Ehrlichkeit muss man sich nicht selbst erarbeiten

Von: ddp/dpa
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Washington. Ehrliche Menschen müssen sich um dieses Verhalten nicht aktiv bemühen. Stehen sie vor der Wahl, sich entweder durch Betrug Vorteile zu erschleichen oder sich ehrlich zu verhalten, kommt es in ihrem Gehirn nicht zu einem Widerstreit der Interessen, wie US-amerikanische Wissenschaftler bei Hirnscans mit 35 Freiwilligen beobachtet haben.

Bei Menschen, die zu kleinen Unehrlichkeiten neigen, beobachteten die Forscher hingegen eine große Aktivität im präfrontalen Cortex, einem wichtigen Kontrollorgan im Gehirn. Ihre Ergebnisse stellen Joshua Greene und Joseph Paxton von der Harvard-Universität in Cambridge im Fachmagazin „PNAS” vor (doi: 10.1073/pnas.0900152106).

Die Wissenschaftler ließen in ihrer Studie die Freiwilligen an einem Test teilnehmen, bei denen sie den Ausgang eines Münzwurfs vorherzusagen hatten. Lagen die Probanden mit ihrer Vorhersage richtig, erhielten sie einen kleinen Geldpreis. Die Freiwilligen hatten jedoch auch die Möglichkeit, zu schummeln und vorzugeben, den Ausgang des Wurfs richtig vorhergesagt zu haben. Während der Experimente überwachten die Forscher die Hirnaktivität der Probanden mittels der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI).

Ziel der Untersuchung war, die sogenannte „Will”-Hypothese zu überprüfen, nach der Ehrlichkeit die Fähigkeit ist, der Versuchung zum Schummeln zu widerstehen, und die im Gegensatz zur „Grace”-Hypothese steht. Diese geht davon aus, dass bei vielen ehrlichen Menschen überhaupt keine Versuchung zum Schummeln besteht und sie folglich auch gar nicht dagegen ankämpfen müssen.

Die Ergebnisse der Tests waren eindeutig: Bei ehrlichen Menschen gelte die „Grace”-Hypothese, fanden die Forscher heraus. So zeigte sich bei den Probanden, die immer die Wahrheit sagten, keinerlei Hirnaktivität, die auf einen inneren Zwiespalt hinwies oder auf ein aktives Ankämpfen gegen die Versuchung hindeutete, einen Betrug zu begehen.

Anders fielen die Beobachtungen bei den Probanden aus, die in den Tests auch einmal schummelten: Hier beobachten die Forscher eine Hirnaktivität, die auf genau einen solchen Widerstreit schließen ließ. Sowohl wenn die Probanden die Wahrheit sagten, als auch wenn sie betrogen - stets zeigte sich rege Hirnaktivität im präfrontalen Cortex. Diese Hirnregion gilt als oberstes Kontrollzentrum für die Steuerung von Handlungen.

Da das Schummeln in der Regel mit einer solchen Hirnaktivität verbunden gewesen sei, könnten die Ergebnisse für Wissenschaftler interessant sein, die sich mit Konzepten für Lügendetektoren befassen, erklären die Forscher.

Babyfotos steigern Ehrlichkeit

Babyfotos machen ehrlicher: Nach einer britischen Studie geben Finder verlorene Brieftaschen eher zurück, wenn diese Bilder von kleinen Kindern enthalten. Auch Bilder von jungen Hunden und Familienfotos wirken sich positiv auf die Moral aus. Weniger gute Auswirkungen haben demnach Fotos von älteren Paaren und gar keine Fotos. Das ergab ein Test mit absichtlich verlorenen Brieftaschen, die allerdings kein Bargeld enthielten. Nach Angaben des Studienleiters Richard Wiseman vom Montag zeigen die Ergebnisse, dass „Babys bei den Menschen ein führsorgliches Gefühl erzeugen”.

Für die Studie der Universität Hertfordshire verteilten Wissenschaftler im November 2008 nach dem Zufallsprinzip 240 Brieftaschen in der schottischen Stadt Edinburgh. Neben alltäglichen Gegenständen wie Lotteriescheinen und Mitgliedskarten enthielten je 40 Börsen zusätzlich ein Foto entweder von einem Kleinkind oder von einem Welpen, von einem älteren Paar, von einer Familie oder einen Hinweis darauf, dass der Besitzer vor kurzem Geld oder Blut gespendet hatte. Einem weiteren Teil wurde nichts weiter begelegt.

Das Ergebnis der Studie: Mit Abstand am häufigsten zurückgegeben wurden die Brieftaschen mit den Kinderfotos (35 Stück), mit weitem Abstand gefolgt von den Welpen (21 Stück), der Familie (19 Stück) und dem älteren Paar (11 Stück). Wenig Wirkung zeigten die Geldbörsen mit den Spendennachweisen (8 Stück) und die Kontrollgruppe ohne zusätzliche Beigaben (6 Stück). Insgesamt wurden 100 der 240 Börsen zurückgegeben (42 Prozent).
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