Jugendliche sind Leidtragende des Einstellungsstopps

Von: Anja Kühner, ddp
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Wuppertal/Essen. Droht einer Kommune in NRW die Überschuldung, so darf sie niemanden mehr neu einstellen. Der Einstellungsstopp gilt auch für Auszubildende. Dies trifft die Städte und Gemeinden hart, denn ihnen fehlen künftig Verwaltungs-Fachkräfte.

„Nicht mehr ausbilden zu dürfen ist für die Stadt eine Katastrophe”, sagt Wuppertals Sprecherin Martina Eckermann. Für den im September beginnenden Ausbildungsjahrgang 2010 darf Wuppertal aktuell keinen einzigen Auszubildenden einstellen. „In den vergangenen Jahren bildete die Stadt Wuppertal im Schnitt 50 Azubis pro Jahrgang aus - von A wie Altenpflegerin bis Z wie Zootierpfleger”, erklärt die Sprecherin.

Rund die Hälfte der Azubis erlernt Verwaltungsberufe, die andere gewerblich-technische Jobs. Der Oberbürgermeister gehe zu Lehrstellenbörsen und werbe dafür, dass Unternehmen mehr ausbildeten - und dann müsse die Stadt selbst ein schlechtes Vorbild abgeben, bedauert Eckermann.

In Essen ist die Entscheidung über die Einstellung von neuen Auszubildenden für 2010 bereits im Dezember 2009 getroffen worden. Nur deshalb könnten im September 82 neue Azubis in 25 Berufen ihre Ausbildung beginnen, sagt Studien- und Ausbildungsleiterin Gaby Bergfeld. Im Januar sei die Mitteilung der Bezirksregierung gekommen, dass Essen als überschuldungsgefährdet gelte. Daher sei ein kompletter Einstellungsstopp verhängt worden.

„Wir hoffen, dass in der Ratssitzung am 30. Juni der Nothaushalt durchgeht - dann dürfen wir auch künftig unserer gesellschaftlichen Verantwortung zur Ausbildung nachkommen”, sagt Bergfeld. Immerhin habe Essen es geschafft, dass alle Verwaltungs-Azubis, die jetzt ihre Ausbildung abschließen, Jahresverträge im Jobcenter erhalten. „Das sind dann nicht unsere Personalkosten”, erklärt die Ausbildungsleiterin. Zum Jahresende 2009 bildete Essen insgesamt 324 Auszubildende aus.

Auf Basis einer Bedarfshochrechnung hat Oberhausen vor kurzem eine Ausnahmegenehmigung zur Einstellung von Auszubildenden erhalten. Die Kernverwaltung der Stadt steht wegen ihrer prekären Finanzlage unter Aufsicht der Bezirksregierung in Düsseldorf. 2009 durfte Oberhausen nicht ausbilden. Derzeit ist die Stadt Arbeitgeber für etwa 130 Auszubildende. Ab September wird ihre Zahl auf 145 ansteigen.

Nach dem Oberhausener Vorbild erarbeitet Wuppertal derzeit erneut einen Antrag auf neue Azubis. „Wir wissen noch nicht, wie viele Stellen wir beantragen werden”, heißt es aus dem Rathaus. Ursprünglich hatte Wuppertal 40 Ausbildungsstellen beantragt, die alle abgelehnt worden seien. „Für freiwillige Aufgaben dürfen wir niemanden mehr einstellen”, sagt die Sprecherin.

Doch auch bei den Pflichtaufgaben der Kommunen wird es eng. Eine Übernahmegarantie nach Ausbildungsende gebe es seit Jahren nicht mehr, weiß Martin Lehrer, der Sprecher des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen. „Wir wünschen, dass die Kommunen auch unter schwierigen Umständen Mitarbeiter für ihre Verwaltungen selbst ausbilden können”, sagt Lehrer. Denn manche Dinge könne man nur in einer Verwaltung selbst lernen. Daher sieht er den Verweis auf den freien Arbeitsmarkt kritisch.

Eine Begründung für die Ablehnung der Ausbildungs-Ersuchen war, dass sich die Kommunen auch ohne eigene Ausbildung die fehlenden Arbeitskräfte auf dem freien Markt suchen können. Doch nicht nur die freie Wirtschaft, sondern auch andere Kommunen haben beispielsweise ein Auge auf gut ausgebildete Feuerwehrleute oder Kindergärtnerinnen geworfen. „Im Vergleich mit Städten, die nicht seit Jahren Beförderungsstopps haben, ist es für unsere Mitarbeiter durchaus attraktiv, sich wegzubewerben”, weiß Wuppertals Pressesprecherin. In vielen Kommunen sitzen Mitarbeiter seit Jahren auf höher eingruppierten Stellen, ohne das dazugehörige Gehalt zu bekommen.

Da haben es schuldenfreie Städte wie Düsseldorf leichter. Statt über eine Erhöhung der Kita-Gebühren zu diskutieren, hat die Landeshauptstadt diese Gebühren völlig entfallen lassen. „In einer solchen Stimmungslage arbeitet man als Kindergärtnerin lieber”, heißt es aus einer Nachbarstadt. Das bestätigt auch Michael Bergmann vom Düsseldorfer Presseamt: „Bei uns sind die Arbeits- und Aufstiegsbedingungen günstiger.” Doch werbe Düsseldorf nicht gezielt Mitarbeiter ab. „Wir wildern nicht im Umland”, sagt Bergmann.
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