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„Es darf auch mal Pupsi sein”: Aber Kosenamen sparsam einsetzen

Von: Britta Schmeis, dpa
Letzte Aktualisierung:
Pupsi Kosenamen
Eine der unverfänglichen Varianten: Manche Kosenamen geben jedoch tiefe Einblicke in die Beziehung. Foto: dpa

Köln/Berlin. Edmund Stoibers „Muschi” alias Karin ist bereits zum deutschen Allgemeingut geworden, weniger verhängnisvoll sind da Kosenamen wie Schatzi, Mausi oder Hase. Doch egal, ob ein abgedroschenes „Liebling” oder ein individuelles „Schnurpel” - für feixende Gesichter und blöde Kommentare sind Kosenamen allemal gut, vor allem in der Öffentlichkeit.

Dass der ein oder andere durchaus empfänglich für ein gesäuseltes „Prinzessin” oder „Schnurzelputzel” ist, steht auf einem anderen Blatt. Wohl jeder hat schon mal einen Kosenamen bekommen, und fast jedem ist auch schon ein „Schatz” oder eine ähnliche Gefühlsduselei herausgerutscht - zu Recht. Denn Kosenamen sind nicht nur peinlich, sondern auch ungemein anrührend.

„Kosenamen zwischen Partnern verdeutlichen die Exklusivität einer Beziehung, sind Zeichen besonderer Intimität und Emotionalität”, sagt der Psychologe und Paarberater Volker Drewes aus Berlin. Wenn die Gefühle überschäumen, reicht der schnöde Vorname einfach nicht mehr aus: „Joachim oder Petra wird der eine spezielle Mensch schließlich von aller Welt genannt.” Dass in Momenten höchster Emotionalität dann auch mal ein profanes Schatz herauskommt, mag langweilig sein, kommt aber nicht weniger von Herzen.

„Schatz ist in Deutschland immer noch der am meisten verwendete Kosenamen”, sagt der Sprachwissenschaftler Markus Lindlar aus Köln und beruft sich auf eine repräsentative Infratest-Studie im Auftrag eines Markennamenentwicklers aus dem Jahr 2005. Oftmals seien es Namen und Muster, die man gelernt und übernommen hat und die einem daher schneller über die Lippen kommen.

„Wie so häufig in der Kommunikation macht auch bei Kosenamen der Ton die Musik”, ergänzt Drewes. Denn ein Schatz kann ebenso genervt gefaucht oder ironisch gesagt sein, wie der Vorname des Liebsten. Interessant ist allerdings: In Streitgesprächen besinnen sich die Paare häufig wieder auf den Vornamen des anderen.

Doch wie findet man ihn denn nun, den exklusiven, ultimativen Kosenamen? Die schlechte Nachricht lautet: Konkrete Anleitungen gibt es nicht. „Anders als Markennamen funktionieren Kosenamen nicht rational, sondern entstehen aus einer Situation heraus”, sagt Lindlar. Mal sind es besondere körperliche Merkmale, mal eine Eigenart des anderen.

Dass ist bei Spitznamen nicht anders, bei Kosenamen nur oft sehr viel intimer und für Außenstehende schwer nachvollziehbar - oder nur allzu inspirierend, man denke an „Muschi”. „Die müssen gar nicht nur immer positiv sein und dürfen auch mal etwas Unanständiges assoziieren, vorausgesetzt sie werden nicht in der Öffentlichkeit benutzt”, sagt Drewes und erzählt von einem Freund, der gleich zwei Kosenamen für seine Liebste hat, einen für die Öffentlichkeit und einen für die eigenen vier Wände.

Grundsätzlich ist bei der mehr oder weniger bewussten Wahl des Kosenamens aber durchaus Vorsicht geboten: „Wenn in einer frischen Beziehung allzu schnell ein Kosename fällt, kann man schon misstrauisch werden und sich fragen, ob er nicht aus der alten Partnerschaft übernommen wurde oder ein wenig gedankenlos dahergesagt ist”, sagt Jörg Wesner von der Paarberatung „Paare in Bewegung” in Hamburg. „Man sollte sich ein bisschen Zeit lassen, um den anderen erstmal kennenlernen zu können und dann eine verbale Liebkosung zu finden, die auch wirklich passt”, rät Drewes.

Denn auf die Resonanz des anderen kommt es an: „Entscheidend ist nicht, dass nur mir die Bezeichnung gefällt, sondern sich der andere auch damit identifizieren kann.” Der eine findet „Engel” extrem schmeichelhaft, der andere absolut daneben. Auch sollte die Bezeichnung nicht allzu verniedlichend sein. „Wenn sich Paare nur noch in Babysprache anreden, kann es im schlimmsten Fall mit der Sexualität schwierig werden”, warnt Wesner.

In der Regel sind Kosenamen Ausdruck liebevoller Intimität, und wohl kaum einer kann sich dem Reiz tatsächlich entziehen. Innerhalb der eigenen vier Wände und zärtlich ausgesprochen gibt es dann auch keine Tabus. „Da kann es auch mal Pupsi sein”, sagt Wesner.

Kosenamen geben Hinweis auf Beziehung

Kosenamen sagen oftmals eine ganze Menge über eine Beziehung aus. „Mit der Präposition "mein", die häufig vor Kosenamen gestellt wird, stellt man klare Besitzansprüche und vergewissert sich einer gewissen Exklusivität”, sagt der Psychologe Volker Drewes. Auch dienten Kosenamen so manches Mal der Angstreduktion, da man sich nicht mehr als völlig getrenntes Individuum sieht. Mitunter spiegelten sie auch das Machtgefüge in einer Beziehung wider und dienten unbewusst der Manipulation.
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