Mit dem Paartherapeuten das Beziehungschaos sortieren

Von: Maria Hilt, ddp
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Viele lieben am Blind Date den Nervenkitzel. Ein Rendezvous mit einem Unbekannten macht manchen Singles jedoch auch Angst. Foto: ddp

Bönningstedt/Frankfurt a. Main. In einer handfesten Beziehungskrise verliert man schnell den Überblick. Um aus dem Kreislauf aus Vorwürfen und Trotzreaktionen auszubrechen, kann es deshalb sinnvoll sein, einen Paartherapeuten als unabhängigen Dritten zu Rate zu ziehen.

„Heftige Emotionen machen es Paaren oft schwierig, sachliche Lösungen für ihre Konflikte zu finden. Ein Paartherapeut kann dabei helfen, die Situation zu sortieren und sich gegenseitig wieder abseits der Verletzungen zu erkennen”, sagt Friedhelm Schwiderski, Vorsitzender des Arbeitskreises Paar- und Psychotherapie. Schon der gemeinsam gefasste Entschluss, eine Paartherapie zu machen, sei oft ein erster Fortschritt für ein Paar in der Krise.

Der Titel „Paartherapeut” oder „Paarberater” ist nicht geschützt und deshalb auch keine Garantie dafür, dass die Person über eine ausreichende Qualifikation verfügt. „Man sollte daher nicht einfach jemanden aus dem Branchenbuch auswählen, sondern sich vorher genau über den Therapeuten informieren und möglicherweise Tipps von Bekannten einholen”, empfiehlt Bernd Böttger vom Institut für Paartherapie in Frankfurt am Main. Trage der Paartherapeut zusätzlich den Titel „Psychotherapeut”, könne man allerdings davon ausgehen, dass er eine staatlich anerkannte Ausbildung abgeschlossen habe.

Wie lange eine Paartherapie dauert, ist individuell unterschiedlich. Es kann vorkommen, dass sie sich über 30 bis 40 Sitzungen erstreckt. Dabei muss das Paar das Honorar des Therapeuten aus der eigenen Tasche bezahlen. „Eine Paartherapie gehört nicht zum Leistungsumfang der Krankenkasse und kann daher nicht bezuschusst werden”, sagt Friedhelm Schwiderski.

Die Formen der Paartherapie sind vielfältig. „Es gibt die klassische Zweier-Therapie, aber es werden auch Gruppentherapien angeboten, bei denen sich mehrere Paare treffen und sich mit ihren Konflikten auseinandersetzen”, sagt Schwiderski. Solch eine Konstellation sei eine gute Möglichkeit zu erleben, dass auch andere ähnliche Probleme haben: „Viele Paare fühlen sich durch diese Erfahrung entlastet.”

Zudem können Paare zwischen drei therapeutischen Grundrichtungen wählen: „Bei der Verhaltenstherapie liegt der Fokus auf den Handlungen der Partner und darauf, diese zu verändern”, erklärt Böttger. Bei der systemischen Paartherapie würden die Partner als Teil eines Gefüges angesehen, in dem sie besondere Rollen innehaben, von denen sie sich lösen können. Die psychoanalytisch ausgerichtete Paartherapie ziele hingegen darauf ab, unterbewusste Einflüsse aufzuspüren und die Lebenserfahrungen der Partner in die Problemlösung mit einzubeziehen.

Üblicherweise suchen beide Partner gemeinsam einen Paartherapeuten auf. Es kommt aber auch vor, dass die Initiative zunächst nur von einem Partner ausgeht. „Manche Leute kommen alleine in die Therapie, um schwierige Themen einmal aus einer anderen Position zu betrachten und herauszufinden, wie sie selbst auf die Konflikte einwirken können”, berichtet Schwiderski. Oft stelle der Partner nach einiger Zeit dann auch fest, dass die Therapie beiden nutzt, und beteilige sich schließlich doch.

In manchen Fällen enthält aber auch eine Paartherapie Einzelsitzungen. „Die Themen, die in einer Paartherapie behandelt werden, bewegen sich immer sowohl auf der Paarebene als auch auf der persönlichen Ebene der einzelnen Partner. Es kann daher sinnvoll sein, wenn der Paartherapeut auch manchmal mit einem Partner alleine arbeitet, um dessen persönlichen Themen zu besprechen”, erklärt der Psychologe aus Bönningstedt bei Hamburg. Schließlich habe jeder Partner bereits Erfahrungen und Werte in die Beziehung hineingebracht, die die Konstellation beeinflussen.

Ein Urteil darüber, wer die vermeintliche Schuld am Beziehungschaos trägt, wird der Paartherapeut allerdings nicht fällen. „Ein Paartherapeut ist kein Schiedsrichter. Er bezieht keine einseitige Position, sondern gesteht jedem Partner zu, für sich im Recht zu sein”, sagt Schwiderski. Das Ziel der Therapie sei vielmehr, dass beide Partner lernten, die Position ihres Gegenübers zu begreifen und sich in sie hineinzuversetzen.

Wer von einem Paartherapeuten eine Happy-End-Garantie erwartet, wird ebenfalls enttäuscht sein. „Ein Paartherapeut ist kein Wunderheiler. Auch er kann jahrelange Beziehungsprobleme nicht in zwei Sitzungen lösen”, sagt Bernd Böttger. Manchmal kristallisiere sich in der Therapie auch heraus, das eine Trennung für beide Partner das Beste sei. Zudem hänge der Erfolg der Therapie stark von der Mitarbeit beider Partner ab: „Der Therapeut kann lediglich Vorschläge machen. Dafür, dass diese dann auch im Alltag umgesetzt werden, muss das Paar allerdings selbst sorgen.”
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