Berlin/Mannheim - Frauenkurse: Unbeobachtet heimwerken oder schwitzen

Frauenkurse: Unbeobachtet heimwerken oder schwitzen

Von: Manja Greß, dpa
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Lieber unter sich: Beim Sport oder Heimwerken bevorzugen manche Frauen männerfreie Angebote. Foto: dpa

Berlin/Mannheim. Lady-Fitness, Handwerkerinnenkurse und Sicherheitstraining für Fahranfängerinnen: Wenn es um ihre Freizeitgestaltung geht, sind viele Frauen gern unter sich.

Kurse, bei denen Männer draußen bleiben müssen, schießen wie Pilze aus dem Boden. Dort können die Teilnehmerinnen ungestört arbeiten oder trainieren - fernab kritischer Männerblicke.

Die Warteliste für die Tischlerwerkstatt mit dem ungewöhnlichen Namen „Schokofabrik” des Frauenzentrums in Berlin-Kreuzberg ist lang. Dort können sich Frauen ihre eigenen Möbel bauen, Kommoden abschleifen und alte Stühle restaurieren. „Frauen finden es toll, mal unter sich zu sein. Endlich gibt es keine Männer, die ihnen in alles reinreden”, sagt Mitarbeiterin Lisa Seiler.

Sätze wie „Das ist zu schwer für dich. Lass mich das machen, dann gehts schneller” würden den Teilnehmerinnen oft noch im Ohr klingen. „Bei uns können Frauen ungestört Fragen stellen, lernen und ausprobieren”, erzählt die gelernte Zweiradmechanikerin. Sie stellte immer wieder fest, dass sich Frauen bestimmte Arbeiten nicht zutrauen. „Manche haben zum Beispiel nicht geglaubt, dass sie dank einfacher Hebelgesetze jede Schraube aufkriegen.”

Doch wer besucht solche Frauenkurse? Arbeiten dort nur schüchterne Mauerblümchen und männerhassende Emanzen? Lisa Seiler und ihre Kolleginnen begrüßen jeden Tag die unterschiedlichsten Frauen in ihren Räumen: kinderlose Akademikerinnen, alleinerziehende Arbeitslose, lesbische Frauen und glücklich verheiratete. Wer sich nicht für Beizen und Schmirgeln interessiert, kann auch an Lesungen teilnehmen, Malkurse besuchen oder die kostenlose Rechtsberatung in Anspruch nehmen.

Seminare, an denen Männer und Frauen getrennt voneinander teilnehmen, hätten durchaus Vorteile, sagt der Diplom-Psychologe Manuel Tusch aus Köln: „Viele Studien haben nachgewiesen, dass Frauen zum Beispiel andere Verarbeitungsmechanismen haben als Männer.” Während Männer oft über ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen verfügten, seien Frauen häufig auf emotionaler Ebene besser.

Den Trend zu Frauenkursen haben auch große Firmen erkannt. So bietet Bauhaus in Fachzentren die „womens week” an. Jeweils im Herbst und im Frühjahr vermitteln Trainer dabei handwerkliches Wissen und Können rund ums Bauen, Renovieren und Verschönern der eigenen vier Wände, sagt Ulrike Voland von Bauhaus.

„Die Workshop-Einheiten dauern zwei bis drei Stunden und sind in zwei Teile gegliedert”, erklärt Voland. „Einen Theorieteil, bei dem die Frauen das Grundwissen rund um das Material, das Werkzeug und die Verarbeitung kennenlernen, und einen Praxisteil, in dem es ans Werk geht.” Bei den Workshops herrsche eine entspannte Atmosphäre, bei der die Teilnehmerinnen keine Hemmungen haben, Fragen zu stellen, zu diskutieren und Handgriffe zu erproben. Dass die Seminare vorrangig von Männern gehalten werden, mag auf den ersten Blick paradox wirken, werde aber von den Frauen als nicht störend empfunden.

Auch beim Sport ziehen einige Frauen die Abwesenheit von Männern vor. In den Fitnessclubs von Mrs. Sporty beispielsweise bleiben sie unter sich. „Das hat verschiedene Gründe”, erklärt Mitarbeiterin Nina Ahrens. „Unser Training wurde speziell für die Bedürfnisse von Frauen entwickelt.” Während Männer vor allem an einem starken Muskelaufbau interessiert seien, wollten Frauen ihren Körper straffen und ihr Gewicht reduzieren.

Viele Frauen fühlten sich in gemischten Sportclubs außerdem unwohl und beobachtet, ist Ahrens Erfahrung. Sie suchten eine Atmosphäre, in der sie ohne Leistungsdruck trainieren können. Zu den Kundinnen gehörten Mütter, Geschäftsfrauen, junge Frauen und ältere Damen gleichermaßen.

Auch hinter dem Steuer fühlen sich manche Frauen ohne Männer wohler, sagt Philipp Dressel vom ADAC-Fachsicherheitszentrum in Linthe (Brandenburg), das Pkw-Kurse für Fahrerinnen anbietet. Sie üben Kurvenfahrten und Notbremsungen auf glatter Fahrbahn. Laut Dressel müssten Frauen den Vergleich mit Männern nicht scheuen. Wenn es zum Beispiel ums Einparken geht, nähmen sich beide Geschlechter nicht viel. „Aber Frauen geben wenigstens zu, dass sie damit Probleme haben.”

Seminare für Männer und Frauen

Manche Kurse machen Frauen und Männer am besten zusammen: „Besonders geeignet für eine gemeinsame Teilnahme sind zum Beispiel Weiterbildungsangebote zu den Themen Kommunikation, Verhandeln und Konflikte beseitigen”, sagt Manuel Tusch, Diplom-Psychologe in Köln. Gerade dort krachten immer wieder geschlechtsspezifische Sichtweisen aufeinander. „Darum ist es sinnvoll, gemeinsam zu üben.”
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