Freundschaft mit dem Ex: Oft nur eine Illusion

Von: dpa
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Freundschaft mit dem Ex: Oft nur eine Illusion
„Lass uns Freunde bleiben”: Damit sich dieser Satz nach einer Trennung umsetzen lässt, müssen beide einander ohne Groll begegnen können. Foto: dpa

Düsseldorf/Köln. Oft ist er nur so dahin gesagt, manche meinen ihn tatsächlich ernst, und für viele ist er das rote Tuch bei jeder Trennung: Der Satz „Lass uns Freunde bleiben” lässt sich nicht immer in die Tat umsetzen.

Manchmal drückt das Angebot auch nur ein starkes Harmoniebedürfnis aus oder ist ein Zeichen, dass man noch am Ex hängt - und langfristig auf eine Neuauflage der Beziehung hofft.

Eine echte Freundschaft zwischen ehemaligen Liebenden gelingt nur selten: „Viele wollen nicht als böse gelten, deshalb machen sie dieses Angebot”, erklärt der Psychotherapeut Günther Thomas aus Düsseldorf die wahren Beweggründe. Dadurch würden die Schuldgefühle beim Schlussmachenden gemildert. Ein Stück weit bleiben dadurch auch Kontrolle und Einfluss auf den anderen bestehen. Denn man spiele ja immer noch eine Rolle im Leben des Ex-Partners, ergänzt Carmen Rosen, Paartherapeutin in Köln.

Wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Freundschaft ist es, dem anderen zu verzeihen: „Es darf keine Aggression mehr in mir sein”, erklärt Stefan Marmann vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Denn so lange die emotionalen Enttäuschungen nicht überwunden sind, gehe man in destruktiver Weise miteinander um. „Die Verletzungen müssen verarbeitet werden. Dazu gehört auch die Selbsterkenntnis der eigenen Fehler.”

Erst auf diesem Fundament könne aufgebaut werden. „Man muss sich die Frage stellen, Was ist noch an gemeinsamen Interessen vorhanden?”, sagt Marmann. Gleichzeitig ist es nötig, einen gewissen Abstand zum anderen einzunehmen. „Ich muss es schaffen, ihn in einer neuen Rolle zu sehen. Denn sonst stellt man die alten Beziehungsmuster wieder her - und so funktioniert keine echte Freundschaft”, sagt Thomas.

Doch woher weiß man, wann die Zeit reif ist für eine Freundschaft? „Das Bauchgefühl entscheidet”, sagt Thomas. Carmen Rosen rät zu einem kleinen Test: „Man sollte sich fragen: Kann ich mich bei meinem Ex für bestimmte Dinge bedanken?. Wenn es einem gelingt, auch die positiven Dinge in der Beziehung zu sehen, ist das ein gutes Zeichen.”

Überstürzen sollte man die Annäherung aber nicht. „Mit einem schnellen Lass uns Freunde bleiben wird oft nur der Schmerz überdeckt”, warnt Rosen. Ein Jahr Trauerzeit sei deshalb nicht übertrieben. Bei langen, intensiven Partnerschaften könne es auch mal zwei Jahre dauern, bis die Trennung überwunden ist.

Doch auch wenn der platonische Übergang geglückt ist, bleibt die Beziehung zum Ex ambivalent. „Oft hat der andere noch eine große Bedeutung für einen selbst. Manchmal entsteht auch eine Traurigkeit darüber, dass er auf einmal Dinge sagt oder Seiten von sich präsentiert, die er in der Beziehung nie offen gelegt hat”, sagt Marmann. Und Rosen ergänzt: „Das Ganze kann schnell umschlagen, wenn man für den anderen noch Gefühle hat und sich wieder nahe kommt.” So wird aus der vermeintlichen Freundschaft schnell ein halbgarer zweiter Beziehungsversuch.

Vor allem derjenige, der verlassen wurde, hegt oft Sehnsucht nach dem anderen: „Er will ihn zurück, ihm geht es gar nicht um Freundschaft. Er hält einfach nur an einer Illusion fest”, sagt Marmann. Andere hielten sich den Ex einfach gerne warm, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sich immer mal wieder ein paar Komplimente abzuholen.

Die Freundschaft zum ehemaligen Partner enthält aber auch positive Aspekte: eine große Vertrautheit und das Gefühl, zu wissen, wie der andere tickt. Viele Dinge fallen von vornherein weg: „Sie müssen nichts mehr tun, um den anderen zu beeindrucken, müssen ihm nichts mehr vorspielen”, sagt Rosen. Und Konflikte, die früher brisant waren, tauchen auf freundschaftlicher Ebene nicht mehr auf: „Die Distanz ist bei einer Freundschaft größer. Gerade Männer schaffen es so öfter, ihren Selbstschutz abzulegen und mehr von sich preiszugeben”, sagt Marmann.

Schlechte Startbedingungen sind allerdings gegeben, wenn der Wunsch nach Freundschaft nicht von beiden geteilt wird: Der Mann hinterlässt hartnäckig Nachrichten auf dem AB, die Frau hat dagegen alle Erinnerungen an ihn in eine Schachtel verbannt - oder umgekehrt. Laut Marmann ist Aussitzen in einem solchen Fall der falsche Weg: „Da muss man Mut zeigen und den anderen in seine Grenzen weisen.” Und dazu gehört auch, zu sagen: „Ich will nicht mit dir befreundet sein.”

Den Ex loslassen können

Um dem Ex eines Tages wieder zivilisiert gegenüber treten zu können, ist es nötig, sich mit seiner Trauer über die Trennung auseinanderzusetzen. „Schreiben Sie einen Brief, in dem Sie Ihrer Seele Luft machen. Darin können Sie Ihren Ex-Partner auch beschimpfen und ihm Vorwürfe machen”, rät der Psychotherapeut Stefan Marmann. Der Brief sollte nicht abgeschickt, sondern verbrannt oder in der Schublade aufbewahrt werden. So gelinge es, den anderen loszulassen.

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