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Jung bleiben durch Biertrinken: Schöne Versprechen des „Beauty Foods”

Von: Burkhard Fraune, dpa
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Berlin. Es klingt so schön: Marmelade essen gegen Falten, Bier trinken zum Jungbleiben und Kaugummis kauen gegen Schweißgeruch. Die Lebensmittelindustrie hat einen neuen Markt entdeckt. Schon eine Weile gibt es Margarine gegen zu viel Cholesterin und Joghurtdrinks, die den Appetit zügeln sollen - jetzt kommt „Beauty Food” hinzu.

„Iss Dich gesund und schön”, lautet die Verlockung. Worüber Marktforscher und Kunden staunen, lässt Verbraucherschützer schaudern. Meist bleibe der versprochene Effekt aus, zuweilen gehe der Schuss sogar nach hinten los und die Gesundheit leide.

Lebensmittel, die nicht nur satt, sondern auch schöner und gesünder machen sollen, waren auch auf der Grünen Woche in Berlin (bis 25. Januar) zu sehen. Rosemarie Borchert stellt einen zünftigen Bierkrug auf den Tresen und gießt ein: Anti Aging Bier.

„Für Körper, Geist und Seele” steht auf der Flasche aus der Klosterbrauerei Neuzelle in Brandenburg. „Das Bier enthält Quercetin, das die Zell- Alterung verhindert”, sagt Borchert. Neben dem Pflanzenauszug aus Obst und Gemüse haben die Braumeister Spirulina-Algen verarbeitet. Wie bei einem Medikament mahnt die Werbung: „Anti Aging Bier sollte sorgfältig dosiert angewendet werden, es enthält Alkohol.”

Eine Neuheit präsentieren die Firma Traitafina. „Unsere Schweine fördern jetzt ihre Gesundheit”, heißt es bei den Schweizern. Sie haben Fleisch mit Omega-3-Fettsäuren auf den Markt gebracht, die Tiere fressen Leinsamen dafür. „Omega 3 hilft sehr, dass Fleisch besser zu verwerten und die Nährstoffe herauszufiltern”, verdeutlicht Firmensprecher Roman Benker. „Wir schauen, dass es weiteren Zusatznutzen von Fleisch gibt.”

„Functional Food” ist der Oberbegriff für Speisen, die mehr versprechen als Sättigung. Verbraucherschützer sind skeptisch. „Wir haben einen gesättigten Lebensmittelmarkt und jeder versucht natürlich, mit besonderen Produkten zu landen”, erklärt Christa Bergmann von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. „Gesund ist, möglichst auf natürliche und unverarbeitete Produkte zu setzen.” Was ein teurer probiotischer Joghurt verspreche, halte auch ein Naturjoghurt, meint Bergmann. Cholesterinsenkende Margarine und Milch bringe nur in seltenen Fällen etwas. Wer zu viel davon esse und trinke, gefährde sogar seine Gesundheit, warnt sie.

Die Verbraucherschützer hoffen, dass die EU gesundheitsbezogene Werbung weiter einschränkt. Beim neuen Trend „Beauty Food” setzen sie auch auf den gesunden Menschenverstand der Käufer. „Das ist einfach Humbug”, sagt Bergmann. „Da wird oft viel versprochen, aber ohne einen Nachweis.”

Auch Marktforscher sind zurückhaltend: Jeder zweite Käufer gebe an, gesundheitsbewusst einzukaufen. Es sei deshalb durchaus einen Versuch wert, bekannten Produkten einen Zusatznutzen zu geben, sagt Brigitte Arndt-Rausch von A.C. Nielsen. „Allerdings nur bei Produkten, die schon gesund sind.” Sie nennt Fruchtsäfte und Milch als Beispiel. „Aber Tütensuppen mit Folsäure - ich glaube nicht, dass das irgendeinen Verbraucher anzieht.” Die sogenannten „Functional Foods” seien schließlich meist auch deutlich teurer, gibt sie zu Bedenken.

Keine belastbaren Prognosen gibt es für die Schönmacher, das „Beauty Food”. Die erstaunlichsten stehen auch noch nicht in deutschen Supermärkten. Das Internet offenbart jedoch, welche Blüten der Trend treiben kann: In Japan gibt es Deo-Kaugummis, in den USA Bonbons gegen Pickel. Sieben Euro kostet in Frankreich das 120-Gramm- Glas einer Anti-Falten-Marmelade - in der Pharmazie-Abteilung eines Online-Shops. Anleitung: „Einen Monat lang ein bis zwei Teelöffel pro Tag, um sich eine wahre Verjüngungskur zu leisten.”
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