Jugendweihe, Kommunion, Konfirmation: Tipps zu Geschenken

Von: Sophie Mono, dpa
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Jugendweihe-, Kommunions- oder Konfirmationsgeschenken
Keine Skrupel beim Kauf von Jugendweihe-, Kommunions- oder Konfirmationsgeschenken: Wer glaubt, dass die Kids nur wegen des Geldes feiern, der irrt. Vielen geht es um die Idee dahinter - und die kann durch Geschenke oder Bargeld sogar unterstützt werden. Foto: dpa

Heilsbronn. Egal ob Kommunionskinder, Konfirmanden oder Jugendweihler: Allen geht es nur um Geld und Geschenke. Ein Vorwurf, den viele im Kopf haben, wenn sie Kinder und Jugendliche plötzlich fleißig in Gruppenstunden und Gottesdienste gehen sehen. Die Lust, dem Nachbarskind trotzdem einen Geldschein oder ein teures Präsent zu schenken, sinkt. Wer will schon Materialismus unterstützen, wo eigentlich ideelle Werte zählen sollten?

Dabei entkräften Studien den Vorwurf, und auch Theologen plädieren für Präsente. „Materielle Geschenke können den Sinn des Festes sogar stärken”, sagt Herbert Kolb, evangelischer Pfarrer und Referent für Konfirmandenarbeit am Religionspädagogischen Zentrum Heilsbronn. Wichtig sei es vor allem, sich selbst klarzumachen, mit welcher Motivation man schenke.

„Die Schenkenden sollten ihre Gabe nicht als Belohnung verstehen, sondern als Zeichen dafür, dass sie die Jugendlichen auf ihrem Weg unterstützen und ein Ziel damit verfolgen.” Dann seien sowohl teure Gegenstände als auch Geldscheine ein akzeptables Geschenk. Denn grade für Jugendliche sei Geld oft ein Symbol von Erwachsenheit, Freiheit und Selbstständigkeit. „Und das deckt sich mit dem Gedanken der Konfirmation. Schließlich geht es bei dem Fest um Mündigkeit”, bewertet Kolb.

Viele Konfirmierte oder Konfirmationsgruppen entschieden sich im Nachhinein, einen Teil ihres Geldes zu spenden, berichtet er. „Das ist besonders nachhaltig, wenn das Geld Projekten zugute kommt, mit denen sich die Gruppen bereits im Konfirmationsunterricht beschäftigt haben.„ Ob und an wen die jungen Leute spenden, sollte ihnen aber selbst überlassen werden.

„Viele Jugendliche stecken das erhaltene Geld in ihre Ausbildung oder den Führerschein und investieren damit in ihre Zukunft”, berichtet Margitta Fleischer vom Landesverband Sachsen-Anhalt der Interessenvereinigung Jugendweihe. Auch sie sieht nichts Verwerfliches daran, kleinere oder größere Scheine bei den Jugendweihlern abzuliefern. „Wer Geld verschenkt, kann das ruhigen Gewissens tun, er zeigt damit seine Wertschätzung.”

Prof. Albert Biesinger von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen kann dem im Bezug auf die Kommunion nur bedingt zustimmen. Er sieht in Sachgegenständen wie Ketten oder Büchern keinen Widerspruch zur ursprüngliche Idee hinter dem Fest - solange sie persönlich und qualitativ ausgewählt sind. „Ideal sind Präsente, die die Kinder spirituell begleiten. Bücher mit Denkanstößen zum Beispiel. Ungeeignet sind Computerspiele und alles, was unruhig macht”, rät der Erstkommunionsexperte.

Laut katholischen Glaubens sei der Kommunionstag ein Geschenk Gottes. „Gott gibt sich selbst und zeigt den Kindern, dass sie wichtig sind. Dasselbe tun Geschenke. Deshalb können sie den spirituellen Gedanken umsetzen.” Paten oder enge Verwandte sollten dem Kind Zeit, Kommunikation und Zuwendung schenken. „Dadurch bleibt die Idee hinter dem Fest über den Kommunionstag hinaus bestehen”, sagt Biesinger.

Reine Bargeld-Geschenke lehnt Biesinger dagegen ab. „Sie sind nicht zu empfehlen, weil sie keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.” Auch entfernte Bekannte oder Nachbarn sollten daher die Eltern nach Geschenkideen fragen. Herbert Kolb kann diesen Gedankengang nachvollziehen. Schon eine selbstgestaltete Karte könne viel wertvoller sein als ein unpersönlicher Umschlag voller Geld, pflichtet der evangelische Pfarrer seinem katholischen Kollegen bei. „Aber es kommt eben immer auf den Hintergedanken des Schenkenden an.”

Vielen Jugendlichen geht es aber gar so sehr nicht ums Geld. Laut einer Untersuchung der Universität Tübingen und des Comenius-Instituts Münster ist das Materielle für Konfirmanden nur der drittwichtigste Aspekt. Wichtiger sei den meisten ein großes Familienfest und den Segen zu empfangen.

Auch bei der Jugendweihe deutet vieles darauf hin, dass die Jugendlichen nicht nur aufs Geld schauen. Zwar gibt es hier keine bundesweiten Studien, der Verein Jugendweihe Hamburg hat jedoch regionale Erhebungen gestartet. „Die meisten jungen Leute geben an, dass sie zur Jugendweihe gehen, weil ihre Eltern und Freunde es auch gemacht haben. Außerdem schätzen sie es, dass sie dort intensiv über Themen sprechen können, die sie beschäftigen”, berichtet Konny G. Neumann, Vorsitzender der Jugendweihe Hamburg. „In den verpflichtenden wöchentlichen Gruppenstunden wird das wahre Interesse der Schüler über Monate spürbar.”

In den neuen Bundesländern gibt es solche verpflichtenden Kurse häufig nicht. Trotzdem ist sich Margitta Fleischer aus Magdeburg sicher: „Für viele zählt der Status, den sie durch die Jugendweihe erreichen. Geld und Geschenke sind nebensächlich.”

Forschungen zur Erstkommunion widerlegen ebenfalls das Bild des bloß konsumorientierten Kindes. Laut einer Studie der Forschungsgruppe Religion und Gesellschaft gehen 86 Prozent der Kommunionkinder gern zum Kommunionunterricht. Zwar seien Geschenke beliebt, aber immerhin 18 Prozent der Befragten freuten sich ganz besonders über nichtmaterielle Aufmerksamkeiten. „Die Kinder gehen zur Erstkommunion, weil sie Ausdruck ihrer Wertorientierungen und ein Gemeinschaftsereignis ist und weil sie Vertrauen in Gott und Kirche haben”, sagt der verantwortliche Professor Dieter Hermann.
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