Radarfallen Blitzen Freisteller

Immer mehr Kinder in homosexuellen Familien

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:

Berlin. In Deutschland wachsen immer mehr Kinder in homosexuellen Partnerschaften auf. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Universität Bamberg gibt es bundesweit inzwischen mindestens 6600 Kinder, die in „Regenbogenfamilien” groß werden - also von zwei lesbischen Müttern oder zwei schwulen Vätern erzogen werden.

Die meisten Kinder stammen aus früheren heterosexuellen Beziehungen. Allerdings wächst der Anteil von Kindern aus künstlicher Befruchtung. Dabei verlassen sich viele lesbische Paare auf die Hilfe schwuler Freunde.

Als Konsequenz aus der Studie forderte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries das volle Adoptionsrecht für Paare gleichen Geschlechts. „Homosexuelle Paare sind keine schlechteren Eltern”, sagte die SPD-Politikerin. „Kinder entwickeln sich bei zwei Müttern oder zwei Vätern genauso gut wie in anderen Familienformen.” Zugleich sprach sich Zypries für die Gleichbehandlung im Steuerrecht aus. Mit solchen Forderungen war sie bislang stets am Widerstand des Koalitionspartners CDU/CSU gescheitert.

In Deutschland gibt es für homosexuelle Lebenspartnerschaften seit 2005 die Möglichkeit der sogenannten Stiefkind-Adoption. Damit können gleichgeschlechtliche Partner die Kinder ihrer Lebensgefährten adoptieren - allerdings nur, wenn dies leibliche Kinder sind. Ansonsten sind Adoptionen nicht erlaubt. „Wir sollten nicht auf halbem Wege stehen bleiben”, sagte Zypries. Voraussetzung für eine Änderung ist, dass Deutschland das neue Europäische Adoptionsübereinkommen in Kraft setzt. Von elf anderen europäischen Staaten wurde das Gesetz bereits ratifiziert.

In der Studie werden Schätzungen zitiert, wonach es in Deutschland mittlerweile sogar mehr als 12.000 Kinder in „Regenbogenfamilien” gibt. Etwa 2200 Kinder wachsen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft auf, die seit 2001 möglich ist. Der Studie zufolge sind „Regenbogeneltern” genau so gute Eltern wie andere.

Die Kinder entwickelten sich genau so gut wie Kinder aus anderen Beziehungen. Auch fänden sich keine Anhaltspunkte für eine höhere Neigung zu Depressionen. Auch Hänseleien von anderen Kindern („Du hast ja gar keinen Papa”) steckten „Regenbogenkinder” gut weg.

Aus der Befragung von etwa 700 Kindern und deren Eltern ergab sich weiter, dass es sich in der meisten Fällen um eine Partnerschaft von zwei Frauen handelt. Nur in 5,5 Prozent der Fälle teilen sich zwei Männer die Elternschaft. Jeweils knapp die Hälfte der Kinder stammt aus der aktuellen Beziehung beziehungsweise aus früheren heterosexuellen Beziehungen. Nur ein kleiner Teil wurde adoptiert.

In vielen lesbischen Beziehungen stammt das Kind aus einer Samenspende - nicht nur aus Samenbanken, sondern auch von Freunden. Im Unterschied zu herkömmlichen Ehen wird bei einer künstlichen Befruchtung der Lebenspartner allerdings nicht automatisch rechtlich gleichgestellter Elternteil. Nur die Frau, die das Kind zur Welt bringt, ist gesetzliche Mutter. Die andere Frau kann das Kind aber „zu-adoptieren”.

Die Studie stammt vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg und wurde vom Bundesjustizministerium in Auftrag gegeben.

Die Homepage wurde aktualisiert