Freundschaften im Job: Langsam Vertrauen zueinander aufbauen

Von: Maria Hilt, ddp
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Hofheim/Köln. Mit seinen Arbeitskollegen verbringt man unter Umständen mehr Zeit als mit Familie und Freunden. In Kaffeepausen und bei Kantinenbesuchen lernt man sie gut kennen, teilt mit ihnen berufliche Erfolge ebenso wie den Ärger über den defekten Kopierer.

Oft entstehen so über das kollegiale Verhältnis hinaus gute Freundschaften, die das Arbeitsleben zwar schöner, aber manchmal auch komplizierter machen.

„Freundschaften unter Kollegen sollten besonders behutsam und langsam wachsen dürfen”, sagt Angelika Gulder, Karriereberaterin aus dem hessischen Hofheim. Sie rät, dem Büronachbarn erst dann sein Herz zu öffnen, wenn man einschätzen könne, ob er sein Insider-Wissen im Ernstfall gegen einen ausspielen würde.

Hat man mit einem Kollegen eine freundschaftliche Vertrauensbasis gefunden, muss man sich von Anfang an bewusst machen, dass das Verhältnis zueinander im Job ein anderes ist als im Privaten. „Von einem Freund erwartet man beispielsweise uneingeschränkte Loyalität - beim Kollegen muss man jedoch akzeptieren, dass dieser unter Umständen die Interessen des Unternehmens über seine persönliche Meinung stellen muss”, sagt Jörg Middendorf, Business-Coach aus Köln.

Wenn die Freundschaft funktionieren solle, müssten sich beide bemühen, berufliche Konflikte nicht auf der Freundschafts-Ebene auszutragen. Der Diplom-Psychologe empfiehlt, über die verschiedenen Rollen im Beruf und im Privatleben offen zu sprechen, um Konflikten vorzubeugen.

Vor allem in beruflichen Krisenzeiten kann eine Freundschaft zwischen Kollegen trotzdem auf eine harte Probe gestellt werden. Beispielsweise dann, wenn in der Firma Umstrukturierungen anstehen, von denen nur einer der beiden weiß. „An Betriebsgeheimnisse muss man sich natürlich trotzdem halten”, betont Angelika Gulder. Allerdings könne man dem anderen sagen, dass man eine auch für ihn wichtige Information erhalten hat, diese aber nicht weitergeben dürfe. „So ist der Kollege vorgewarnt und fühlt sich nicht hintergangen, wenn die Information schließlich ans Licht kommt”, sagt die Diplom-Psychologin.

Auch der berufliche Wettkampf untereinander kann für Freundschaften im Job hinderlich sein. „Manche Leute schränken sich in ihrer Karriere lieber ein, um ihren Freund nicht zu verletzen”, sagt Gulder. Andererseits gebe es in manchen Freundschaften Probleme, wenn einer erfolgreicher sei als der andere. „Wenn einer von beiden sogar befördert wird und dem anderen plötzlich Anweisungen gibt, entstehen oft Konflikte”, sagt Gulder. Grundsätzlich empfiehlt sie, verzwickte Situationen offen anzusprechen - denn beide spürten, dass unterschwellig Differenzen und negative Gefühle vorhanden sind.

Wenn zwei ständig die Köpfe zusammenstecken, entsteht bei den anderen Teammitgliedern schnell Misstrauen. Job-Freunde sollten daher darauf achten, das Verhältnis zueinander den anderen Kollegen gegenüber offen und transparent zu behandeln. „Es wäre falsch, im Team so zu tun, als kenne man sich kaum - die Kollegen merken, dass man ihnen etwas verheimlicht”, sagt Jörg Middendorf. Das würde nur dazu führen, dass die anderen noch dramatischere Geheimnisse und gar Verschwörungen hinter dem engen Kontakt vermuten. „Da Freunden im Job schnell mal Klüngelei unterstellt wird, müssen Betroffene außerdem besonders darauf achten, dass sie sich absolut korrekt verhalten”, betont Middendorf.

Wichtig ist auch, dass das befreundete Duo nicht nur als solches auftritt. „Wenn man immer nur zu zweit essen geht und sich auch sonst gerne absondert, ist das für den Rest des Teams eine unangenehme Situation”, sagt Gulder. Wenn möglich, sollte man im Büro nur über den Job sprechen und sich private Unterhaltungen für den Feierabend aufsparen.

Ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kollegen kann die Arbeit aber auch an vielen Stellen erleichtern. „Wenn man mit seinen Kollegen befreundet ist, versteht man sie besser - die Kommunikation untereinander wird dadurch auch im Beruf einfacher”, sagt Middendorf.

Zudem unterstelle man seinen Freunden grundsätzlich erst einmal positive Absichten - man müsse sich im Arbeitsablauf also nicht lange mit Überlegungen aufhalten, ob der Kollege einen mit einer Information in die Pfanne hauen will.
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