Praktische Hilfen erleichtern den Alltag Demenz-Kranker

Von: Maria Hilt, dapd
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Demenz Kranke
Das Leben mit Demenz ist oft kompliziert. Doch verschiedene Anpassungen im Haushalt können dazu beitragen, dass der Alltag des Betroffenen und seiner Mitmenschen zumindest ein bisschen erleichtert wird. Foto: dapd

Kiel/Stuttgart. Das Leben mit Demenz ist oft kompliziert. Doch verschiedene Anpassungen im Haushalt können dazu beitragen, dass der Alltag des Betroffenen und seiner Mitmenschen zumindest ein bisschen erleichtert wird.

„Wichtig ist, aufmerksam zu sein, wo Probleme auftauchen, und auf diese dann individuell einzugehen”, sagt Günther Schwarz von der Demenz-Beratungsstelle der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart. Oft sei viel Kreativität gefordert, um die Bedürfnisse des Kranken zu erkennen und Lösungen für seine Belange zu finden.

Da der Orientierungssinn durch die Krankheit gestört sei, fänden sich Demenzkranke beispielsweise oft selbst in ihrem Zuhause nicht mehr zurecht. Um den Betroffenen nicht unnötig zu verwirren, sei es wichtig, sein vertrautes Umfeld so wenig wie möglich zu verändern, betont Schwarz. „Es kann aber hilfreich sein, beispielsweise in der Küche an jeder Schublade ein Schild zu befestigen, auf dem gezeigt wird, was sich darin befindet”, sagt Schwarz.

Gut sei eine Kombination aus Wort und Bild, da Demenzkranke ab einem gewissen Zeitpunkt den Wortsinn nicht mehr erfassen könnten. Auch die Türen der einzelnen Räume in der Wohnung könne man so beschildern.

Spiegelnde Flächen verhüllen

„Viele Demenzkranke entwickeln eine Angst vor Spiegeln und spiegelnden Flächen”, sagt Marion Karstens, Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Kiel. Sie könnten sich selbst nicht mehr erkennen und fürchteten sich vor der fremden Person, die sie dort sehen. In solchen Fällen sei es daher sinnvoll, Spiegel und spiegelnde Flächen - wie beispielsweise auch Fenster - mit Gardinen abzudecken.

Zudem empfiehlt Karstens, ein Windspiel oder einen Bewegungsmelder an der Eingangstür zu befestigen. „Demenzkranke haben oft den Drang, die Wohnung zu verlassen. Solche Vorrichtungen können dafür sorgen, dass man mitbekommt, wenn der Betroffene sich auf den Weg macht”, sagt Karstens.

Man könne die Tür auch mit einem Vorhang verhängen oder in derselben Farbe streichen wie die Wand, damit der Betroffene sie nicht wahrnimmt. Wichtig sei jedoch, dass man Demenzkranke nicht einsperre, sondern auf ihr Bedürfnis, sich an einen bestimmten Ort zu bewegen, eingehe. „Es gibt auch kleine Ortungsgeräte, mit denen man Demenzkranke ausstatten kann”, sagt Günther Schwarz. Sie könnten dabei helfen, den Betroffenen zu finden, falls er sich verlaufen hat.

Technische Hilfsmittel nutzen

Auch darüber hinaus sollte man auf die Sicherheit von Demenzkranken und ihren Mitmenschen achten. „Besonders wichtig ist, dass alle Elektrogeräte in der Wohnung des Kranken gut gesichert sind”, sagt Marion Karstens. Unter anderem sei es empfehlenswert, eine Herdsicherung mit Zeitschaltuhr und Hitzeüberwachung installieren zu lassen. Auch ein Bügeleisen, das sich automatisch abstellt, oder ein Wasserkocher mit Überhitzungsschutz könnten sinnvolle Anschaffungen sein.

„Manche Demenzkranke laufen nachts in der Wohnung umher und schalten alle Geräte an. Das kann man vermeiden, indem man die Stromversorgung nachts mit Hilfe einer Zeitschaltuhr unterbricht”, sagt Karstens. Ein Temperaturbegrenzer am Waschbecken könne den Demenzkranken davor schützen, sich zu Verbrühen, da er den Hitzereiz zu spät bemerkt.

Nicht jede Umstellung ist ein Gewinn

„Oft möchten Angehörige Demenzkranken das Leben erleichtern, indem sie ihnen besonders einfach zu bedienende Geräte in die Wohnung stellen”, sagt Günther Schwarz. Solche Umstellungen seien für den Betroffenen aber oft eine Überforderung. „Eine neue Mikrowelle mit nur einem Knopf scheint vielleicht praktikabler, aber der Kranke kann vielleicht nicht mehr begreifen, wie man sie bedient”, gibt Schwarz zu bedenken. Derartige Neuerungen seien daher eher im frühen Stadium der Demenz sinnvoll. Zudem müsse man sie durch häufiges Wiederholen mit dem Kranken einüben.

Auch Änderungen, die in der Zeit vor der Erkrankung vorgenommen wurden, können dem Kranken Probleme bereiten. „Da das Kurzzeitgedächtnis durch die Erkrankung Schaden nimmt, leben Betroffene oft stark in der Vergangenheit und können möglicherweise mit den Neuerungen nicht mehr umgehen”, sagt Marion Karstens. In solchen Fällen könne es daher sinnvoll sein, auf Altbekanntes zurückzugreifen und beispielsweise die neue Digital-Küchenuhr wieder durch eine Uhr mit Ziffernblatt zu ersetzen.

„Bekannte Dinge geben Demenzkranken Sicherheit in einer zunehmend fremd werdenden Umwelt”, sagt Karstens. Daher freuten sich viele, wenn man Bilder von früher in der Wohnung aufhänge und Fotoalben auslege. „Manche nutzen auch digitale Fotorahmen, in denen die Bilder immer wieder wechseln”, sagt Karstens. Man könne sich auch darauf besinnen, welche Musik der Betroffene in der Jugendzeit gerne gehört hat, und diese Platten immer mal wieder auflegen. „Jedes Wiedererkennen ist ein Erfolgserlebnis für die Betroffenen”, betont Marion Karstens.
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