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Kein Kuscheltierersatz: Mäuse sind eher Gefährten für Erwachsene

Von: Stefanie Hiekmann, dpa
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Eiweißreiche Ernährung lässt Gehirn von Alzheimer-Mäusen schrumpfen. Das haben Forscher herausgefunden. Foto: dpa

Bonn/Bramsche. In der Vorratskammer sind sie den meisten Menschen eher lästig. Im Wohnzimmer sind Mäuse aber oft willkommene Mitbewohner. Besonders bei Singles und Stadtmenschen werden die Kleintiere immer beliebter, heißt es beim Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe in Wiesbaden.

Ob Farb- oder Wüstenrennmaus: Im Prinzip sei gegen die Haltung der kleinen Nager nichts einzuwenden, sagt Steffen Beuys vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn.

Viele Leute gingen jedoch mit falschen Erwartungen an die Mäusehaltung heran: „Kleine Tiere bedeuten nicht automatisch kleine Probleme oder wenig Pflege”, sagt er. Mäuse oder Meerschweinchen verdienten eine ebenso artgerechte und fürsorgliche Haltung wie zum Beispiel Hunde oder Katzen.

Falsch ist auch die verbreitete Annahme, dass Mäuse aufgrund ihrer Größe geeignet sind, Kinder an den Umgang mit Haustieren zu gewöhnen. „Kinder sind mit dem Handling von zierlichen Mäusen, die sich auch schnell bewegen, überfordert”, sagt Silvia Blahak von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) in Bramsche (Niedersachsen).

Zudem sei eine artgerechte Mäusehaltung auch nicht wirklich reizvoll für Kinder. Mäuse seien weder Schmusetiere, noch Kuscheltierersatz zum Spielen, sagt Blahak. „Mäuse erlauben in erster Linie Beobachtungen.” Für Kinder, die eher darauf aus sind, aktiv mit Tieren zu spielen, seien die gutmütigen und etwas robusteren Meerschweinchen besser geeignet.

Mäuse brauchen zunächst einmal einen ausreichend großen Käfig. „Mäuse sind sehr bewegungsfreudige Mitbewohner, die man am besten in Gruppen von vier bis fünf Tieren hält”, erklärt Beuys.

Es sei nicht artgerecht, Mäuse einzeln zu halten. Ein Gruppenkäfig sollte mindestens eine Grundfläche von 100 mal 50 Zentimetern haben, 50 Zentimeter hoch sein und mehrere Etagen zum Klettern bieten. Die Gitterstäbe sollten querverstrebt sein und keine Lücken lassen, die größer als einen halben Zentimeter sind. Sonst ist es für Mäuse ein Leichtes, sich hindurchzuschlängeln.

Damit sich die Kleintiere wohlfühlen, sollte es zwischen 18 und 23 Grad warm sein. Die Tiere dürfen nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein, warnt Steffen Beuys. Auch Kälte, Zugluft und Lärm können Mäuse krank machen. „Die Haltung von Mäusen erfordert Fingerspitzengefühl”, bringt Beuys es auf den Punkt.

Die Tiere brauchen zum Beispiel immer genug Streu im Käfig. „Staubfreies Streu wie mittelgrobe Holzspäne sind dazu gut geeignet”, sagt Norbert Holthenrich, Vorstandsmitglied im Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe.

Wer andere Materialien verwendet, sollte darauf achten, dass sie staubfrei sind. Denn Staub reizt die Augen, kann die Atemwege schädigen und die empfindlichen Nasen der Nager verkleben.

Mäuse sind sehr neugierige und verspielte Tiere. „Sie untersuchen gern neue Dinge und nehmen sie auseinander”, sagt Silvia Blahak. Bei der Käfiggestaltung gelte es daher, möglichst kreativ zu sein. Kleine Pappkartons, Papierröhren, Heu oder Papiertaschentücher eigneten sich gut als Spielmaterial im Käfig.

Die Einrichtung sollte regelmäßig variiert werden und immer wieder neue Versteck- und Spielmöglichkeiten bieten, rät Norbert Holthenrich. Wer gerne bastelt, mache seinen Mäusen mit selbst gebauten Hängematten, Wippen und Klettertürmen eine Freude.

„An Klopapierrollen und Eierkartons können die Mäuse wunderbar knabbern und nagen”, sagt Holthenrich. Futternapf und Trinkflasche sollten aus nagefesten Materialien gefertigt sein. Holthenrich zufolge ist es durchaus empfehlenswert, die Mäuse für einige Zeit am Tag frei laufen zu lassen - allerdings nicht unbeaufsichtigt, denn die Nager hinterlassen regelmäßig Duftmarken.

Da Mäuse einen sehr schnellen Stoffwechsel haben, brauchen sie ständig Futter und Trinkwasser. Als Basisnahrung empfiehlt Steffen Beuys vom Deutschen Tierschutzbund eine Trockenfuttermischung aus dem Zoofachhandel, die speziell auf die Bedürfnisse von Mäusen abgestimmt ist.

Sie besteht aus Flocken, Körnern, Nussfrüchten und ölhaltigen Samen, da sich Mäuse hauptsächlich vegetarisch ernähren. Eine erwachsene Maus benötigt pro Tag etwa zehn Gramm Trockenfutter.

„Dazu sollte man die Mäuse immer mit frischen Leckerbissen wie verschiedenen Obst- und Gemüsesorten versorgen”, sagt Beuys. Zitrusfrüchte eigneten sich als Futter aber nicht.

Weil Mäusezähne nachwachsen, sollten die Nager auch regelmäßig Härteres knabbern, das die Abnutzung fördert. Das können zum Beispiel hartgekochte Eier samt Schale sein. So nimmt das Tier auch tierische Eiweiße zu sich. Zur Eiweißversorgung ist zudem Käse geeignet.

Vor dem Mäusekauf im Tierheim informieren

„Viele Menschen vergessen, die Kosten zu kalkulieren”, sagt Steffen Beuys vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Neben Futter, Käfig und entsprechenden Reinigungskosten, die sich pro Maus und Monat zwischen fünf und zehn Euro bewegen, müssten auch Besuche beim Tierarzt berücksichtigt werden.

Beuys empfiehlt, vor einem Kauf im Zoofachhandel im örtlichen Tierheim vorbeizuschauen: „Dort warten möglicherweise etliche Tiere auf eine zweite Chance.” Zudem wüssten die Angestellten oft sehr gut über Pflege und Anforderungen Bescheid und könnten Tipps geben.
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