Berlin/Stuttgart - Gutenberg 2.0: Drucker arbeiten heute viel am PC

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Gutenberg 2.0: Drucker arbeiten heute viel am PC

Von: Horst Heinz Grimm, dpa
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Teamwork: Zwei Drucker füllen die Farbe in einer Offset-Druckmaschine nach. Foto: dpa

Berlin/Stuttgart. Im digitalen Zeitalter klingt es geradezu altmodisch, Drucker werden zu wollen. Auf den ersten Blick verwundert es daher nicht, dass die Zahl der Auszubildenden in diesem Beruf rückläufig ist.

Etwas mehr als 3600 angehende Drucker gab es im vergangenen Jahr - 2008 waren es noch 4000. Dennoch steht das Gewerbe, dessen Tradition bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückreicht, noch lange nicht vor dem Aussterben.

„Der Beruf des Druckers wird auch künftig keineswegs überflüssig werden”, sagt Michael Assenmacher vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. „Neue Technologien wie Print-on-Demand bringen neue Kunden.” Denn heute geben nicht nur große Verlage Bücher in den Druck. Dank der Digitaltechnik können Autoren ihre Manuskripte elektronisch in Buchform bringen und nach Bedarf - also „on demand” - drucken lassen. Dieses recht günstige Verfahren eröffnet den Buchdruck für nahezu jedermann.

Aus der sinkenden Zahl der Ausbildungsverträge lässt sich zudem nicht unbedingt ableiten, dass es für Bewerber schwerer wird, eine Lehrstelle zu finden. Für angehende Drucker dürften sich die Chancen sogar verbessern, schätzt Melanie Erlewein vom Verband Druck, Papierverarbeitung und Medien Baden-Württemberg in Ostfildern nahe Stuttgart. „Aufgrund des demografischen Wandels werden künftig Azubis fehlen. Natürlich auch in der Druckindustrie. Insofern wird es für gute Schüler eher leichter werden, einen Platz zu finden.”

Die meisten Lehrlinge sind in der Fachrichtung Flachdruck zu finden. Etwa 75 Prozent der Azubis lernen in diesem Bereich, wie Erlewein beobachtet hat. Dazu gehört der Offsetdruck, ein heute im Buchdruck verbreitetes Verfahren. Außerdem gibt es die Spezialisierung auf Hochdruck. Diese Methode kommt aus dem klassischen Buchdruck, wird inzwischen aber eher bei Verpackungen und Etiketten angewandt. Im Tiefdruck geht es mehr um Zeitschriften oder Kataloge mit hohen Auflagen. Die vierte Richtung ist der Digitaldruck, das neueste Verfahren.

Drei Jahre dauert die Ausbildung. In dieser Zeit lernen Azubis zum Beispiel, für Druckerzeugnisse passende Formate und Materialien auszuwählen. Außerdem wird ihnen beigebracht, die Geräte zu bedienen und zu warten. Im letzten Drittel der Lehrzeit entscheiden sie sich für eine der vier Fachrichtungen.

„Die Vergütungen bewegen sich im Vergleich zu übrigen Ausbildungsberufen im oberen Drittel”, erklärt DIHK-Experte Assenmacher. Die Höhe hänge vom geltenden Tarifvertrag ab. „Der Verband Druck und Medien Nord hat beispielsweise für das erste Jahr 834,66 Euro, für das zweite 885,79 Euro und für das dritte Lehrjahr 936,92 Euro ausgehandelt.” Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg gibt 816 bis 918 Euro als Richtwerte an.

Firmen verlangen meist die Mittlere Reife von Bewerbern. Chancen haben sie aber auch mit einem guten Hauptschulabschluss. „Die Noten in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern, also besonders Mathe und Physik, werden genauer betrachtet”, erklärt Erlewein. „Als Drucker benötigt man technisches Verständnis.” Und Kandidaten müssten sich immer stärker mit dem Computer auseinandersetzen.

Zu den Anforderungen zählen auch Fähigkeiten wie Genauigkeit und eine schnelle Auffassungsgabe. Abweichungen vom Original müssen im Druck sofort erkannt werden. Wichtig sind außerdem eine ästhetische Ader und ein gutes Auge für Farben.

Ein Geselle im zweiten Berufsjahr in einem Flachdruck-Betrieb kommt Erlewein zufolge auf knapp 34.000 Euro, Sonderleistungen wie Urlaubsgeld inklusive. Dafür arbeitet er montags bis freitags von 6 Uhr bis 14 Uhr. Zuschläge gibt es für Nachtarbeit sowie den Einsatz an Wochenenden und Feiertagen - etwa in Zeitungsdruckereien.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin haben mehr als 80 Prozent der etwa 10 300 Druckereibetriebe weniger als 20 Mitarbeiter. Die insgesamt 165 000 Beschäftigten sind also in der Regel in Kleinunternehmen tätig.

Ausbildung wird modernisiert

Für angehende Drucker wird es in Zukunft eine überarbeitete Ausbildungsordnung geben. Damit soll die Lehre an die veränderte Arbeitspraxis angepasst werden. „Unternehmen setzen zunehmend mehrere Druckverfahren ein, so dass der neue Beruf statt auf Fachrichtungen künftig verstärkt auf modulare Ausbildungsabschnitte setzt, die der Betrieb selbst auswählen kann”, erklärt DIHK-Experte Michael Assenmacher.

„Die bisherigen Fachrichtungen, die einem Druckverfahren entsprachen, werden dabei aufgelöst.” Die neue Bezeichnung für den Ausbildungsberuf wird Drucktechnologe sein. Die neue Verordnung soll zum August 2011 in Kraft treten.
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