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Für Jung und Alt: Mehrgenerationenhaus will Miteinander fördern

Von: Jan Filipzik, ddp
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Schuhe stehen in der Kleiderkammer des Mehrgenerationenhauses der Caritas in Köln-Kalk zum Verkauf bereit: Deutschlandweit gibt es nach Angaben des Bundesfamilienministeriums 500 Mehrgenerationenhäuser, 60 davon allein in Nordrhein-Westfalen. Foto: ddp

Köln. Das kleine Café des „Mehrgenerationenhauses” in Köln sieht eher aus wie das Wohnzimmer einer Privatwohnung, nichts erinnert an eine öffentliche Einrichtung. In dem Raum mit seiner rot-blauen Küche, den vielen Kinderbildern sowie den gemütlichen Sitzmöglichkeiten treffen sich Jung und Alt.

Mütter plaudern mit ihren Kindern, Omas mit ihren Enkeln. Senioren treffen sich auf einen Kaffee und gestresste Kölner ruhen sich für einen kurzen Moment aus. Mittendrin sitzt Peter Schmitz. Der 49-jährige gelernte Sozialarbeiter ist Koordinator des seit 2007 existierenden Mehrgenerationenhauses, das eine Einrichtung der Caritas ist.

„Bei uns sollen Menschen zusammengebracht werden, die bislang noch nichts miteinander zu tun gehabt haben”, erläutert Schmitz das Prinzip des Mehrgenerationenhauses. Das sind junge Menschen, alte Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund, alleinerziehende Mütter oder Frauen und Männer mit Demenz. „Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen”, sagt Schmitz, auf den noch eine Menge Arbeit wartet.

Deutschlandweit gibt es nach Angaben des Bundesfamilienministeriums 500 Mehrgenerationenhäuser, 60 davon allein in Nordrhein-Westfalen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren erhält jedes dieser Häuser eine Fördersumme von 40.000 Euro jährlich. Ziel des Programms ist es, „das Miteinander und den Austausch der Generationen zu fördern und ein nachbarschaftliches Netzwerk familiennaher Dienstleistungen zu schaffen”, erklärt ein Ministeriumssprecher. Dabei wird auch viel auf ehrenamtliche Hilfe gesetzt. „In jedem Mehrgenerationenhaus arbeiten durchschnittlich mehr als 30 Freiwillige”, so der Sprecher weiter.

Auf die Ehrenamtlichen zählt auch Peter Schmitz in Köln, der immer ein Auge darauf wirft, wo Menschen, die sich engagieren möchten, noch eingesetzt werden können. Einige von ihnen arbeiten in der hauseigenen Kleiderkammer. Dort ist die 85 Jahre alte Anneliese Bergmeier gemeinsam mit ihrer Tochter Roswitha schon seit Jahren für den Verkauf der Kleiderspenden zuständig. Zwei Euro für eine neue Jacke, ein Euro für einen Pulli. „Früher haben wir die Sachen kostenlos weggegeben”, sagt Bergmeier, „aber die Leute wollen dafür gerne etwas geben.” Mittlerweile kommen nicht nur sozial schlechter gestellte Menschen in die Kleiderkammer, sondern auch Studenten aus den umliegenden Wohnvierteln.

Die Kleiderkammer ist eines von zahlreichen Angeboten, die das Mehrgenerationenhaus unter seinem Dach vereint. So gibt es zum Beispiel einen Sprachlernkindergarten, einen Unterstützungsservice für Demenzkranke und ihre Angehörigen, eine Sozial- und Schuldnerberatung sowie Mal- und Yogakurse. „Vieler dieser Angebote sind neu hinzugekommen, seit das Haus zu einem Mehrgenerationenhaus wurde”, sagt Schmitz. Er führt die Angebote und die Menschen dahinter zusammen. „Das ist nicht immer einfach”, räumt Schmitz ein. Aber solche Herausforderungen mag er, wie er gesteht.

Wie das Zusammenführen funktionieren kann, erklärt der 49-Jährige an einem Beispiel. „Wir hatten einen Deutschkurs mit einer Gruppe älterer russischer Migranten und jungen Müttern. Während die Mütter den Unterricht zur Sicherung ihrer beruflichen Zukunft brauchten, haben die Rentner der Kurs eher aus Interesse besucht”, erzählt Schmitz. Schnell stellte sich heraus, dass die älteren Russen viel langsamer lernten, als die jungen Mütter. Was allerdings kein Problem war. „Die Rentner haben dann irgendwann angefangen, die Kinder der Mütter zu betreuen, denen damit natürlich auch geholfen war. Und wir haben ihnen einen zusätzlichen Sprachlehrer zur Seite gestellt, während sie gleichzeitig gezwungen waren, mit den Kindern Deutsch zu sprechen und so die neue Sprache auch anzuwenden.”

Schmitz setzt auf solche natürlich gewachsenen Strukturen und Zufälle. Viel hat sich auch durch das neue Café verändert. „Als ich hier angefangen habe, kannten sich viele Mitarbeiter untereinander nicht. Heute herrscht hier eine familiäre Atmosphäre.” Trotzdem liegt vor ihm noch ein weiter Weg. „Wir werden auf jeden Fall den kompletten Förderzeitraum brauchen, um diese neuen Strukturen zu festigen.” Danach, so hofft er, wird das Mehrgenerationenhaus sich selbst finanzieren können.
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