Kügelchen gegen Wehwehchen: Wann Homöopathie für Kinder geeignet ist

Von: Stefanie Hiekmann, dpa
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Für die meisten kleineren Blessuren im Kindesalter gibt es ein passendes homöopathisches Mittel. Foto: dpa

Kernen/Hannover. Viele Eltern wünschen sich sanfte Behandlungsmethoden für Alltagsbeschwerden und Verletzungen ihrer Kinder. Häufig werden sie in der Naturheilkunde fündig: Besonders beliebt seien homöopathische Mittel, sagt Markus Wiesenauer, Allgemeinmediziner aus Kernen (Baden-Württemberg).

Verabreicht werden meist sogenannte Globuli - weiße Kügelchen aus Saccharose, die mit einem Hauch von Wirkstoffen benetzt wurden.

Viele Kinderkrankheiten böten sich an, durch homöopathische Mittel behandelt zu werden, sagt der Facharzt mit Zusatzqualifikation für Homöopathie und Naturheilkunde. Er nennt das Beispiel eines grippalen Infektes, der durch Viren verursacht wurde: „Mit Antibiotika ist da nichts zu machen.” Denn Antibiotika wirken nur gegen bakterielle Erkrankungen. Bei viralen Infekten nimmt Wiesenauer deshalb gern die Homöopathie zu Hilfe: Je nachdem, über welche Symptome das Kind gerade klagt, könne ein geeignetes homöopathisches Mittel ausgewählt und mit schnellem Erfolg eingesetzt werden.

Denn die Mittel regen der homöopathischen Lehre zufolge sowohl die körpereigene Abwehr wie auch die Selbstheilungskräfte des Körpers an. Gerade bei Kindern seien diese noch besonders stark. Kritiker bezweifeln das aber oft: Da die Verdünnung der Wirkstoffe in den Globuli so groß ist, dass diese noch nicht mal mehr nachgewiesen werden können, geben sie den Kügelchen keine Berechtigung.

Doch für Wiesenauer gilt die Devise: „Das Eine tun, ohne das Andere zu lassen.” Eine schulmedizinische Herangehensweise schließt für ihn den Einsatz von Homöopathie nicht aus: Wenn das Kind etwa gerade ein Antibiotika bekommt, könne es parallel dazu ein homöopathisches Mittel erhalten - mögliche Nebenwirkungen des Antibiotikums ließen sich so lindern. Denn Wechsel- und Nebenwirkungen gebe es in der Homöopathie grundsätzlich nicht. Daher bestehe auch keine Gefahr, neben konventionellen Medikamenten ein homöopathisches Mittel einzusetzen.

Für die parallele Anwendung von Natur- und Schulmedizin plädiert auch Gabriele Gerasch vom Arbeitskreis Naturheilkunde am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. Mit Kollegen hat die Medizinerin den gleichzeitigen Einsatz eingeführt und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Teilweise konnte der Einsatz der Schulmedizin durch die homöopathischen Mittel sogar reduziert werden.

Im privaten Gebrauch zu Hause hält Wiesenauer homöopathische Mittel für Kinder vor allem bei akuten Beschwerden für angebracht - gerade weil nicht jedes Mal ein Arzt hinzugezogen werden müsse. „Eltern, die sich ausführlich in das Thema eingelesen und damit befasst haben, werden schnell merken, dass es nicht schwer ist, das richtige Mittel zu finden”, sagt er. Es sei durchaus sinnvoll, sich mit Hilfe eines Buches oder eines VHS-Kurses näher mit den Anwendungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Das sieht Ursula Keicher, Kinder- und Jugendärztin in Ottobrunn bei München, ähnlich. „Für die meisten Wehwehchen im Kindesalter gibt es ein homöopathisches Mittel.” Selbstmedikation sei nicht nur möglich, sondern auch praktisch: Die Homöopathie hält sie für eine gute Laienmedizin, gerade wenn es um Akutbehandlungen geht. „Eltern können damit schon bei den ersten Symptomen die richtige Richtung vorgeben und so vielleicht sogar Schlimmeres verhindern”, sagt Keicher, die auch eine homöopathische Zusatzqualifikation hat.

Erwischt das Kind zum Beispiel im Sommer ein Insektenstich und die Mutter reicht ihm rechtzeitig ein paar Kügelchen des homöopathischen Mittels Apis, könne das Anschwellen der Stelle möglicherweise ganz verhindert und der Juckreiz spürbar vermindert werden. Ähnliches funktioniere bei Stößen oder Stürzen, die einen blauen Fleck nach sich ziehen. Arnika sei an dieser Stelle ein sehr gutes Mittel.

Kritiker wenden hierbei allerdings häufig ein, dass Kinder auf diese Weise daran gewöhnt werden, für jedes Wehwehchen direkt eine Pille zu bekommen. „Zurecht”, sagt Gerasch. Denn homöopathische Arzneien seien Medikamente - und sollten auch so eingesetzt werden: „So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig”, sagt sie als Leitsatz zur allgemeinen Orientierung. Bei einem Bienenstich, der tatsächlich nicht so häufig auftauche, hält sie die Gabe von Globuli in jedem Fall für gerechtfertigt. Aber bei kleinen Stürzen oder Verletzungen müsse nicht automatisch zu Arnika gegriffen werden: Es liege im Ermessen der Eltern, wie sie die Situation einschätzen.
Grenzen findet die Homöopathie, wenn Symptome auftreten, die die Eltern nicht kennen oder sich keine Besserung einstellt. Dann sollten sie mit ihrem Kind unbedingt einen Arzt aufsuchen. Das gilt vor allem, wenn starke Schmerzen auftreten oder Säuglinge erkranken.

Literatur:

Markus Wiesenauer: Quickfinder Homöopathie für Kinder. GU, ISBN: 978-3-8338-0421-2, 12,90 Euro

Ursula Keicher: Quickfinder Kinderkrankheiten. GU, ISBN: 978-3-8338-0748-0, 12,90 Euro.

Homöopathie bei chronischen Erkrankungen

Homöopathische Globuli gibt es in verschiedenen Potenzen. Für die Selbstmedikation eigneten sich am besten die Potenzen D6 und D12. Höhere Potenzen sind meist für die Behandlung von chronischen oder psychischen Beschwerden bestimmt. In diesen Fällen sollte auf jeden Fall ein Arzt zurate gezogen werden. Denn dafür ist ein ausführliches Gespräch erforderlich, bei dem der Patient und seine Krankengeschichte im Ganzen betrachtet wird.
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