Berlin/Bonn - Jung und Alt im Dialog: Altersgruppen bereichern sich gegenseitig

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Jung und Alt im Dialog: Altersgruppen bereichern sich gegenseitig

Von: Maria Hilt, dapd
Letzte Aktualisierung:
Jung und Alt / Generationen / Seniorin
Die Beziehungen zwischen Jung und Alt haben sich grundlegend geändert: Freundlichkeit statt Ehrfurcht, Neugier statt Belehrung. Foto: dapd

Berlin/Bonn. Große Familien, in denen mehrere Generationen ihren Alltag teilen, sind heutzutage eher selten. Viele wollen deshalb auf andere Weise Kontakt zu anderen Altersgruppen aufbauen.

„Immer häufiger bilden sich sogenannte Familien à la carte, bei denen sich Menschen verschiedener Generationen unabhängig von einer tatsächlichen Verwandtschaft zusammenfinden”, sagt Uwe Kleinemas, Alternsforscher an der Universität Bonn.

Die Beziehungen von Alt und Jung hätten sich grundlegend geändert. „Die Jungen begegnen den Alten nicht mehr ehrfürchtig, aber trotzdem freundlich - und die Senioren zeigen sich den Jüngeren gegenüber nicht mehr belehrend, sondern mit Neugier und Offenheit”, sagt Kleinemas. Außerdem teilten die verschiedenen Altersgruppen inzwischen viele Werte und setzten sich dafür gemeinsam ein. „Beispielsweise bei Demonstrationen gegen Stuttgart 21 oder Atommülltransporte versammeln sich alle Generationen gemeinsam”, sagt der Experte.

Dynamik der Jungen wirkt ansteckend

Junge Leute seien oft sehr interessiert am Kontakt mit anderen Generationen und wollten mehr über deren Lebenswelten erfahren. Die Senioren wiederum wüssten zu schätzen, dass sie von den Jungen vieles lernen und im Kontakt mit ihnen gleichzeitig ihr eigenes Wissen und Können sinnvoll einbringen können. „Außerdem wirkt die Dynamik jüngerer Menschen auf die Älteren durchaus ansteckend”, sagt Kleinemas. Insgesamt empfänden viele Senioren den Dialog mit jungen Leuten als bereichernd.

In vielen Städten gibt es Initiativen, die den Kontakt der Generationen untereinander fördern. „Die Projekte basieren oft auf der Vermittlung von Wissen zwischen Alt und Jung”, sagt Volker Amrhein, Leiter des Projektebüros „Dialog der Generationen” in Berlin, das für die bundesweite Vernetzung der einzelnen Initiativen sorgt. Viele Senioren hegten den Wunsch, etwas an nachfolgende Generationen weiterzugeben. „Sie engagieren sich beispielsweise in Schulen als Streitschlichter oder Vorlesepaten”, sagt Amrhein. Oft setzten sich Ältere auch für Jugendliche ein, die aus verschiedenen Gründen einen schweren Start ins Leben haben, und begleiten sie als Mentoren. „Und auch als Leih-Oma oder -Opa kann man Kontakt zu Jüngeren bekommen”, sagt Amrhein.

Offenheit füreinander ist wichtig

Die Dialogprojekte hätten außerdem das Ziel, die Lebenswelten von Jung und Alt einander zu öffnen. „In Magdeburg haben sich beispielsweise Studenten und Senioren bei Stadtführungen gegenseitig die Orte ihrer Jugend gezeigt”, sagt Amrhein.

Am besten orientiere man sich bei der Auswahl des passenden Projekts an seinen eigenen Interessen, empfiehlt Uwe Kleinemas. Unter Umständen könne man auch selbst eine Initiative gründen. „In Berlin haben sich beispielsweise ein paar Senioren zusammengetan und bringen jetzt Jüngeren bei, wie man Fahrräder repariert”, sagt der Experte.

Informationen über Mehrgenerationenprojekte bekommt man unter anderem beim Projektbüro „Dialog der Generationen”, das eine bundesweite Projektdatenbank führt. „Aber auch bei Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros und Mehrgenerationenhäusern kann man anfragen, wo sich Alt und Jung begegnen”, sagt Amrhein. Und auch die Kommunen engagierten sich zunehmend in diesem Bereich.

Der Kontakt mit anderen Generationen sei ein Abenteuer, sagt Volker Amrhein. „Wichtig ist, dass man sich der Unterschiede zwischen den verschiedenen Lebenswelten bewusst ist”, betont der Experte. Jede Generation habe ihre ganz eigenen Prägungen und man sollte bereit sein, diese Andersartigkeiten zu akzeptieren und zu würdigen. Weitere Informationen: Projektebüro „Dialog der Generationen”, Fehrbelliner Str. 92,10119 Berlin, Tel.: 030/44383475, dialog-der-generationen@pfefferwerk.de
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