Gespräche statt Anwaltspost: Mediation bei Scheidungen

Von: Carina Frey, dpa
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Geschrei und böse Worte: Scheidungen sind nie schön. Die Mediation soll einen Kleinkrieg verhindern.

Münster. So schön und ausgelassen die Hochzeit ist, so schmutzig wird oft die Trennung. Die Noch-Eheleute schreien sich an und drohen, die Kinder wegzunehmen oder das Konto leerzuräumen.

Es folgen Berge von Anwaltspost, Streit vor Gericht, ein Rosenkrieg. Das alles will die Mediation verhindern. Dabei setzen sich die Eheleute zusammen und versuchen, mit Hilfe eines unabhängigen Dritten Regelungen zu treffen, mit denen alle leben können. Das soll jahrelangem Streit vorbeugen - kuschelig geht es bei der Mediation deshalb aber noch lange nicht zu.

„Das Ziel der Mediation ist eine eigenverantwortliche Lösung”, erklärt Heiner Krabbe, Leiter der Mediationswerkstatt Münster. Das heißt: Nicht ein Richter entscheidet über Umgangsregeln, Unterhalt oder das gemeinsame Haus, sondern die Ex-Partner selbst. „Wir gehen nicht ausschließlich von den Regelungen aus, die das Gesetz vorsieht, zum Beispiel, dass der Vater das Kind jedes zweite Wochenende sieht”, sagt Sabine Zurmühl, Geschäftsführerin der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation (BAFM) in Berlin. Denkbar seien auch ganz andere Vereinbarungen - wenn die Partner das wollen.

Doch der Weg zu einer Einigung ist steinig. Schließlich sind Trennungen meist mit Verletzungen, Enttäuschungen und Wut verbunden. Ein sachliches Gespräch zu führen und gar eine einvernehmliche Lösung zu finden, scheint da unmöglich. „Der Mediator versucht, aus Kampfthemen Sachthemen zu machen”, beschreibt Krabbe seine Arbeit. Mediation sei keine „sanfte Scheidung”, sondern eine sehr anstrengende Sache: „Hier wird auch geschrien und getobt.”

Die Voraussetzung für jede Mediation ist die Bereitschaft, sich an einen Tisch zu setzen. „Es gibt am Anfang einen Vertrag, in dem man sich verpflichtet, fair miteinander umzugehen”, sagt Arthur Trossen vom Verband integrierte Mediation in Altenkirchen (Rheinland-Pfalz).

Im nächsten Schritt gehe es darum, die verschiedenen Positionen zu klären. Denn die sind häufig gar nicht so klar. Die Parteien „wissen oft selbst nicht, was sie wollen”, sagt Trossen, der vor seiner Tätigkeit als Mediator als Familienrichter arbeitete. Um die Interessen herauszuarbeiten, fängt der Mediator laut Zurmühl oft mit der Frage an: „Was brennt Ihnen am meisten unter den Nägeln?” Fällt dann ein Schlagwort wie „Wohnsituation”, hilft der Mediator, die damit verbundenen Unterthemen herauszuarbeiten: Wann kann die gemeinsame Wohnung gekündigt werden? Was bedeutet das für die Kinder?

Nicht immer sind beide Partner gleich redegewandt. Damit einer den anderen nicht überrumpelt, steuert der Mediator das Gespräch. Das kann bedeuten, dass er eine Frage erstmal mit einem der Partner bespricht und erst danach den anderen zu Wort kommen lässt. Zurücklehnen und abwarten sollten sich die Ex-Partner trotzdem nicht, rät Krabbe: „Man muss in der Mediation wach sein.” Und er empfiehlt, sich vorher juristisch beraten zu lassen.

Die auf dem Tisch liegenden Themen werden nach und nach abgearbeitet. Dabei versuche der Mediator, die Parteien so zu führen, dass sie das ganze Bild sehen, nicht nur ihren Standpunkt, erklärt Trossen. Das bedeute nicht, die Position des anderen richtig zu finden, sondern zu akzeptieren, dass er eine eigene hat. Auf dieser Basis gilt es, Lösungen zu finden, mit der beide leben können. Manchmal entstünden Regelungen, die zunächst nur 14 Tage gelten. „Dann kann man gucken, ob die sich bewähren”, sagt Zurmühl.

Die Mediation umfasst bei Scheidungen üblicherweise zwischen 5 und 15 Sitzungen. Am Ende soll ein Vertrag stehen, der alle wichtige Fragen regelt. „Wir gehen vor der Unterzeichnung jeden Punkt durch und erklären: Was bedeutet das in fünf Jahren?”, erklärt die BAFM-Geschäftsführerin. Eine rechtliche Beratung geben die Mediatoren nicht. Deshalb rät Zurmühl den Ex-Partnern, den Vertrag mit ihren Anwälten durchzusprechen. Manche Regelungen bedürften außerdem einer notariellen Beglaubigung.

Um sich scheiden zu lassen, müssen die Eheleute vor Gericht. Der Vertrag wird dem Richter als Vereinbarung vorgelegt. „Er prüft dann, ob er den guten Sitten entspricht”, erklärt Krabbe. Nach der Scheidung ist nicht zwangsläufig Schluss mit der Mediation, sagt Zurmühl. Stellt sich heraus, dass es mit einer getroffenen Regelung Ärger gibt, wendeten sich viele Ex-Eheleute erneut an ihren Mediator.

Literatur: Christoph C. Paul, Sabine Zurmühl: Mediation - was ist das?, Shaker Verlag, ISBN: 978-3-832-26847-3, 7,50 Euro;

Christoph Strecker: Versöhnliche Scheidung: Trennung, Scheidung und deren Folgen einvernehmlich regeln, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN: 978-3-423-50700-4, 13,90 Euro (ab Juni im Handel).

Was die Mediation kostet

Die Berufsbezeichnung „Mediator” ist nicht geschützt. Die meisten Mediatoren haben eine juristische oder psychosoziale Ausbildung - etwa zum Anwalt oder Psychotherapeuten - und schließen eine Weiterbildung zum Mediator an. Sie ist unterschiedlich lang: Bei der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation dauert sie zwei Jahre, beim Verband integrierte Mediation 200 Stunden. Wie viel die Mediatoren dann für ihre Arbeit nehmen, hänge oft von ihrem Ursprungsberuf ab, sagt der Mediator Arthur Trossen. Eine Stunde könne zwischen 30 und 500 Euro kosten, üblich seien 80 bis 90 Euro.
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