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Psychologe: Eltern mit Erziehung oft überfordert

Von: dpa
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Berlin/München. Gewalt in der Familie hat viele Gesichter. Oft sind es die eigenen Eltern oder deren Partner, die ihre Kinder misshandeln oder sogar töten.

Der Münchener Psychotherapeut Bruno Waldvogel erläutert im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa die Hintergründe:

Sind Kinder in Deutschland häufig Opfer von familiärer Gewalt?

Waldvogel: „Ja. Wir hatten in der letzten Zeit Diskussionen über Gewalt an Kindern in kirchlichen Organisationen oder Internaten. Sehr viel häufiger sind aber Kinder Opfer von Gewalt in Familien.”

Was sind die Gründe dafür?

Waldvogel: „Meistens ist es der Endpunkt einer Spirale von familiären Konflikten und Überforderungen der Eltern. In eher wenigen Fällen ist die Ursache eine schwere psychische Erkrankung eines Elternteils oder der Eltern. Manchmal soll eine Gewalttat wie das Umbringen eines Kindes sexuellen Missbrauch verdecken. Bei Patchworkfamilien ist es eher so, dass der hinzugekommene Teil sich von der engen Bindung des leiblichen Elternteils und des Kindes ausgeschlossen fühlen kann. Oder dass er sich möglicherweise auch von dem Kind eher abgelehnt fühlt, frustriert und gekränkt ist, was wiederum zu Aggressionen führen kann.”

Wie oft kommt es dabei vor, dass in Patchworkfamilien Männer oder Frauen die Kinder ihrer Partner töten?

Waldvogel: „Solche Tötungsdelikte hat es leider schon sehr viele gegeben, sowohl in Patchworkfamilien als auch in herkömmlichen Familien. Kinder sind nicht nur in jeder Situation Sonnenscheine, sondern stellen manchmal Anforderungen, die von den Eltern als Anmaßung oder Überforderung erlebt werden. Mitunter werden sie auch mit direkter Aggressivität eingefordert. Und wenn Eltern hier nicht ausreichend gelernt haben, wie man sich mit solchen Kindern gütlich einigt, dann sind sie überfordert. Das kann dazu führen, dass sie ihre Position gewaltsam vertreten.”

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