Kernige Männer sind gefragt

Von: Britta Schmeis, dpa
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Hamburg. Die Männer stecken in der Krise, die Jungen sowieso. Zu sehr sind Bildung und Gesellschaft auf Mädchen fixiert, zu wenig haben die Jungen männliche Rollenmodelle und zu sehr fallen in den immer urbaneren Wohngebieten Räume für Toben, Räuber- und Gendarmenspielen und Staudämme-Bauen weg.

Dagegen scheinen sich die ausgewachsenen Kerle schon fast an ihre neue Rolle gewöhnt zu haben. Denn die Frauen, oft nicht mehr ökonomisch abhängig (und trotzdem seltener in Führungspositionen), nehmen sie seit Jahren in die Pflicht. Zwar zählen Vollzeitväter und Hausmänner in Deutschland immer noch zu den Ausnahmen, aber Küche, Wickeln und Hausputz sind oft bereits zur männlichen Domäne geworden.

Doch nun kündigt sich eine Rückbesinnung auf die alten Tugenden der Männlichkeit an - zumindest wenn man die Laufstege, Modemagazine und Klamottenläden im Blick hat. „Nach der Gleichmachung der Geschlechter sehnt man sich jetzt wieder nach einer Unterscheidbarkeit”, erklärt der Trendforscher Peter Wippermann aus Hamburg das Phänomen. Die virtuelle Welt, in der wir zunehmend lebten, verlange nach Klarheit und Symbolkraft.

„In Deutschland herrscht inzwischen ein sehr heterogenes Männerbild”, beobachtet Christian Rauch vom Zukunftsinstitut in Kelkheim bei Frankfurt/Main. Zwar sollten die Männer immer noch jegliche männlichen wie auch weibliche Attribute aufweisen, doch insgesamt gehe die feminisierte Form durchaus ein wenig zurück. „Die Ansprüche werden nicht mehr ganz so platt formuliert, auch wenn die Männer noch dem Motto hart im Job - weich in der Liebe entsprechen sollen.” Und doch ist auch wieder klassische Männlichkeit gefragt. „Und da ist die Mode oft ein sehr früher, wenn auch nicht immer dauerhafter Indikator”, führt der Soziologe aus.

Und so sprechen die Modetrends der kommenden Saison eine klare Sprache: Es wird härter, es wird rauer. Die Mode für den nächsten Herbst/Winter erklärt kernige Maskulinität zu ihrem Ideal, umschreibt das Deutsche Mode-Institut (DMI) in Köln den neuen Trend. „Es wird wieder ein Typ zum Anpacken gesucht, so wie früher”, sagt die DMI-Trendexpertin Elke Giese.

In den Lookbooks und Anzeigen sei zu beobachten, dass der metrosexuelle Typ mit lackierten Nägeln nicht mehr „in” ist. Der Grund ist: die Sehnsucht nach Naturhaftigkeit, nach Authentizität. Und wer denkt da nicht wahlweise an kernige Cowboys, harte Rocker, markante Norweger oder auch galante Gentleman?

Die Kollektionen jedenfalls bieten für jeden Typ etwas. „Karohemd, lässige Jeans, grobe Norweger-Pullis, Strickmütze und Parka - kurzum der Outdoor-Look ist wieder stark angesagt”, erklärt der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt. Gleichzeitig macht er deutliche Anleihen an den Military-Look aus: Schulterklappen, Cargohosen, Khakis.

Echte Kerle dürfen sich in der kommenden Saison - ebenso wie die Frauen - auch mit den einstigen und aktuellen Rockgrößen messen. Nieten, Schnallen, derbes Leder und schwerer Silberschmuck gehören da zum Repertoire. Dabei bleiben die Silhouetten bei den Rockstyle-Looks weiterhin sehr schmal, selbst die Schuhformen.

Bei aller rebellischen Männlichkeit dürfen bei vielen Kerlen jedoch auch die Anzüge im Kleiderschrank nicht fehlen. „Dezente, gerne maßgeschneiderte Modelle mit der Eleganz der 30er Jahre liegen da im Trend”, sagt Rose. Die nötige Note Extravaganz bringen Kroko, Kamelhaar, Pelze und natürlich Cashmere. Das DMI hat in Berlin gar Läden ausgemacht, in denen man sich Seidenschleifen und Krawatten individuell anfertigen lassen kann.

Maskuline Rustikalität lautet das Stichwort, und da darf der Bart nicht fehlen. Wippermann wundert das nicht: „Das ist das urtypische Männersymbol, das den Mann von der Frau unterscheidet.” Dann darf es aber nicht die feingestutzte Oberlippen-Version sein, sondern mindestens ein veritabler Drei-Tagebart, oder gar ein Vollbart - auch wenn es nicht gleich die Catweazle-Ausführung, wie sie der Schauspieler Brad Pitt immer mal wieder zur Schau stellt, sein muss.

Denn der neue Mann ist auch weiterhin gepflegt. „Da ist eine Weiterentwicklung zu beobachten”, sagt Soziologe Rauch. Haben lange nur die Männer die Frauen als hübsches Objekt betrachtet, stellten die Frauen eine Zeit lang den gleichen Anspruch an die Männer. „Das aber hat sich nun wieder normalisiert.” Aber vielleicht haben sich die Männer auch nur daran gewöhnt, mal zur Nagelschere und Handcreme zu greifen.

Und so achtet der neue Mann weiter auf sein Äußeres, treibt Sport und macht auch mal den Abwasch. Doch nun besinnt er sich ebenfalls wieder auf ein gewisses Maß an Männlichkeit. Denn auch wenn das weibliche Geschlecht unlängst erst wieder enthusiastisch die Fußball-WM verfolgte, das Reparieren der Waschmaschine und die Pfadfinder-Reise im Dauerregen überlässt es dann doch gerne den Männern - und das dürfen die dann auch selbstbewusst zeigen.
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