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Für die Tanzschule spricht mehr als Tanzen lernen

Von: Erik Rossel, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Tanzt Du noch oder flirtest Du schon? In der Tanzschule kommen Jungs und Mädchen sich schnell ein bisschen näher. Foto: dpa

Köln. Den einen überreden die Eltern, den anderen der Freund oder die Clique. Irgendwie kommen Jungs in den Tanzkurs - mehr oder minder freiwillig. Cool ist die Tanzschule nicht unbedingt.

Aber wenn alle mitmachen, fällt vermeidlich Uncooles zu tun leichter. Und für einen Tanzkurs spricht mehr als nur das Tanzenlernen.

„Ich habe mich mehr oder weniger von einem Freund überreden lassen. Die Tanzschule hatte einen Rabatt für Gruppen angeboten. Das wollte meine Klasse ausnutzen”, erzählt Andreas, der in einer Tanzschule in Köln tanzt.

Das Anmelden bei der Tanzschule hat ihm bei seinen Eltern Pluspunkte eingebracht. „Von meinen Eltern wurde ich nicht überredet, aber die finden es schon gut, dass ich zum Tanzkurs gehe.” Der 17-Jährige tanzt mittlerweile seit zwei Jahren. „Mich zur Musik zu bewegen, macht mir eben Spaß.”

Mit dem Anfängerkurs ging es los. Heute macht er bereits den fünften Kurs - sein Freund hat schon vor einiger Zeit wieder aufgehört. „Klar, Mädchen sind eher als Jungs für die Kurse zu begeistern”, sagt Daniel Magdanz, Tanzlehrer in Hamburg. Und klar sei auch, dass die Kursteilnehmer nicht unbedingt nur am Tanzen interessiert sind. Andreas sagt zum Beispiel, dass er gerne tanzen geht, weil er dort viele neue Leute kennenlernt - auch Frauen.

Es seien die Rahmenbedingungen, die den Tanzkurs zum besonders guten Ort für Flirts machen, erklärt Marcus Damm, Flirtexperte aus Worms. „Beim Tanzkurs stimmen die einfach: Es ist eine Gruppe mit Mädchen und Jungs, die sich regelmäßig trifft.” Außerdem fasst man sich beim Tanzen an, steht Gesicht zu Gesicht und muss gemeinsam Aufgaben lösen.

Das Kennenlernen wird den Schülern in Tanzkursen relativ einfach gemacht - selbst schüchternen Naturen. „In meiner Tanzschule gibt es eine stumme Regel. Wenn Jungs Mädchen fragen, ob sie tanzen möchten, müssen sie ja sagen. Das macht es dann leichter”, erzählt Andreas. Neben den Tanzkursen gibt es noch Tanzpartys, die ebenfalls von der Tanzschule angeboten werden.

Viele kämen mit der Erwartung zum Kurs, jemanden kennenzulernen. Manche machten den Tanzkurs auch nur aus diesem einen Grund, sagt Damm. Das Tanzen selbst sei dann sekundär. Das gelte zwar eher für Jungen als für Mädchen, spiele aber auch bei ihnen eine Rolle. Beim Tanzen dauert es dem Flirttrainer zufolge nicht lange, bis Mädchen fragen, was der Junge denn sonst so macht.

Steif ist Tanzen heute nicht mehr. Zwar gehört zum Abschlussball immer noch der Anzug mit Fliege oder Krawatte. Aber im Unterricht trägt man ganz normale Sachen. Mit Image-Problemen und zu wenig Kundschaft haben Tanzschulen keine Probleme.

Fernsehshows wie „Lets Dance” hätten einen Hype ausgelöst, sagt Magdanz. Und so mancher, der sich in der 8. oder 9. Klasse noch weigerte, zur Tanzschule zu gehen, steht plötzlich in der 13 auf der Matte. „Vor ihren Abibällen buchen Gruppen öfter mal Privatkurse.”

Andreas hat jedenfalls ein neues Hobby gefunden und geht nicht mehr nur als Schüler in die Tanzschule. In den Einsteiger-Kursen stellt er sich als Partner zur Verfügung. Jungs seien in den Kursen schließlich meist in der Unterzahl, erzählt er. Die Tanzpartys, die die Schule organisiert, stehen beim Ausgehen ganz oben auf seiner Liste. „Mir macht es Spaß, und ich lerne neue Leute kennen. Dass ich mich damals hab überreden lassen, bereue ich überhaupt nicht.”
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