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Internet erleichtert die Suche: Kontakte zu Freunden von früher wieder aufnehmen

Von: Maria Hilt, (dapd)
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Düren/Marburg. Viele Freundschaften gehen über die Jahre auseinander. Doch an wichtige Menschen erinnert man sich meist noch lange Zeit und oft regt sich irgendwann der Wunsch, sie wiederzusehen.

„Viele Freundschaften enden nicht wegen eines Streits, sondern weil man beispielsweise mit Familie und Beruf sehr beschäftigt ist oder wegzieht”, sagt Thomas Hax-Schoppenhorst, Autor des Ratgebers „Freundschaft lebendig gestalten”. Man verliere sich also aus den Augen, ohne das wirklich zu wollen.

Oft habe man erst im Alter wieder Zeit und Muße für solche Kontakte. „Ältere Menschen beschäftigen sich meist intensiv mit ihrer Vergangenheit”, ergänzt Meinolf Peters vom Institut für Alternspsychotherapie und Angewandte Gerontologie in Marburg. Unter anderem sei es die Ungewissheit, die das Alter mit sich bringe, die den Wunsch wecke, sich der Wurzeln seiner Identität zu vergewissern - durch den Kontakt mit Orten und Menschen von früher.

„Für viele ist die Jugendzeit sehr prägend, in der man vieles zum ersten Mal erlebt hat, in der die eigene Identität geformt wurde”, sagt Peters. Daher erwache oft besonders das Interesse an den Personen, die einen in diesem wichtigen Lebensabschnitt begleitet haben.

Häufig rege sich im Alter außerdem der Wunsch, mit sich und seinem Umfeld ins Reine zu kommen, unabgeschlossene Dinge zu Ende zu führen. So könne es auch sein, dass man Freunde aus früheren Zeiten aufsuchen möchte, um einen alten Konflikt mit ihnen zu klären. „Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man selbst mit einer versöhnlichen Grundhaltung an dieses Gespräch rangeht”, betont Peters. Oft habe man über die Jahre neue Einsichten gewonnen und seine Meinung von damals geändert.

Thomas Hax-Schoppenhorst kennt aus seiner Berufspraxis als Leiter von Gesprächskursen für Senioren viele beeindruckende Beispiele dafür, dass die Wiederaufnahme einer Freundschaft im Alter gelingen kann. „Wenn man den Wunsch hat, sollte man sich deshalb auf jeden Fall überwinden - der Mut zahlt sich meistens aus”, sagt der Pädagoge aus Düren. Zudem habe man nichts zu verlieren: Stelle sich heraus, dass man sich nichts mehr zu sagen hat oder der andere kein Interesse an einem Kontakt hat, könne man dieses Thema zumindest abhaken.

Im Internet gibt es zahlreiche Foren, in denen man beispielsweise gezielt nach Schulfreunden suchen kann. „Manchmal reicht es auch schon, den Namen einer Person in eine Suchmaschine einzutippen”, sagt Hax-Schoppenhorst. Eine gute Möglichkeit sei auch, sich bei anderen alten Freunden oder bei früheren Nachbarn zu erkundigen, ob sie etwas über den Verbleib der gesuchten Person wissen. „Auf diesem Weg bekommt man oft sehr schnell hilfreiche Informationen”, sagt der Experte.

Ob man erst einmal per Postkarte oder Brief Kontakt aufnehme oder gleich anrufe, hänge stark von der früheren persönlichen Beziehung ab. Auf jeden Fall sei es wichtig, offenzulegen, weshalb man sich nach so langer Zeit meldet. So könnte man etwa sagen: „Ich habe in letzter Zeit oft an dich gedacht und mir war danach, mich mal zu melden.”

Habe man sich im Streit getrennt, sollte man deutlich machen, dass es nicht darum geht, den Konflikt von damals weiterzuführen. Unter Umständen könne man aber anbieten, nach ein paar lockeren Treffen auch noch einmal über das Thema zu sprechen. „Man sollte beim ersten Kontakt nicht erwarten, dass der andere völlig euphorisch reagiert”, betont Hax-Schoppenhorst. Schließlich ist seit der letzten Begegnung viel Zeit vergangen. Außerdem wisse man nicht, in was für einer Situation der Freund von damals gerade stecke. „Mancher ist vielleicht auch erst etwas zurückhaltend und wundert sich über das plötzliche Interesse. Die Freude darüber kommt dann möglicherweise erst, wenn man aufgelegt hat.”

Wichtig sei, den anderen nicht zu bedrängen. „Man sollte dem Gegenüber die Möglichkeit geben, in Ruhe zu entscheiden, ob er überhaupt Interesse an einem Wiedersehen hat”, sagt der Experte.

Daher sei es wichtig, die Anfrage möglichst offen zu formulieren. Man könne dem anderen erst mal die eigene Telefonnummer geben und es ihm überlassen, ob er sich daraufhin meldet.

Komme es zu einem Treffen mit einem Menschen, den man viele Jahre nicht gesehen hat, sei das oft ein sehr bewegender Moment, sagt Meinolf Peters. Unter Umständen könne man ein sehr belebendes Gespräch über frühere Zeiten führen. „So eine Unterhaltung kann für die eigene Biografiearbeit sehr hilfreich sein”, betont der Psychologe.

Man werde allerdings schnell feststellen, dass auch der andere älter geworden ist, dass er sich verändert hat und nicht mehr dem Bild entspricht, wie man ihn in Erinnerung hatte. Dies könne eine sehr ernüchternde Erfahrung sein. „Es wird sich zeigen müssen, ob man trotzdem an die Beziehung von damals anknüpfen kann”, sagt Peters. Um aus der alten Freundschaft eine neue entstehen zu lassen, empfiehlt Thomas Hax-Schoppenhorst, möglichst bald gemeinsam den Blick nach vorn zu richten. „Man kann beispielsweise zusammen alte Hobbys wieder aufgreifen - oder eine völlig neue Leidenschaft entdecken”, sagt der Experte.
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