Berlin - Kreativität ist kostenlos: Kinder mit wenig Geld fördern

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Kreativität ist kostenlos: Kinder mit wenig Geld fördern

Von: Bettina Levecke, dpa
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Berlin. Lernspielzeuge, Eltern-Kind-Kurse, Bücher, Musikunterricht, Ausflüge und Kinobesuche: Mit einer gut gefüllten Familienkasse kann der Nachwuchs vielseitig beschäftigt werden. Doch davon können viele Kinder nur träumen.

Nach Angaben des Deutschen Kinderhilfswerks sind rund drei Millionen Kinder in Deutschland von Armut betroffen. In der World Vision Kinderstudie 2010 wurden über 2500 Grundschulkinder nach ihrer Lebenszufriedenheit befragt. 20 Prozent der Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jahren gaben dabei an, sich benachteiligt zu fühlen. Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien. Dabei ist Geld nicht immer der ausschlaggebende Faktor, um Kinder zu fördern.

„Kinderglück definiert sich ja nicht über Geld”, sagt Birgit Ebbert, Diplom-Pädagogin aus Borken in Westfalen. „Wichtig ist, als Familie möglichst viel gemeinsam zu machen.” Kinder sinnvoll zu beschäftigten, koste oft nur Kreativität und Zeit. „Allein der ganz normale Alltag bietet eine Fülle von Möglichkeiten, Kinder abwechslungsreich zu unterhalten”, sagt Paula Honkanen-Schoberth, Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) in Berlin.

Kleine Kinder finden zum Beispiel fast alles interessant, was die Eltern machen. „Richten Sie in der Küche Spielecken mit Küchenutensilien für die Kinder ein.” Mamas Plastikdosen stapeln, mit Löffeln auf Töpfe schlagen, mit Wollknäulen oder Tüchern spielen, aus Salzteig Figuren kneten: „Das beschäftigt Kinder prima und fördert sie ganz nebenbei”, sagt Constanze Edinger, Co-Leiterin von Ina.Kinder.Garten in Berlin.

Spannend für Kinder bis ins Grundschulalter sind kleine Experimente zu Hause: Wie lange braucht ein Eiswürfel zum Schmelzen? Was passiert, wenn man ein Gummibärchen ins Wasser legt? Wie macht man aus einem Kleiderbügel eine Waage? „Kinder sind von Natur aus neugierig und wollen ganz viel entdecken”, sagt Edinger.

Ganz nebenbei können Eltern ihre Kinder gezielt fördern, zum Beispiel in der Sprachentwicklung: „Sprechen Sie mit Ihrem Kind sehr deutlich”, empfiehlt Edinger. Statt nur kurz „Hol mal das Auto da hinten” zu sagen, sei ein Satz, wie „Holst du mir bitte das gelbe Auto links neben der Kommode?” viel informativer. Kinder würden so Farben und Wörter lernen und auch frühzeitig den Unterschied zwischen links und rechts verstehen.

Beim Backen oder Kochen können Kinder Zutaten abwiegen: „Das ist Mathe pur!”, sagt Edinger. Singen, Märchen vorlesen, Geschichten ausdenken, Phantasiereisen unternehmen: „Das sind die Klassiker, die in keiner Familie fehlen sollten”, findet Birgit Ebbert. „Oft haben Kinder selbst ganz tolle Ideen, was sie mit den Eltern oder Geschwistern spielen wollen”, sagt Edinger. Den kindlichen Lerneifer befriedigen auch gemeinsame Forschungen: „Hat ein Delfin einen Bauchnabel?”; „Können Schweine schwimmen?” Das Beantworten solcher Fragen können Eltern und Kind sich zur gemeinsamen Aufgabe machen.

Ideal als kleine Recherche-Reise ist ein Besuch in der Stadt- oder Gemeindebücherei: „Kinder bekommen dort häufig sogar beitragsbefreit einen Ausweis.” Ob die Entleihe von Büchern, Kassetten, Hör-CDs oder Familienspielen: „Büchereien sind ideal, wenn man wenig Geld hat”, sagt Ebbert.

„Für die Motorik und die Entwicklung eines Kindes ist es ganz wichtig, viel draußen zu spielen”, sagt Christoph Schmidt, Diplom-Psychologe an der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Groß-Gerau. Spazierengehen, durch Wiesen und Wälder toben, mit dem Fahrrad die Umgebung erkunden: „Das alles kostet Eltern keinen Cent!” Auch Honkanen-Schoberth plädiert für mehr Bewegung: „Kinder müssen auf Spielplätzen toben dürfen und im Park oder Garten im Matsch und Sand buddeln.”

Viele Eltern hätten dazu aber keine Lust: „Dabei kann man da andere Eltern treffen und kennenlernen”, weiß Schmidt. Die Vernetzung mit anderen Familien sei eine wertvolle Unterstützung: „Man kann sich Tipps holen, sich gegenseitig entlasten und auch gemeinsam mit den Kindern Unternehmungen planen”, empfiehlt die Expertin vom Deutschen Kinderschutzbund.

Generell sollten Eltern sich öfter trauen, nachzufragen, was Vereine kosten und ob es Fördergelder gibt, empfiehlt Honkanen-Schoberth: „Man muss sich nicht schämen.” Auch schulische Nachhilfe könne für wenig oder auch gar kein Geld organisiert werden: „Viele karitative Vereine bieten Nachhilfe oder die Unterstützung durch Familienpaten, wie zum Beispiel ,Leih-Omas”, sagt Honkanen-Schoberth.

Auch Nachhilfe-Träger seien oft zu Verhandlungen bereit. „Reden Sie mit dem Klassenlehrer, ob es schulinterne Möglichkeiten gibt”, rät Schmidt. Auch Nachbarn, Bekannte oder Verwandte seien oft bereit, zu helfen.
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