Nicht für die Katz: Erste Hilfe für Vierbeiner

Von: Sabine Maurer, dpa
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In schweren Fällen hilft nur noch der Tierarzt: Bis der eintrifft, können Halter ihrem Tier mit Erster Hilfe oft das Leben retten.

München. Die Katze ist im gekippten Fenster stecken geblieben und atmet nur noch flach. Der Hund hat mit einem Artgenossen gekämpft, seine Wunden sind tief, und das Blut fließt in Strömen.

Hier hilft nur ein rascher Besuch beim Tierarzt. Bis die Tiere in der Praxis sind, können Laien aber einiges tun - und dem Vierbeiner damit vielleicht sogar das Leben retten.

„Wenn Hunde als Notfall in die Praxis kommen, wurden sie in der Regel angefahren oder von anderen Hunden gebissen”, sagt der Tierarzt Klaus Kutschmann aus Magdeburg. Katzen nutzen ihre angeblich sieben Leben, indem sie vom Balkon fallen, weil sie Vögel jagen wollen, oder in gekippten Fenstern stecken bleiben.

Nach einem Unfall sollte das Tier - egal, ob Hund oder Katze - immer vom Arzt untersucht werden, denn es könnte innerlich bluten oder einen Lungenriss erlitten haben. Die ersten Helfer in der Not sollten sich zunächst darum kümmern, dass das Tier genügend Luft bekommt. Die Zunge wird vorgezogen, so kann der Helfer sehen, ob Blut oder Sekret die Atemwege verkleben. Ist das der Fall, muss die Maulhöhle ausgewischt werden. Aber Vorsicht: Verletzte Tiere können in Panik geraten und um sich beißen.

Beim Blick ins Maul können gleich die Schleimhäute begutachtet werden. Sind sie gesund, schimmern sie glänzend und rosarot. Eine verwaschene Farbe kann auf einen Blutverlust hindeuten. Es ist ebenfalls kein gutes Zeichen, wenn das Zahnfleisch nach einem kurzen Druck nicht innerhalb von zwei Sekunden wieder rosig ist.

Kühlen und beruhigen hilft, wenn der Vierbeiner plötzlich an Atemnot leidet. „Die Tiere atmen dann schnell und meistens sehr flach”, erklärt René Dörfelt, Oberarzt für Intensiv- und Notfallmedizin an der Kleintierklinik der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Die Tiere legen sich von selbst auf die Brust, weil sie in dieser Position besser atmen können. Ist das Tier dafür schon zu schwach, sollte es der Besitzer in diese Position bringen.

Ein Hund atmet normalerweise 15- bis 30-mal pro Minute, eine Katze zwischen 20- und 30-mal. Bei weniger oder deutlich mehr Atemzügen wird es kritisch. Atmet ein Tier nur noch schwach oder nicht mehr, kann eine Mund-zu-Nase-Beatmung es retten. „Am besten hält man ein Taschentuch dazwischen. Dann holt man tief Luft, pustet dem Tier in die Nasenlöcher, zählt bis drei und fängt wieder von vorne an”, rät die Tierärztin Margrit Rogalla aus dem hessischen Nidderau.

Der Herzschlag lässt sich bei Hund und Katze hinter dem Ellenbogen fühlen, dazu sollten der Zeige- und Mittelfinger mit deutlichem Druck aufgelegt werden. Macht das Herz Probleme, kann eine Herzdruckmassage helfen. „Dazu drückt man mit beiden Händen im Drei-Sekunden-Abstand fest zu”, sagt der Tierarzt Kutschmann. Bleibt das Herz stehen, kann es mit einem beherzten Boxhieb wieder in Gang gebracht werden.

Offene Wunden sollten bis zum Tierarzt mit einem leichten und feuchten Verband abgedeckt werden, damit sie nicht weiter verschmutzen und nicht austrocknen. Sprays und Medikamente sind bei der Ersten Hilfe tabu. Stark blutende Wunden sollten mit einem Druckverband versorgt und kurz oberhalb der Verletzung abgebunden werden, zum Beispiel mit einem Gürtel.

„Wenn der Bauch offen ist und die Gedärme heraushängen, sollten sie nicht zurück gesteckt werden”, rät Kutschmann. Mit einem angefeuchteten Tuch können die Gedärme stattdessen fixiert werden. Aufpassen sollten die Tierbesitzer, dass ihr Vierbeiner nicht auf seinen eigenen Darm tritt oder ihn in der Aufregung sogar frisst. Auch wenn es schrecklich aussieht: Das Tier hat eine realistische Überlebenschance.

Das gleiche gilt bei Vergiftungen. Wer sein Tier beim Gift fressen erwischt, sollte sofort mit ihm zum Tierarzt fahren. Entgegen landläufiger Meinung hilft Milch in solchen Fällen nicht. „Bis das Gift bei der Magen-Darm-Passage angekommen ist, dauert es etwa eine halbe Stunde”, sagt Tierärztin Rogalla. Der Tierarzt spritzt dem Tier ein Mittel, damit es sich erbricht, oder macht eine Magenspülung.

Vergiftungen kommen jedoch relativ selten vor. Die betroffenen Tiere werden apathisch, manchmal bekommen sie blutigen Durchfall. Wenn sich das Tier erbricht oder Durchfall hat, kann das aber auch an seinen sonstigen Fressgewohnheiten liegen. „Manche Hunde fressen einfach alles, von der Zigarette bis hin zu Müll”, sagt Dörfelt. Auch Schokolade kann für Hunde gefährlich werden, vor allem Bitterschokolade.

Brenzlig wird es, wenn bei Hunden der Leib anschwillt und das Tier sehr unruhig wird. Das sind die Symptome einer Magenumdrehung, die meistens große Hunde trifft. „Schnell zum Tierarzt” lautet hier die Devise. Von der Zeit bis zur Behandlung hängt es ab, ob das Tier noch gerettet werden kann.



Langsam darauf zugehen und dann schnell zupacken, laute die Devise bei der Ersten Hilfe für Tiere. „Katzen werden mit einer Hand am Nacken und mit dem anderen an den Hinterbeinen oder der Kruppe gegriffen”, sagt die Tierärztin Margrit Rogalla aus dem hessischen Nidderau. Beißenden Hunden kann eine Schlinge, zum Beispiel aus einer Kordel oder einem Verbandstück, von hinten ums Maul geschlungen werden. Die Enden werden am Hinterkopf zusammengeknotet.

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