Hannover - Mit Heißkleber zum Prinzessinenkleid: Kinderkostüme selber machen

Mit Heißkleber zum Prinzessinenkleid: Kinderkostüme selber machen

Von: Bettina Levecke, dpa
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Mit Heißkleber zum Prinzessinenkleid: Kinderkostüme selber mach
Faschingskostüme müssen nicht teuer sein: Eingeflochtene Pfeifenreiniger zum Beispiel lassen Zöpfe abstehen. Foto: dpa

Hannover. Für Kinder gehört Karneval zu den schönsten Zeiten im Jahr. Es gibt tolle Umzüge und Feiern, und man darf sich nach Herzenslust verkleiden. Eltern bereitet Karneval aber Kopfzerbrechen: Gekaufte Kostüme sind oft teuer. Und was Selbermachen angeht, zweifeln viele an ihrem Talent.

Dabei braucht es nur ein wenig Geduld und etwas Kreativität, um tolle Kostüme zu zaubern, sagt Claudia Grete, Inhaberin von „Findus Kinderkostüme” in Hannover.

In dem Laden hängen fantasievolle bunte, lustige und verspielte Kostüme, Kopfbedeckungen, Tücher und andere Accessoires für den Verkleidungsspaß. Die meisten sind handgeschneiderte Unikate. Grete empfiehlt Eltern, aus Alt Neu zu machen: „Grundlagen für Kostüme findet man in Second-Hand-Läden oder im eigenen Kleiderschrank.”

Aus Omas schwarzem Glitzerpulli macht Grete ein Hexenkostüm: „Ich kürze die Ärmel, mache den Ausschnitt enger und nähe einen kleinen Rock aus schwarzem Tüll dazu.” Für die magische Optik kann man ein paar Plastikspinnen auf den Pulli kleben oder mit einem Stoffmalstift Spinnenweben oder Sterne aufzeichnen.

„Grundkostüme gibt es günstig in jedem Kleidungsdiscounter”, sagt Claudia Nitzsche, freiberufliche Kostümschneiderin auf Mallorca. Eine braune Strumpfhose mit gleichfarbigem Body biete die Vorlage für ein Tierkostüm. „Flügel simulieren lange, verschiedenfarbige Bänder oder Streifen, die an die Unterseite der Arme geklebt werden.” Stoffreste gibt es häufig für wenig Geld in Handarbeitsgeschäften. „Oder man benutzt alte Kleidung, die man selbst nicht mehr braucht.”

Ob Hase oder Maus: „Für Ohren stabile Pappe in die gewünschte Form schneiden, braun anmalen oder mit Watte bekleben”, rät Sandra Florean, Kostümschneiderin aus Schwentinental bei Kiel. Für einen Schwanz wird ein Strumpfhosenbein abgeschnitten und mit Füllwatte gestopft. „Toll ist auch passender Plüschstoff, den man mit der Hand zu einem langen Schlauch näht.” Wer Flügel für einen Schmetterling oder eine kleine Waldfee basteln will, biegt Blumendraht in Form und zieht jeweils ein Bein einer Nylonstrumpfhose in der gewünschten Farbe darüber. „Die Flügel kann man dann mit Pailletten oder bunten Stoffflicken bekleben.”

Eltern, die mit der Nähmaschine umgehen können, sind natürlich im Vorteil: „Profis können aus Nähvorlagen, die es in Handarbeitsgeschäften oder in Zeitschriften gibt, für wenig Geld perfekte Kostüme herstellen”, sagt Florean. Oft reiche es aber schon, gerade Nähte nähen zu können. Ob mit der Hand oder der Maschine: „Anfänger sollten sich nicht zu schwere Stoffe kaufen”, rät die Kostümschneiderin. Dicke Samtstoffe oder rutschiges Satin sind schwierig zu verarbeiten. „Ganz leicht ist es hingegen mit Baumwollstoffen, Vlies oder Filz.”

Aus einem rechteckigen oder halbrunden Stück Stoff wird ruck-zuck ein Umhang. „Einfach die Oberkante säumen und eine Kordel durchziehen”, erklärt Grete. Rote Punkte verwandeln ihn dann in ein Maikäferkostüm, glitzernde Sternen in einen Zaubererumhang. Aus einer alten Gardine, beklebt mit Pailletten, wird ein Brautschleier.

Auch Röcke lassen sich leicht herstellen. „Für einen Tüllrock ein passendes Loch in ein rundes Stück Stoff schneiden und den Rock mit einem bunten Band an der Taille des Kindes befestigen”, erklärt Nitzsche. Noch einfacher entstehe ein Fetzenrock aus bunten Bändern: Dafür werden viele lange Stoffstreifen ausgeschnitten und an ein Oberteil oder einen Gürtel genäht oder geklebt.

Manchmal reicht es zu tackern, sagt Florean: „Wenn das Kostüm nur einen Nachmittag halten muss, ist das schnell und effektiv.” Dann ist es allerdings wichtig, die Tackernadeln fest anzudrücken, damit die Nadeln dem Kind nicht wehtun.

„Um Kostüme zu verfeinern, gibt es 1001 Möglichkeit”, sagt Florean. Mit Stoffmalstiften lassen sich Beschriftungen wie „Polizei” oder „Feuerwehr” und Motive wie Herzen, Sterne oder Wappen aufzeichnen. „Überlegen Sie einfach, was zum Kostüm passen könnte.” Mit der Heißklebepistole oder speziellem Kleber aus dem Bastelladen befestigt, peppen Pailletten oder andere Dekosteine Kostüme auf. „Bei Meerjungfrauen Muscheln aufkleben, beim Blumenmädchen kleine Stoffblüten und beim Polizisten Streifen und Wappen auf die Uniform.”

„Man muss etwas abstrakt denken, aber dann kommen die guten Ideen”, sagt Grete. „Aus alten Kommunionskleidern werden süße Engelskostüme.” Das Kleid kürzen, die Arme aufschneiden, damit sie etwas „flatterig” werden und kleine, gebastelte Flügel am Rücken befestigen.

Aus Mamas Glitzertuch und ein paar Glöckchen wird im Nu eine orientalische Bauchtänzerin, sagt Florean. Cowboy- und Piratenkostüme lassen sich aus abgetragenen Jeans und Papas alten Flanellhemden zaubern. „Begeben Sie sich mit ihrem Kind auf Entdeckungstour durch Schränke und Kisten, Sie werden sicher fündig.”

Vieles lässt sich selber machen

Ein Zaubererhut kostet im Geschäft schnell zehn Euro. „Kaufen Sie lieber stabile Pappe in der passenden Farbe”, rät die Kostümschneiderin Claudia Nitzsche. Einfach aufrollen wie eine Schultüte, an den Kopfumfang des Kindes anpassen, zuschneiden und festtackern. Mädchen mit langen Haaren brauchen als Pippi Langstrumpf keine teure Perücke, sagt ihre Kollegin Sandra Florean: „Mit einem eingearbeiteten Pfeifenreiniger erhalten Zöpfe Standkraft.”
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