München - Mehr als Schultüte packen: Richtige Vorbereitung auf die Schule

Mehr als Schultüte packen: Richtige Vorbereitung auf die Schule

Von: Britta Schmeis, dpa
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Die Einschulung ist für Kinder ein ganz großer Tag. Damit auch danach alles klappt, hilft gute Planung. Foto: Patrick Pleul/dpa/tmn

München. Gestern noch Kindergartenkind, heute schon Erstklässler: Das löst nicht nur bei den Jungen und Mädchen mächtig Stolz aus, sondern auch bei ihren Eltern. Dazu mischt sich allerdings auch eine gute Portion Unbehagen. Denn fest steht: Auch wenn es die meisten Kinder kaum erwarten können, endlich in die Schule zu kommen, bedeutet das einen enormen Einschnitt.

Damit dieser neue Lebensabschnitt nicht zum traurigen Ende der Kindheit wird, reichen ganz banale Vorbereitungen, die aber oft vergessen werden. „Natürlich gibt es einige formale Voraussetzungen wie motorische Fähigkeiten, geschulte Wahrnehmung, Bewegungsfähigkeit und soziales Verhalten”, sagt die Sozialpädagogin Doris Feldmann vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Berlin.

Darauf allein komme es aber nicht an. „Das Wort Schulreife suggeriert, dass es ein biologisches Konzept gibt, das dahinter steckt”, erklärt der Diplom-Psychologe Wilfried Griebel vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. Fakt aber sei, dass Erstklässler keine homogene Gruppe sind. Pauschalratschläge für einen gelingenden Schulstart gibt es daher nicht. Dennoch können Eltern ihren Kindern helfen.

„Gut ist es, wenn Kinder schon einige Zeit vor der Einschulung Kontakt zu der Schule haben - und das nicht nur bei der Anmeldung”, sagt die Grundschullehrerin Katja Scherer aus Wülfrath (Nordrhein-Westfalen). Manche Schulen böten Schnuppertage an, die Familie kann Schulfeste, Basare und andere Veranstaltungen besuchen. „Dann kommt mit dem ersten Schultag nicht das große Unbekannte auf die Kinder zu.” Rechtzeitig den Schulweg gemeinsam abzugehen, gehöre ebenfalls zur Vorbereitung dazu.

Zudem seien es oft ganz einfache Dinge, die den Kindern den neuen Lebensabschnitt leichter machen. „Man kann mit ihnen lange vor der Einschulung beispielsweise Lochen, Einheften und ähnliche Dinge üben”, sagt Feldmann. Das gebe den Erstklässlern in der Schule Sicherheit und zusätzliche Zeit, die sie für die vielen anderen neuen Dinge brauchen.

„Gut ist auch, wenn sich die Kinder alleine und einigermaßen schnell anziehen können”, ergänzt Scherer. Das gelte für Schuhe und Jacke, aber auch für alle anderen Kleidungsstücke, schließlich haben die Kinder auch Sportunterricht, für den sie sich umziehen müssten.

„Eltern müssen unbedingt darauf achten, dass ihre Kinder gesund sind”, rät Psychologe Griebel. Das hört sich banal an. Doch oft werde viel zu spät festgestellt, dass ein Kind nicht gut hören oder sehen kann. Dann wunderten sich die Eltern, dass ihre Kinder in der Schule nicht mitkommen. Für die Schüler mache das den Start enorm schwierig.

Auch der Alltag verlangt Vorbereitung. „Mit der Schule werden die Abläufe viel straffer”, sagt Scherer. Plötzlich müssten die Kinder pünktlich sein, sich neuen Ordnungen und Hierarchien unterwerfen und hätten andere Pflichten. „Rituale und feste Abläufe, dazu ausreichend Zeit helfen den Kindern meist sehr, die neuen Anforderungen zu bewältigen.”

Wilfried Griebel empfiehlt, die Routine frühzeitig zu üben. „Hilfreich ist es, wenn die letzten Ferientage nicht mit all ihren Freiheiten ausgekostet werden, sondern die Familie den neuen Rhythmus schon mal übt, also zeitig ins Bett geht und zeitig aufsteht.”

Auch die Planung gehört in diese Zeit. Schließlich müssten die Hausaufgabenbetreuung und Fahrdienste mit anderen Eltern organisiert werden. Außerdem benötige das Kind im Kinderzimmer oder anderswo in der Wohnung einen ruhigen Platz für die Hausaufgaben.

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist: Ohne Frühstück - am besten in Ruhe - und ausreichend Schlaf sollten die Kinder nicht aus dem Haus gehen. Und auch für den Nachmittag müsse sich eine Routine einspielen. Erst Ausruhen, dann Essen, dann Hausaufgaben und anschließend Spielen oder doch eine andere Reihenfolge? Jedes Kind brauche einen anderen Rhythmus.

Auf jeden Fall sollten Eltern ihren Kindern Vertrauen und Zuversicht mit auf den Weg geben. „Die Kinder wollen lernen, und diese Neugier gilt es ihnen zu bewahren”, rät Feldmann. Schule sollte nicht mit Angst behaftet werden, und Sprüche wie „Nun beginnt der Ernst des Lebens” seien sowieso völlig antiquiert.

Hobby am Nachmittag nicht streichen

Für manche Erstklässler mag es sinnvoll sein, Aktivitäten am Nachmittag einzuschränken. Wenn das für das Kind einer Strafe gleichkommt, sei das aber völlig kontraproduktiv, sagt die Sozialpädagogin Doris Feldmann vom Verband Bildung und Erziehung.

„Man kann das ja auch mit dem Kind besprechen”, rät der Diplom-Psychologe Wilfried Griebel. Schließlich sei das Fußballtraining oder die Ballettstunde etwas Vertrautes aus dem alten Leben, das den Kindern unter Umständen Halt gibt.
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