Düsseldorf - „Rabenväter” kosten NRW 100 Millionen

„Rabenväter” kosten NRW 100 Millionen

Von: Bettina Grönewald
Letzte Aktualisierung:

Düsseldorf. Wenn „Rabenväter” keinen Unterhalt für ihre Kinder zahlen, wird es schwierig für die Mütter - und für „Vater Staat”. Rund 100 Millionen Euro muss der nordrhein-westfälische Finanzminister jährlich in seinem Haushalt für den Vorschuss des Unterhalts einplanen.

Die Kosten teilen sich Bund, Land und Kommunen. Mehr als die Hälfte der Kosten zahlen die Kommunen, ein Drittel der Bund, den Rest das Land. Die Anteile haben sich im Laufe der Jahre zulasten der Städte und Gemeinden verschoben. Den größten Teil des Geldes sehen die Kämmerer nie wieder, denn den Vorschuss von Vätern einzutreiben, gestaltet sich äußerst schwierig: Manche können nicht zahlen, manche rechnen sich arm, andere tauchen sogar unter.

Größtes Problem für die - allermeisten Fällen - Mütter: Sobald sie die bürokratischen Hürden überwunden haben und das Geld vom Jugendamt fließt, sollten sie besser schon mal anfangen nachzudenken, wie sie ohne den Vorschuss auskommen können. Denn die gesetzlichen Regelungen sind streng. Anspruch auf den staatlichen Vorschuss haben nämlich nur Kinder, die noch nicht zwölf Jahre alt geworden sind. Außerdem wird längstens für insgesamt 72 Monate gezahlt. Die neue Bundesregierung plant eine Verlängerung bis zum 14. Lebensjahr.

317 Euro für einen Fünfjährigen

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) reicht das aber nicht. Er will, dass der Staat bis zum 18. Lebensjahr Unterhaltsvorschuss leistet, wenn Väter ihrer Zahlungspflicht nicht nachkommen. „Das wäre ein Riesenschritt”, meint Edith Weiser vom Landesverband alleinerziehender Mütter und Väter in Essen. Ein zweiter müsse aber folgen, fordert die Diplompädagogin: „Die Sätze reichen nicht aus. So kommen Kinder aus der Armut nicht heraus.”

Seit Jahresbeginn ist der Unterhaltsvorschuss leicht erhöht worden: Für ein Kind bis einschließlich fünf Jahre liegt er jetzt bei 317 Euro, für ein Kind bis elf bei 364 Euro pro Monat. Davon darf das Jugendamt das Kindergeld abziehen, das die Mutter erhält. Zahlt der Vater rechtschaffen seinen Unterhalt, darf er die Hälfte des Kindergeldes von seinem Unterhaltsbetrag abziehen. Realistische Berechnungen zeigten aber, dass die Kosten für ein Kind bis zu 550 Euro monatlich betragen könnten, sagte Weiser.
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