Hamburg/Rheinbreitbach/Berlin - Rente unter Palmen: Auswandern im Ruhestand

Rente unter Palmen: Auswandern im Ruhestand

Von: Michaela Kaebe, ddp
Letzte Aktualisierung:

Hamburg/Rheinbreitbach/Berlin. Auswandern liegt im Trend. Auch viele Senioren zieht es in die Ferne. Doch das Vorhaben will gut geplant sein.

„Ein Hauptmotiv ist der Wunsch, im Alter mit einer unter Umständen geringen Rente einen angemessenen Lebensstandard halten zu können. Ein weiterer wichtiger Grund ist das Wetter, verbunden mit der Hoffnung, dass es einem im warmen Klima gesundheitlich besser geht”, erkärt Torsten Janßen vom Raphaels-Werk in Hamburg, einem Fachverband der Caritas, der seit 1871 Auswanderer berät. Aus seiner Erfahrung sind es vor allem die klassischen Urlaubsländer in Südeuropa, die die Senioren anziehen.

Gerade innerhalb Europas würden aber kulturelle Unterschiede häufig unterschätzt, warnt Psychologe Andreas Bittner, Leiter des Instituts für interkulturelles Management (ifim) in Rheinbreitbach: „Wer nach China ausreist, geht automatisch mit einer gewissen Vorsicht an Situationen heran. Bei Ländern, die uns vergleichsweise nahestehen, geht man viel eher davon aus, dass die Spielregeln dieselben sind wie zu Hause.” Dabei gebe es auch innereuropäisch erhebliche Unterschiede. Vor allem dürfe man nicht davon ausgehen, dass man ein Land versteht, nur weil man sich dort im Urlaub wohlfühlt: „Wer fest in lokale Strukturen eingebunden ist, hat viel weniger Spielraum als ein Tourist.”

Aber auch wer keinen engen Kontakt zur fremden Kultur, sondern seine neue Heimat in einer deutschen „Parallelgesellschaft” zum Beispiel in Spanien sucht, sollte zumindest Sprachkenntnisse mitbringen. „Im Urlaub kommt man mit Händen und Füßen vielleicht durch, aber im Alltag kann es sehr isolierend wirken, wenn man die Sprache nicht versteht. Und in Notlagen wird es oft richtig schwierig”, sagt Janßen.

Das gelte insbesondere für ältere Menschen, warnt Bittner: „Was ist, wenn die Kräfte schwinden, wenn man stärker von anderen abhängig wird? Will und kann man sich noch in der fremden Sprache verständigen, wenn man körperlich und vor allem geistig nicht mehr so fit ist?” Wer plötzlich, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, zum Pflegefall wird, der kann nicht einfach die nächste Linienmaschine nach Hause nehmen.

Neben mangelnden Sprachkenntnissen sei es ungenügende Vorbereitung auf die neue Umgebung, die das Abenteuer Auswandern oft scheitern lasse, berichtet Janßen: „Es ist sinnvoll, das Land mehrfach bereist zu haben - und unbedingt auch zu verschiedenen Jahreszeiten.” Im Winter ist nämlich der lebendige Ort oft wie ausgestorben und das Wetter ungemütlich. „Wenn die Wohnung dann keine Zentralheizung hat und es an allen Ecken zieht, ist das mit Rheuma oder Arthrose auch nicht gerade angenehm.”

Ein großer Fehler sei es auch, nicht rechtzeitig die Behörden zu kontaktieren, warnt der Berater. Denn es gibt einiges zu organisieren, was Rente und Sozialversicherungen betrifft. „Man sollte sich rechtzeitig, bevor man auswandert, überlegen, ob man ein Konto in Deutschland behält oder sich die Rente ins Ausland überweisen lässt.

Ein Auslandskonto muss dem Rentenversicherungsträger rechtzeitig mitgeteilt werden, das dauert ein wenig”, verdeutlicht Renate Thiemann von der Deutschen Rentenversicherung. Deutsche Rentner bekommen ihren in Deutschland erworbenen Rentenanspruch überall auf der Welt voll ausgezahlt, aber „man sollte sich unbedingt erkundigen, wie die steuerliche Lage ist. Möglicherweise gibt es im Zielland eine Doppelbesteuerung.”

Auch Holger Schmitt-Tanou vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sagt: „Eine Beratung über die Besteuerung von Einkünften aus Lebens- oder Rentenversicherungen ist in jedem Fall zu empfehlen, wenn man dauerhaft ins Ausland zieht.” In Deutschland werden Erträge aus einer Rentenversicherung nicht besteuert, wenn der Alterswohnsitz ins Ausland verlegt wurde.

Auch wer später seine Riester-Rente im EU-Ausland beziehen möchte, hat nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs mehr Vorteile als bisher. „Im September hat der EuGH klargestellt, dass zukünftige Riester-Rentner, die ihren Ruhestand im europäischen Ausland verbringen, ihre Rentenleistungen ohne Verlust der Zulagen oder der Steuervorteile ausgezahlt bekommen”, erläutert Schmitt-Tanou.

Ganz wichtig ist es auch, sich rechtzeitig bei seiner Krankenkasse über die Bedingungen der Kranken- und Pflegeversicherung im Ausland zu erkundigen. „Innerhalb der EU ist das kein großes Problem. Aber: Wer seinen Erstwohnsitz im Ausland hat, hat auch nur Ansprüche nach dem einheimischen Gesundheitssystem, und die sind oft geringer, als man das aus Deutschland gewohnt ist”, gibt Hermann Bärenfänger von der Techniker Krankenkasse zu bedenken.

Auch der deutsche Arzt auf Mallorca ist, wenn er privat abrechnet, keine Versicherungsleistung. Und wer in ein Land außerhalb der EU auswandert oder privat versichert war, muss sich unbedingt erkundigen, ob er überhaupt einen Versicherungsschutz hat.

Ähnliches gilt auch für die Pflegeversicherung. „Bleibt die Krankenversicherung bei einer Wohnortverlagerung in einen anderen EWR-Staat oder in die Schweiz bestehen, gilt das auch für die gesetzliche Pflegeversicherung. Endet die Krankenversicherung des Rentners in Deutschland, endet auch seine Pflegeversicherung”, informiert Gabriele Hauser-Allgaier von der AOK. Dann gilt es, privat vorzusorgen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert