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Finger weg vom Napf: So klappt es zwischen Hund und Baby

Von: Manja Greß, dpa
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Napf
Zwei, die sich verstehen: Damit es zwischen Hund und Kind so reibungslos verläuft, sollte sich das Tier zwischendurch in eine eigene Ecke zurückziehen dürfen. Foto: Diagentur/dpa

Dortmund. In Deutschland haben etwa zehn Millionen Menschen einen Hund. Meistens dreht sich in deren Leben alles um den geliebten Vierbeiner. Doch sobald sich in der Familie Nachwuchs ankündigt, ist es mit vielen liebgewordenen Gewohnheiten vorbei.

Um bestens vorbereitet zu sein, raten Experten, den Vierbeiner schon vor der Ankunft des neuen Familienmitglieds an die veränderte Situation zu gewöhnen.

Lange Spaziergänge mit Herrchen, abendliches Kuscheln mit Frauchen - Hunde verbringen gern so viel Zeit wie möglich mit ihren Menschen. Ein Baby bringt jede Menge Unruhe in die bisher so perfekte Beziehung. Dabei sei es besonders wichtig, dass der Hund die Veränderung nicht so drastisch zu spüren bekommt, sagt Elke Deininger von der Akademie für Tierschutz. „Wenn das Baby da ist, sollte der Vierbeiner deshalb genauso behandelt werden wie vorher”, sagt die Tierärztin aus München.

Wenn ein Hund bisher immer im Bett schlafen durfte, sollten Halter ihm das weiterhin erlauben. Außerdem dürften die Streicheleinheiten nicht plötzlich auf ein Minimum beschränkt werden, sagt die Expertin. „Es ist wichtig, dass der Hund das Kind immer mit etwas Positivem verknüpft.” Damit er sich an dessen Anwesenheit gewöhnt, rät Deininger, den Hund in einer ruhigen Minute an dem Kind schnuppern zu lassen. Währenddessen können Halter ihren Hund mit viel Zuwendung in der Gewissheit bestärken, dass seine Stellung innerhalb der Familie nicht gefährdet ist.

Dazu gehöre auch, sich in Gegenwart des Tieres nicht plötzlich gestresst und genervt zu verhalten. „Hat die Mutter ihr Baby auf dem Arm, meckert den Hund aber an, weil er gerade im Weg steht, ist das ein sehr negatives Signal für das Tier”, erklärt Deininger. Ein Hund sollte so oft wie möglich dabei sein, wenn sich seine Menschen mit dem Baby beschäftigen. Den Vierbeiner bei gemeinsamen Aktivitäten auszuschließen und die gesamte Aufmerksamkeit dem Kind zu widmen, sei der denkbar schlechteste Weg.

Wer sich schon im Vorfeld auf die neue Situation mit Hund und Baby vorbereitet, hat danach weniger Probleme. So sei es ratsam, den Hund an den Kontakt mit kleinen Kindern zu gewöhnen, noch ehe das Baby da ist, sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen in Dortmund. „Vielleicht gibt es ja kleine Kinder in der Verwandtschaft, mit denen der Hund unter Aufsicht spielen kann.” So lerne der Vierbeiner kindliches Verhalten kennen. Außerdem rät Kopernik, aus der Klinik getragene Kleidung des Kindes mitzubringen und den Hund daran schnuppern zu lassen. So könne er sich schon mal mit dem Geruch des neuen Familienmitglieds vertraut machen.

„Wird das Schnuppern mit einem Leckerli oder anderen Aufmerksamkeiten verbunden, wird der Hund das Kind schnell als etwas Positives empfinden”, sagt Kopernik. Deininger empfiehlt außerdem, das Gassi gehen mit Hund und Kinderwagen zu üben, bevor das Baby da ist. „Dann kann das Tier lernen, neben dem Wagen herzutraben, ohne an der Leine zu zerren oder ständig stehen zu bleiben, um zu schnuppern.”

Oft haben Menschen mit dem übermäßigen Beschützerinstinkt ihres Hundes zu kämpfen. Jeder Besucher, der sich dem Baby nähern will, wird gnadenlos angebellt. Für einen Hund sei das keine unnatürliche Reaktion, sagt Kopernik. „Viele Hunde haben eine angeborene Motivation, sich um den eigenen Nachwuchs zu kümmern, die sich auch auf den des Menschen übertragen kann.” Doch auch da weiß der Fachmann Rat: „Will zum Beispiel ein Bekannter der Familie das Baby auf dem Arm halten, kann sich der Halter währenddessen neben den Hund setzen und ihn streicheln.”

Bellt ein Hund den Besucher an, tue er das, weil er sein Rudel beschützen will. Und das mache er nur dann, wenn er glaubt, dass sein Rudel nicht Herr der Lage ist, erklärt Hundetrainerin Sonja Gerberding aus Wedel. Erlebt er seinen Menschen jedoch als sicher und souverän, ist er entspannt. Aber auch Freunde und Bekannte sollten einiges beachten. Wurde immer zuerst der Hund begrüßt, sollte diese Tradition nach der Geburt eines Kindes beibehalten werden, rät Deininger.

Damit die Beziehung zwischen Kind und Hund auch später, wenn das Kleine krabbeln kann, harmonisch bleibt, sollte der Vierbeiner Rückzugsmöglichkeiten haben. „Das kann zum Beispiel die Ecke eines Zimmers sein, in der er ungestört auf seiner Decke liegen kann”, sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen in Dortmund. Auch beim Fressen will das Tier ungestört sein. „Deshalb hat ein Kind nichts am Napf zu suchen - schon gar nicht, so lange der Hund frisst.”
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