Nicht immer auf und davon: Jagdhunde eignen sich auch für Familien

Von: Aliki Nassoufis
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Eine gute Spürnase: Setter gehören zu den klassischen Jagdhunden. Ganz abgewöhnen können Besitzer ihrem Tier diesen Trieb nicht. Foto: dpa

Dortmund/Hamburg. Und schwupps! Plötzlich ist der Jack Russell Terrier weg. Er hat ein Kaninchen aufgespürt, jagt ihm hinterher und ist nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen. Solch angeborenes Jagdverhalten kann einem Hundebesitzer schon zu schaffen machen.

Zwar lässt es sich durch Training recht gut in den Griff kriegen. Den Trieb vollständig wegtrainieren zu können, ist allerdings eine Illusion.

Eine gewisse Jagdmotivation hat jeder Hund. „Dieses Erbe hat selbst ein Mops”, sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen in Dortmund. Das Jagdverhalten sei angeboren und bei Jagdhunden besonders ausgeprägt - wenn auch je nach Rasse und Zuchtlinie unterschiedlich stark. Die Hunde wurden und werden nach wie für unterschiedliche Aufgaben bei der Jagd gezüchtet: „Es gibt beispielsweise Stöberhunde wie die Dackel, Meutehunde wie den Beagle oder Apportierhunde, zu denen die Retriever-Rassen gehören.” Außerdem zählen Vorstehhunde wie Setter zu den Jagdhunden - sie zeigen Jägern, wo das Wild ist, ohne selbst hinterherzurennen. Windhunde hingegen jagen dem Wild hinterher, je nach Rasse sind sie laut Kopernik allerdings auf unterschiedliche Arten spezialisiert.

Für ein Leben in der Familie sind viele Jagdhunderassen sehr gut geeignet. Denn sie werden nicht mehr nur auf Leistung bei der Jagd, sondern auch als Begleit- und Familienhunde gezüchtet wie der Dackel, der Golden Retriever oder der Cockerspaniel. „Auf jeden Fall sollte bei der Anschaffung des Tieres unbedingt darauf geachtet werden, dass der Hund nicht aus einer Leistungszucht kommt”, sagt Verbandssprecher Kopernik. „Das macht dann weder den Halter noch den Hund glücklich, der sein ganzes Leben an der Leine fristen muss.”

Die Jagdmotivation ist keine Frage des Hundealters: „Selbst im hohen Alter ist bei den Tieren noch Jagdverhalten möglich, auch wenn sie gemütlicher werden und möglicherweise nicht mehr so gut sehen und hören”, sagt Barbara Schöning, Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz aus Hamburg. Da das Jagdverhalten durch die Aktivierung des internen Belohnungssystems für die Hunde von Nutzen sei, sei es extrem schwierig, dagegen anzutrainieren. Die Idee, dass man unerwünschtes Jagen bei einem Hund vollständig abtrainieren kann, ist deshalb ein Trugschluss. „Wer das glaubt, lügt sich in die Tasche.” Man könne allerdings ein hohes Maß an Kontrolle erreichen.

Darum geht es zum Beispiel beim Anti-Jagd-Training, das unter anderem Elvira Knöbel und viele Hundetrainer auf ähnliche Weise anbieten. „Es zielt einerseits darauf ab, den Grundgehorsam deutlich zu verbessern, so dass der Hund auf Kommandos hört”, erklärt die Hundetrainerin aus Hartheim am Rhein. „Andererseits geht es darum, dem Hund Beschäftigungen anzubieten, die das Jagdverhalten ersetzen - beispielsweise das Dummy-Training mit einem Futterbeutel.”

Das Training mit der „Ersatzbeute” beginnt in einer Umgebung mit wenig Ablenkung und steigert sich dann nach und nach, bis zum Schluss im Wald mit Wildattrappen trainiert wird. „Der Erfolg hängt aber nicht nur am Hund, sondern auch an seiner Vorerziehung und daran, wie gut der Halter selbst mitmacht”, sagt Knöbel. Außerdem sei es wichtig, dass nach dem Kurs immer wieder geübt werde - wenn auch nicht mehr so intensiv wie zuvor. Ein Hund, der seit Jahren immer wieder dem Wild nachgeht und vielleicht schon Jagderfolg hatte, lasse sich zudem schwieriger trainieren als ein junger Hund, bei dem das Jagdverhalten noch nicht so ausgeprägt ist.

Wichtig ist aber - und das sollte jedem Halter klar sein - nicht nur eine sehr gute Erziehung. Jagdhunde müssen auch im Alltag ausgelastet und regelmäßig gefordert werden. „Dafür muss man jedoch nicht auf die Jagd gehen”, erklärt Schöning. „Man kann sich auch Alternativen suchen wie Obedience oder Sport und Spaß, eine Mischung aus Grundgehorsam, Agility und dem Üben von Tricks.” Eine halbe Stunde täglich neben den normalen Spaziergängen etwas anderes zu tun, würde einen Jagdhund recht gut auslasten.

Langeweile kann Hunde krank machen

Wenn die Tiere ihrem Jagdverhalten nicht nachgehen können und dementsprechend unausgelastet sind, bedeutet das für sie Stress. „Auch Langeweile erzeugt Stress”, sagt Barbara Schöning, Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz. „Und um diesen Stress abzubauen, zeigen die Hunde andere Verhaltensweisen.” Es könne zum Beispiel sein, dass sie bellen, Gegenstände anfressen oder sich beim Spaziergang plötzlich selbstständig machen. Manche Hunde würden sogar körperlich krank oder entwickelten Aggressionen.

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