags werden besser zu Hause einstudiert. „Das mag anfangs etwas komisch erscheinen, im Wohnzimmer so laut zu sprechen, aber für den Vortrag ist das eine super Übung.”

Wer mag, kann nach einiger Zeit probieren, möglichst frei zu sprechen und nicht alles vom Papier abzulesen. „Dafür kann man zum Beispiel im Referat die wichtigsten Stellen farbig markieren, damit sie besser ins Auge fallen”, erläutert Raffauf. Dann ist es einfacher, sich gedanklich von Stichwort zu Stichwort zu hangeln. Eine andere Möglichkeit sei, sich die Kernaussagen auf Karteikarten zu schreiben. „Auch das hilft beim freien Sprechen.

Manchmal lohnt auch ein frühzeitiges Gespräch mit dem Lehrer. „Dabei können inhaltliche Fragen geklärt werden wie "Was genau gehört alles zu dem Thema?" und "Wie kann ich es gliedern?"”, sagt die Sozialarbeiterin Apollonia Schmidt vom Kinder- und Jugendschutztelefon in Frankfurt/Main.

Wer dem Lehrer vertraut, der könne ihm auch von den eigenen Sorgen erzählen. „Häufig können die Lehrer die Schüler beruhigen und etwas Angst nehmen.” Außerdem merke man so, dass der Lehrer meist hinter einem steht und nicht nur auf den ersten Fehler wartet.

Auch Gruppenreferate können die Anspannung etwas lindern. „Es reicht oft schon, wenn ein anderer Mitstreiter dabei ist”, sagt Schmidt. Dann lasse sich das Referat - und auch die Last - aufteilen. „Schön ist dabei, sich gemeinsam zu überlegen, wie das Thema präsentiert werden soll.”

Außerdem kann es helfen, sich an frühere schwierige Situationen zu erinnern, die man gut gemeistert hat, rät Schmidt. „Es hilft, sich zu fragen: "Wie habe ich das damals geschafft?".” Das müsse kein Referat gewesen sein, sondern beispielsweise ein schwieriges Gespräch mit den Eltern oder das erste Ansprechen des Schwarms. „Allein der Gedanke daran, dass man schon einmal eine Hürde erfolgreich genommen hat, macht Mut.”

Referate oder Vorträge können durch kleine Geschichten aufgelockert werden, erklärt die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. „Geschichten erzählen ist meist einfacher, als dröge Fakten herunterleiern zu müssen.” Wer also zu Beginn eine kleine Anekdote erzählt - die natürlich zum Thema des Vortrags passen muss -, komme selbst nicht nur besser in Fahrt. „Das interessiert auch die Zuhörer mehr und macht so allen Beteiligten mehr Spaß.”
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