München - Fit für den Schulbeginn: Den neuen Tagesrhythmus vorher üben

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Fit für den Schulbeginn: Den neuen Tagesrhythmus vorher üben

Von: Eva Neumann, dpa
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Damit die Vorfreude des ersten Schultags anhält, sollten Kinder mit einem guten Gefühl an den neuen Lebensabschnitt herangehen. Eltern können dies durch eine frühzeitige Vorbereitung unterstützen. Foto: dpa

München. Viele künftige Erstklässler fiebern ihrem ersten Schultag entgegen. Doch der Eintritt in die Welt der Großen ist für die ganze Familie mit vielen Veränderungen verbunden. Durch gezielte Vorbereitung lässt sich vermeiden, dass die ersten Wochen zur Belastung werden.

Die ideale Basis für einen guten Start ist eine positive Grundstimmung des künftigen Schulkindes. „Kinder erfahren den Schuleintritt in der Regel als großen Einschnitt und mit einer Mischung aus angespannter Vorfreude, neugieriger Bereitschaft und hoher Erwartung nach dem Motto Jetzt bin ich groß”, sagt Joachim Kahlert, Professor für Grundschulpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Diese Neugierde und Lust auf Neues können Eltern gezielt stärken. Manch eine Kita-Gruppe hat die Schule schon vorab beschnuppert. Am Tag der offenen Tür oder beim Sommerfest war vielleicht die ganze Familie auf Erkundungstour. Viele Schulen bieten für die neue Eltern Informationsabende und Führungen an. Über die Eindrücke sollte zu Hause gesprochen werden.

Wenn sich das Kind frühzeitig ein lebendiges Bild von der Schule machen kann, verliert diese ein Stück weit ihre Fremdheit. Denn die kann auch die eine oder andere Unsicherheit oder Sorge auslösen. „Wenn ein Kind unsicher angesichts von fremden Klassenkameraden oder der Lehrerin ist, kann es helfen, an positive Erfahrungen beim Umgang mit fremden Kindern in der Vergangenheit zu erinnern”, sagt Kahlert.

Außerdem können Eltern zusätzliche Sicherheiten schaffen. „Oft kommen mehrere Kinder aus einer Kita gemeinsam in die Schule”, sagt Henricke Schneider-Petri vom Bundesfachausschuss Grundschule in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin. „Solche Kontakte können gerade in den Wochen vor Schulbeginn gefördert werden. Das schafft Stabilität.”

Mögliche Ängste oder negative Gefühle sollten Eltern hingegen auf keinen Fall auf das Kind übertragen. „Manch ein Elternteil hat die eigene Schulzeit nicht nur angenehm in Erinnerung”, sagt Albert Meindl von der Erziehungsberatungsstelle der Caritas in Passau. „Hinzu kommt, dass der Leistungsdruck und die Versagensängste der Eltern heute sehr groß sind.” Solche Stimmungen sollten die Eltern aber lieber für sich behalten.

Auch praktische Vorbereitungen ebnen den Weg in die Schule. „Ganz frühzeitig kann damit begonnen werden, den Schulweg zu üben”, schlägt Schneider-Petri vor. „Zuerst sollten die Eltern alleine den sichersten - nicht unbedingt den kürzesten - Schulweg suchen und ausprobieren.” Dann könne er gemeinsam mit dem Kind mehrfach abgegangen werden, idealerweise zur Schulanfangs- oder -endzeit.

Der Ranzen und das Mäppchen können ebenfalls schon vorab gekauft werden, und zwar gemeinsam mit dem Kind. So ist sichergestellt, dass es die Utensilien auch gerne nutzt. „Gerade beim Ranzen ist zudem Passgenauigkeit sehr wichtig”, sagt Erziehungsberater Meindl. Für weite Wege ist ein Trolley eine Überlegung wert.

Sobald die Schule Buch- und Materiallisten zur Verfügung gestellt hat, geht es ans Einschlagen und Beschriften. „All diese Vorbereitungen können die Vorfreude auf die Schule steigern”, sagt Pädagogik-Professor Kahlert. „Gleichzeitig sind sie gute Gelegenheiten, mit dem Kind zu sprechen oder schon mal in einem Buch zu blättern.”

Die meisten Schwierigkeiten bereiten in vielen Familien die Veränderungen im Tagesablauf. „Mit Beginn des Schulalltags ist das Kind verpflichtend in eine feste Tagesstruktur eingebunden”, erläutert Kahlert. Das kann Auswirkungen auf den Arbeitsbeginn der Eltern haben. Zudem hat sich manches Kind zum Ende der Kita-Zeit und in den Ferien an langes Aufbleiben gewöhnt.

„Damit das Kind ausgeschlafen ist und sich konzentrieren kann, muss es unbedingt früh ins Bett. Den neuen Rhythmus kann die ganze Familie gut in den Tagen vor Schulbeginn einüben”, schlägt Erziehungsberater Meindl vor. Damit morgens keine Hektik ausbricht, wird am besten großzügig berechnet, wie viel Zeit das Kind zum Aufstehen, Anziehen und Frühstücken braucht.

Auch das Nachmittagsprogramm muss kritisch überdacht werden. „Der Erstklässler wird mit vielen neuen Eindrücken nach Hause kommen, entweder direkt aus der Schule oder aus dem Hort. Dann sollte jemand da sein, mit dem es seine Erlebnisse besprechen kann”, rät Meindl. Gerade in den ersten Wochen müssen einige Sprösslinge an Hausaufgaben und ans Stiftespitzen erinnert werden. Und bei der Ordnung im Schulranzen sind helfende Hände nötig.

Weniger ist nachmittags mehr

Für das Freizeitprogramm empfiehlt Grundschullehrerin Schneider-Petri: „Mehr als zwei Nachmittage in der Woche sollten nicht fest verplant werden.” Gut mache sich die Kombination aus einem sportlichen und einem musischen Angebot. So bleibe genug Raum, um sich in Ruhe in der Schule einzuleben und sich nachmittags mit Klassenkameraden auf dem Fußballplatz zu verabreden.

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