Einsamkeit im Alter - Senioren sollten ihre sozialen Netzwerke aktiv gestalten

Von: Maria da Silva, dapd
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Viele Senioren verbringen ihre Tage allein. Wenn der Partner gestorben ist, die Kinder ihr eigenes Leben leben und der Kontakt zu Freunden immer weniger wird, drohen manche Menschen zu vereinsamen. Foto: dapd

Heidelberg/Ludwigsburg. Viele Senioren verbringen ihre Tage allein. Wenn der Partner gestorben ist, die Kinder ihr eigenes Leben leben und der Kontakt zu Freunden immer weniger wird, drohen manche Menschen zu vereinsamen.

„Nicht wenige ältere Menschen äußern gerade nach dem Verlust des Partners die Sorge, mehr und mehr aus sozialen Netzwerken herauszufallen”, sagt Professor Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg.

Während man in mittleren Jahren in Beruf und Familie ganz selbstverständlich Kontakt zu anderen bekomme, müsse man im Alter seine Netzwerke aktiv gestalten. „Das sollte man sehr ernst nehmen - denn es ist für eine gute Lebensqualität grundlegend, dass man sich anderen zuwenden kann und auch selbst Zuwendung durch andere erfährt”, sagt der Psychologe.

Die Ursachen für die Isolation älterer Menschen sind vielfältig: „Viele Leute sind im Alter einsam, weil sie auch vorher einsam waren”, sagt Professor Eckart Hammer von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Vor allem Männer stellten im Ruhestand häufig fest, dass ihre Kontakte hauptsächlich beruflicher Natur waren - und dass Kollegen keine Freunde sind.

Auch körperliche Einschränkungen können dazu führen, dass man den Kontakt zur Umwelt verliert. „Ein häufiges Problem ist beispielsweise, dass Höreinbußen nicht ausreichend kompensiert werden”, sagt Andreas Kruse. Denn wenn man andere schlecht versteht und daher nicht angemessen und differenziert auf sie reagieren kann, gerät man schnell in die Isolation. Daher sei es wichtig, dass ältere Menschen auf ihr Hörvermögen und gegebenenfalls auf eine gute Ausstattung mit Hörhilfen für beide Ohren achteten, betont Kruse. Ebenso seien der angemessene Umgang mit Seheinbußen sowie eine effektive Behandlung von Schmerzzuständen durch chronische Erkrankungen wichtig für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Oft gehe Einsamkeit mit Depressionen einher, weiß Kruse: „Es ist daher wichtig herauszufinden, ob es psychische Ursachen gibt, die einem Kraft und Antrieb rauben”, sagt Kruse. Habe man den Verdacht, dass eine Depression vorliegt, sollte man das mit seinem Hausarzt besprechen. Gemeinsam kann man überlegen, ob eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung sinnvoll ist.

Wer viel Zeit allein verbringt, sollte gut auf seine Tagesstruktur achten, betont Eckart Hammer. „Beispielsweise sollte man immer zur gleichen Zeit aufstehen, sich waschen und anziehen”, sagt der Sozialpädagoge. Am besten plant man für jeden Tag ein kleines Ereignis ein: einen Einkauf, den Gang in die Bibliothek oder den Besuch einer kulturellen Veranstaltung beispielsweise.

„So lange es möglich ist, sollte man zudem das Haus verlassen”, betont der Autor des Ratgebers „Das Beste kommt noch - Männer im Unruhestand”. Es gebe viele Angebote für Senioren - beispielsweise in Kirchengemeinden oder bei der Volkshochschule. „Vielen fällt es leichter, erst mal zu Veranstaltungen zu gehen, die nicht so verbindlich sind - beispielsweise zu Vorträgen oder zu Gesprächskreisen”, ergänzt Andreas Kruse.

Auch in der Nachbarschaft können ältere Menschen wertvolle Kontakte knüpfen. „Man könnte beispielsweise bei neuen Nachbarn klingeln und sich vorstellen”, sagt Hammer. Ältere Menschen sollten außerdem lernen, Hilfe von den Menschen in ihrem Umfeld anzunehmen. „Man muss nicht alles allein schaffen, sondern kann andere um kleine Gefallen bitten”, betont Hammer. Die meisten Menschen würden gerne helfen. Umgekehrt kann es für Senioren auch sehr erfüllend sein, etwas für andere zu tun - beispielsweise im Rahmen eines Ehrenamts. „Ältere Menschen sollten sich vor Augen führen, dass auch sie noch viel geben können”, betont Andreas Kruse.

Vor allem der Kontakt mit jungen Leuten sei häufig sehr lebendig, viele Senioren könnten sehr gut mit den Jüngeren umgehen. „Wichtig ist, dass man im Umgang mit anderen auch positive Rückmeldungen wahrnimmt und sein möglicherweise negatives Selbstbild korrigiert”, betont der Experte.

Auch das Internet ist für Senioren ein wichtiges Fenster zur zunehmend virtuellen Welt. Hier kann man beispielsweise nach Informationen stöbern, E-Mails an seine Enkel schreiben oder in sozialen Netzwerken neue Leute kennenlernen. Tücken der modernen Technik lassen sich oft mit etwas Hilfe überwinden: „Senioren können spezielle Computerkurse belegen oder beispielsweise das Nachbarskind um Nachhilfe bitten”, sagt Eckart Hammer.

Allerdings ist nicht jeder, der alleine lebt, auch einsam. „Manche wissen es durchaus zu schätzen, dass in ihrem Leben nicht mehr so viel Betrieb herrscht”, sagt Hammer. Denn je älter man werde, desto mehr Zeit brauche man auch, um sich mit sich selbst und seinem Innenleben zu beschäftigen. „Ältere Menschen ziehen sich oft zurück, um sich an intensive Zeiten zu erinnern und auf diese Weise ihr Leben abzurunden”, sagt der Pädagoge.

Man könne die Zeit des Alleinseins auch dazu nutzen, seine Biografie aufzuschreiben. „Dadurch kann man für sich einige Dinge klären - und meistens interessieren sich auch die Nachkommen für diese Erinnerungen”, sagt Eckart Hammer.
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