Geschichte oder Kunst? Studienmöglichkeiten für Senioren

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Geschichte oder Kunst? Studienmöglichkeiten für Senioren
Als Gasthörer haben Senioren die Möglichkeit, einzelne Kurse zu belegen. Den Hörsaal teilen sie sich dabei mit jüngeren Studenten. Foto: dpa

Würzburg/Hamburg. Vorlesungen, Seminare und Prüfungen - ein Studium an einer Hochschule nutzen vor allem junge Männer und Frauen. Doch auch wer älter ist, kann studieren. Dabei muss es nicht immer gleich das Vollzeitstudium inmitten Zwanzigjähriger sein. Für ältere Menschen gibt es an zahlreichen Hochschulen spezielle Angebote, die besser zu den individuellen Bedürfnissen von Senioren passen sollen.

„Die Anfänge des Seniorenstudiums in Deutschland gehen bis in die späten 70er Jahre zurück”, heißt es in einer Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Berlin. Erste Studienangebote für ältere Erwachsene wurden dann in den 80er Jahren geschaffen. Seitdem sei die Zahl der Hochschulen, die ein Seniorenstudium ermöglichen, kontinuierlich gestiegen.

„Derzeit studieren in Deutschland etwa 58 000 ältere Menschen an einer Hochschule”, sagt Jochen Schneider, Sprecher des Würzburger Akademischen Vereins der Senioren in Deutschland. Diese Zahl nehme seit Jahren zu. „Im Wintersemester 1997/1998 waren es beispielsweise noch etwa 34.500.”

Die Gründe fürs Studieren im Alter können verschieden sein. „Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten viele Menschen keine Möglichkeit zu studieren”, weiß Schneider. Manchmal fehlte die Zeit, manchmal das Geld - auch wenn es vom Intellekt hätte klappen können. „Hätte ich doch damals nur studiert!”, denken daher viele ältere Menschen, wenn sie auf ihr Leben zurückblicken.

„Andere studieren dagegen im Alter zum zweiten Mal”, berichtet Schneider. Sie wollten sich anderen Interessengebieten widmen oder ihr bestehendes Wissen erweitern. „Außerdem spielt der gesellige Aspekt eine wichtige Rolle. Immerhin kommt man durch ein Studium mit anderen Menschen - jüngeren und gleichaltrigen - in Kontakt.”

Das Bundesbildungsministerium ergänzt einen weiteren Aspekt: „Es gibt Personen, die im beruflichen Ruhestand ihre Zeit sinnvoll und mit persönlichem Gewinn gestalten möchten”, heißt es in der Broschüre „Studienführer für Senioren”. Diese Männer und Frauen wollen also schlicht ihre geistigen Fähigkeiten trainieren und ihr Allgemeinwissen erweitern.

Dafür haben sie unterschiedliche Möglichkeiten zur Auswahl. „Etwa 5.000 Menschen über 50 Jahren machen bei einem normalen Vollzeitstudium mit, das ansonsten vor allem Jüngere belegen”, sagt Schneider. „Dann gibt es - meist an größeren Universitäten - Seniorenstudiengänge.” Das seien Studiengänge, die speziell auf Senioren zugeschnitten seien. Diese Alternative nutzten derzeit etwa 16.000 Menschen.

„Hinzu kommt die Möglichkeit der Gasthörerschaft, die derzeit rund 36 500 Menschen nutzen”, so Schneider. „Das ist für all die interessant, die kein reguläres Vollzeitstudium machen möchten und bei denen kein Seniorenstudium angeboten wird.” Als Gasthörer belegt man einzelne Kurse, bestimmt die Wochenstundenzahl selbst und ist nicht so stark in die Hochschule eingebunden wie bei anderen Studienformen.

An vielen Universitäten gibt es spezielle Anlaufstellen für ältere Studieninteressierte. Wie zum Beispiel an der Uni Hamburg: „Man kann an fast allen Angeboten teilnehmen und ist dann dort mit jüngeren Studenten zusammen”, erklärt Carolin Franke vom Kontaktstudium für ältere Erwachsene. „Außerdem bieten wir bestimmte Veranstaltungen für Senioren an, beispielsweise in Geschichte, Kunstgeschichte und Geologie.”

Einen festen Stundenplan gibt es dabei nicht. „Jeder kann frei wählen, welche und wie viele Veranstaltungen er belegen möchte”, sagt Franke. Pro Semester koste dieses Angebot pro Person 110 Euro. Das Angebot und die Kosten können allerdings von Hochschule zu Hochschule variieren. Experte Schneider rät, sich in seiner Region zu informieren, welche Möglichkeiten es für ein Studium gibt.

Worin sich die meisten Angebote allerdings ähneln, sind die Voraussetzungen. Handelt es sich nicht um ein reguläres Studium, sondern ein Angebot für Senioren, braucht man meist kein Abitur. So auch an der Hamburger Uni. „Es ist aber gut, wenn man zumindest grundlegende Computerkenntnisse hat, da die Lehre immer mehr computergestützt ist”, sagt Franke. Wer sich da allerdings nicht sicher fühle, könne an der Uni auch einen entsprechenden PC-Kurs belegen.

Meist kommen die älteren Studenten mit den inhaltlichen Anforderungen ihrer Kurse aber gut klar. „Viele Ältere lesen viel und gerne - oft sogar mehr als die jüngeren Studenten”, weiß Schneider aus Erfahrung. „Und da die meisten das studieren, was sie interessiert, sind die Motivation und damit auch der Erfolg beim Lernen häufig groß.”

In Vorlesungen erstmal zurückhalten

Auch wenn an der Hochschule alles neu ist und man sich auf Kontakt mit anderen freut - ein paar Regeln sollten beim Studium beachtet werden. „Es ist gut, die Veranstaltungen erst einmal auf sich wirken zu lassen und in den Vorlesungen nicht gleich alles nachzufragen”, rät Carolin Franke von der Universität Hamburg. Es sollten die Studenten Vorrang haben, die auf einen Abschluss hin studieren. Das sieht Jochen Schneider vom Akademischen Verein der Senioren in Deutschland ähnlich: „Man kann und sollte natürlich locker und unverkrampft auf andere zugehen. Dabei sollte man aber vermeiden, einen Vortrag mit eher persönlichen Anliegen als fachlichen Beiträgen zu unterbrechen.”
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