Kaiserslautern - Mit dem Einrad über Blumenbeete: Trialen ist mehr Springen als Fahren

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Mit dem Einrad über Blumenbeete: Trialen ist mehr Springen als Fahren

Von: Carina Frey, dpa
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Mit dem Einrad Spaß haben: Trialen ist mehr Springen als Fahren. Foto: dpa

Kaiserslautern. Von wegen Mädchensport! Zwar drehen tatsächlich vor allem Mädchen Runden auf Einrädern. Das heißt aber noch lange nicht, dass Jungs mit ihnen keinen Spaß haben können.

Denn auf Einrädern kann man genauso gut Treppen hoch- oder Abhänge runterspringen, über Blumenbeete hüpfen oder Geländer runterrutschen. Dann heißt Einradfahren „Trialen”.

Der Sport kommt ursprünglich aus Kanada. In Deutschland gibt es erst wenige tausend Fahrer, die sich aber umso reger im Internet austauschen. Wer mit der Sportart beginnen möchte, findet dort Tipps.

Was hinter dem Trialen steckt, zeigen am besten Filme. Auf Youtube kann man sich zum Beispiel anschauen, wie Fahrer Treppen runterhüpfen (http://www.youtube.com/watch?v=nEdJFLZPXX8) oder von Mauern und über Steine springen (http://www.youtube.com/watch?v=3qAyBLeEAcA).

Trialer sind in der Regel nicht organisiert, einige Fahrer haben sich aber zu Teams zusammengeschlossen. Hinter Ruhrpott Unitrials beispielsweise verbergen sich vier Fahrer, die auf ihrer Homepage per Film zeigen, wie sie auf Bänken oder über Blumenbeete springen. Gleiches gilt für das Trial & Error Team Bottrop, das aus sieben Fahrern besteht.

Trial ist nur eine Richtung des Einradfahrens. Im klassischen Freestyle drehten die Fahrer ihre Runden in der Halle und präsentierten eine Kür, erklärt Lutz Eichholz aus Kaiserslautern, mehrmaliger Weltmeister auf dem Einrad. Daraus abgeleitet hätten sich Flat und Street - das sind Tricks auf der Straße. Flat, Street und Trial fallen in den Bereich Extreme-Fahren. Beim Trial steht das Springen über und von Hindernissen im Vordergrund - letztendlich vermischten sich die verschiedenen Richtungen aber, sagt Eichholz.

Doch wer springen will, sollte erstmal fahren können - zumindest ein bisschen. „Ich kenne einige, die gerade mal ein Viertel- oder ein halbes Jahr einradfahren und anfangen zu trialen”, sagt Felix Hees aus Friedewald (Rheinland-Pfalz), der mit seinem Doc Team Shows fährt. „Man muss vorher nicht jahrelang einradfahren”, bestätigt auch Moritz Hahn von Ruhrpott Unitrials. Ein paar Wochen Geradeaus- und Kurvenfahren zu üben, sei aber hilfreich.

Dann geht es los mit dem Hüpfen. Dafür müssen die Kurbeln waagrecht stehen, der Fahrer gibt Kraft auf die Pedale, packt den Sattel mit der Hand und hopst herum. „Ich würde an einer Bordsteinkante anfangen und die erstmal hoch- und runterspringen”, rät Hees. Ein gutes Training sei auch, mal eine Stufe runterzufahren. „Da lernt man, wie das Rad reagiert.” Am Anfang klappe das Rad häufig weg, weil Kraft und Gleichgewichtsgefühl fehlen.

Die Fahrer wenden verschiedene Techniken an. Beim Sidehop springen sie seitlich über ein Hindernis - entweder aus dem Stand oder mit einem Anhopser. „Das ist die effektivste Technik”, erklärt Hees. Beim Rollinghop erfolgt der Sprung aus der Fahrt. Das Problem: Ein Einrad hat keinen Freilauf, die Kurbeln müssen aber waagerecht stehen, damit der Fahrer abspringen kann. „Deshalb muss er die Distanz zum Hindernis genau abschätzen”, erklärt Hahn.

Für hohe Hindernisse nehmen die Trialer die Kurbel des Einrades zur Hilfe. „Sie springen erst mit der Kurbel an das Hindernis und im zweiten Sprung hoch”, sagt Hahn. Grundsätzlich sei hochspringen schwieriger als runterspringen, „weil man die eigene Masse mitbringt”. Trotzdem warnt Lutz Eichholz vor zu frühen Sprüngen nach unten. „Das geht in den Rücken, wenn die Muskeln noch fehlen.”

„Am Anfang fliegt man sauoft hin”, erzählt Eichholz. „Aber meistens passiert nichts, weil das Einrad sofort wegfliegt.” Trotzdem rät er dringend zu Protektoren. „Man fährt auf jeden Fall mit Schienbeinschutz. Die Pedale haben Spitzen, mit denen macht man sich sonst das Schienbein kaputt”, warnt Hahn.

Außerdem seien Handschuhe sinnvoll, weil man das Rad ständig hochzieht. Felix Hees schützt darüber hinaus Knöchel und Fußgelenke und rät zum Helm. „Ich würde einen Skaterhelm nehmen. Wenn man mal böse hinfällt, landet man auf dem Hinterkopf.”

Grundsätzlich kann man sich Trialen ganz gut selbst beibringen, finden die Fahrer. „Es ist aber sinnvoll, sich am Anfang von jemandem ein paar Kniffe zeigen zu lassen oder einen Workshop zu besuchen”, rät Hees. Wann und wo die angeboten werden, steht im deutschen Einradforum unter http://www.unicyclist.com nachzulesen.

Das richtige Rad zum Trialen

Anfänger können mit einem herkömmlichen Einrad erste Sprünge wagen. Auf Dauer sei aber ein besseres Rad notwendig, erklärt Moritz Hahn von Ruhrpott Unitrials. Die Trial-Räder hätten zweieinhalb Zoll dicke Reifen und eine verstärkte Achse.

Die Reifen sollten nur mit wenig Luftdruck - etwa zwei bar - gefahren werden, damit sie besser dämpfen, rät Trialer Felix Hees. Sinnvoll sei außerdem ein Griff am Sattel. Empfehlungen zu Rädern gibt es im Einradforum.
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