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Persönliche Glückwünsche angemessen überbringen

Von: Maria Hilt, ddp
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Bonn/München. Manche Glückwünsche passen nicht auf eine Karte. Das Glück, dass der Vater seiner Tochter zur Hochzeit wünscht, die Freude, die man über die Taufe des Enkels empfindet, oder die Gratulation zum runden Geburtstag brauchen einen stattlicheren Rahmen.

In einer feierlichen Rede kann man den großen Gefühlen gebührendes Gehör verschaffen. „Eine Rede ist eine schöne Möglichkeit, seine Glückwünsche auf eine sehr persönliche, eigene Art zu überbringen. Das ist ein tolles Geschenk”, sagt Heidi Wahl, Autorin des Ratgebers „Reden für private Anlässe”.

Damit die große Ansprache nicht zur Blamage verkommt, sollte man sie rechtzeitig und gut vorbereiten. Wahl empfiehlt, ungefähr zwei bis drei Monate vor dem Ereignis mit der Materialsammlung zu beginnen: „Am besten legt man sich ein Notizbuch zu, in dem man alle Ideen und Anregungen notiert. Das können beispielsweise Reklame-Slogans sein, Gedichte, Zitate oder Hobbys des Feiernden.”

Auch Gegenstände, die etwas mit der Person oder dem Ereignis zu tun haben, sollte man zusammentragen. „Es ist immer gut, eine Rede durch ein paar Dias, eine kurze Filmsequenz oder ein Souvenir zu ergänzen. Das lockert die Stimmung auf”, sagt die Münchner Autorin.

Zur Rede-Recherche gehört auch, mit anderen Leuten zu sprechen, die den Feiernden gut kennen und kleine Anekdoten über ihn berichten können. „Hier kann man auch nachfragen, welche Themen man bei seiner Rede unbedingt vermeiden sollte, um nicht in ein Fettnäpfchen zu treten.” Nicht jeder werde beispielsweise gerne auf seine Glatze oder seine gescheiterte Ehe angesprochen. „Auch peinliche Geschichten über die Feiernden gehören nicht in einen großen Kreis”, warnt Wahl.

Hat man seine Spurensuche abgeschlossen, geht es ans Aussortieren. „Auch wenn es schwerfällt - man sollte sich aus dem Material nur ein einziges Thema herausgreifen, das den roten Faden der Rede bildet und auf das man immer wieder Bezug nimmt”, sagt die Kommunikationstrainerin.

Nun macht man sich an die Gliederung des Vortrags. Peter H. Ditko, Gründer der Deutschen Rednerschule in Bonn, empfiehlt, beim Redenschreiben mit dem Schluss zu beginnen. „Man muss erst einmal sein Redeziel definieren. Das könnte beispielsweise lauten: Behaltet in Euch den Zauber der Liebe.” Auf diesen Schluss arbeite man dann in seiner Argumentation von Anfang an hin.

Zum Einstieg empfiehlt Heidi Wahl, gleich einen griffigen und möglichst pfiffigen Gedanken herauszusuchen, der für Beifall sorgt. „Im Hauptteil führt man diesen Gedanken dann aus, bis man am Schluss schließlich das Ergebnis dieses Gedankengangs präsentiert und einen Toast ausspricht.” Eventuell könne man hier auch ein Geschenk überreichen, das auch die Leitidee der Rede ist.

„Wichtig ist, dass man nicht zu ausschweifend wird. Einige wenige Kerngedanken reichen aus”, sagt Wahl. Eine Festrede sollte nicht länger als drei bis fünf Minuten dauern. „Ein maschinenbeschriebenes DIN-A4-Blatt entspricht ungefähr einem Vortrag von zwei bis drei Minuten”, nennt Wahl eine wichtige Faustregel.

Hat man die Rede fertiggeschrieben, sollte man sie einige Tage beiseitelegen und sie sich dann einmal selbst vorlesen. „Viele Reden sind eher Schreiben - sie sind ausformuliert wie ein Lesetext”, sagt Redenschreiber Ditko. Komplizierte Satzstrukturen erschwerten den Zuhörern jedoch das Verständnis.

Um die Schriftsprache in Redesprache zu verwandeln, empfiehlt der Rhetorikexperte, die Rede einmal zu schreiben und anschließend zu versuchen, die Sätze zu kürzen. „Keine Schachtelsätze, sondern Hauptsätze sind gefragt. Also nicht Ich freue mich, dass ich Sie hier begrüßen kann, sondern einfach Herzlich willkommen.”

Um seinen Vortrag einzustudieren, empfiehlt Ditko, sich von einem Rhetorikexperten coachen zu lassen. „Hat man diese Möglichkeit nicht, sollte man sich zumindest zu Hause vor den Spiegel stellen und seinen Vortrag auf Tonband aufnehmen, um sich selbst zu überprüfen.” Auch der Partner oder Freunde sollten vor dem großen Moment einmal als Testpublikum dabei sein und konstruktive Kritik einbringen.

„Eine Rede, die komplett vom Blatt abgelesen wird, ist sehr träge und langweilig”, warnt Wahl. Sie empfiehlt daher, nur wichtige Stichpunkte auf Stichwortzetteln zu notieren. Peter H. Ditko kennt noch eine andere Methode: „Man kann sich sein Manuskript auch Satz für Satz auf DIN-A5-Kärtchen im Querformat abschreiben. Wichtige Stichworte setzt man links heraus an den Rand, und falls diese dann nicht ausreichen, kann man sich am Text weiterhangeln.”

Viele Redner setzen sich mit zu hohen Erwartungen unnötig unter Druck. „Beim Auftritt sind sie dann so aufgeregt, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen können”, sagt Heidi Wahl. Bei Reden im privaten Rahmen habe man jedoch den Vorteil, dass das Publikum dem Redner absolut wohlgesonnen sei und man keine strenge Kritik zu befürchten habe.

Versprecher, heruntergefallene Stichwortzettel oder ein roter Kopf sind Wahl zufolge daher überhaupt kein Problem. „Solche Patzer machen den Redner sympathisch. Man sollte sie mit Humor nehmen und beispielsweise kurz erklären, dass man nun mal ein energischer Typ ist.”


Literatur:

Gerald Drews: „Festreden - Von der Geburt bis zum 100. Geburtstag”, Urania, 2001, 9,90 Euro, ISBN: 978-3332012897

Ingeborg Düffert: „Humorvolle Vortragstexte für Geburtstage - Verse, Sketche und Reden”, Knaur, 2006, 9,95 Euro, ISBN: 978-3426642979

Yvonne Joosten: „Die schönsten Reden für Familienfeiern”, Humboldt, 2007, 7,90 Euro, ISBN:978-3899941463

Heidi Wahl: „Reden für private Anlässe”, Gräfe und Unzer, 2007, 12,90 Euro, ISBN: 978-3774288522

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