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Die Puppe wird als letzte eingepackt: Umzug mit Kindern

Von: Carina Frey, dpa
Letzte Aktualisierung:
Umzug mit Kindern
Abschied von der alten Wohnsiedlung: Für Kinder ist ein Umzug in eine andere Stadt oft mit vielen Ängsten verbunden. Foto: dpa

Rendsburg. Wie oft schlafen ist ein halbes Jahr? Und wo ist die eigentlich, die andere Stadt, in der die Familie künftig wohnen wird? Kommt Poppi, die Lieblingspuppe, auch mit? Oder bleibt sie zurück wie die Freunde? Das sind Fragen, die Kinder beschäftigen, wenn ihre Eltern ihnen sagen: Wir ziehen um.

Und genau diesen Fragen sollten sich die Erwachsenen auch stellen. Denn je offener sie mit ihren Kindern sprechen, desto eher kommen die mit der Situation klar. Ansonsten gilt: Trotz des Umzugs möglichst viel beim Alten lassen.

Bevor der Umzug sicher feststeht, ist er nichts für Kinderohren. „Mit Ungewissheit können Kinder schlecht umgehen”, erläutert Susanne Egert, Psychotherapeutin bei der Evangelischen Jugendhilfe Rendsburg. Und auch wenn die Entscheidung bereits gefallen ist, müssen Kinder sie nicht sofort erfahren - vor allem, wenn sie noch klein sind und kein Gefühl für Angaben wie „ein halbes Jahr” haben.

Aber sobald die Kinder die Unruhe der Eltern mitbekommen und Fragen stellen, sollten sie ehrliche Antworten erhalten. „Machen Sie kein Geheimnis aus dem Umzug”, rät Karin Jacob, Diplom-Psychologin beim SOS-Familienzentrum Berlin. Denn wenn Kinder spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist, ohne eine Erklärung dafür zu bekommen, malten sie sich Schlimmes aus. „Und sie fragen sich: Warum reden meine Eltern mit mir nicht darüber?”. Fühlen sich die Kinder dagegen eingebunden, fingen sie eher von sich aus an, über ihre Gedanken zu sprechen. „Dann erzählen sie auch, wenn sie zum Beispiel schlecht vom Umzug geträumt haben”, sagt Jacob. Und nur dann hätten Eltern die Chance zu trösten und zu beruhigen.

Denn mit einem müssen Eltern vor einem Umzug rechnen: dass Tränen fließen und ihr Kind Angst hat. „Kinder wissen nicht, wie so etwas ist, und das macht ihnen Angst”, erklärt Susanne Egert. Kindern im Vorschulalter könne helfen, ein Bilderbuch über einen Umzug immer wieder anzuschauen. So bekomme das Kind eine Vorstellung davon, was passiert. Ältere Kinder kennen vielleicht jemanden, der schon einmal umgezogen ist, sagt Jacob. „Der kann erzählen, wie das war.”

Sätze wie „Du musst jetzt nicht traurig sein”, bringen laut Egert wenig. Stattdessen sollten Eltern das Gefühl ihrer Kinder in Worte fassen, etwa „Du hast Angst, weil du nicht weißt, wie es dort ist, oder?”. „So kommt man ins Gespräch und kann herausfinden, was das Kind bedrückt. Das sind oft Sachen, auf die Erwachsene nicht kommen.”

Dürfen Eltern von ihrer eigenen Angst erzählen? Susanne Egert ist da skeptisch: „Das Kind braucht Rückhalt. Eltern geben ihm diese Stabilität”, sagt sie. Karin Jacob rät ebenfalls zu Zurückhaltung: „Eltern dürfen schon sagen, dass sie traurig sind oder etwas Angst haben”, findet sie. Doch dann sollte sofort folgen: „Aber ich habe schon Ideen, das und das kann ich dagegen machen!” So zeigten Mütter und Väter ihrem Nachwuchs Lösungsmöglichkeiten auf.

Damit Kinder sich besser vorstellen können, was auf sie zukommt, lohnt ein Ausflug in die neue Stadt. Und erleben sie dort Schönes - beim Besuch eines großen Spielplatzes zum Beispiel -, wirkt das neue Zuhause gleich sympathischer, erklärt Egert. Auf der Wohnungssuche hätten Kinder dagegen nichts verloren. Karin Jacob rät, vorher mit ihnen zu besprechen, was sie sich in der neuen Wohnung wünschen - wobei allerdings sofort klar sein muss, was nicht möglich ist.

Ist die neue Bleibe gefunden, können Kinder bei der Einrichtung mitreden. Doch während Erwachsene es oft toll finden, alles ganz neu zu gestalten, verunsichere das Kinder eher, warnt Egert. Je jünger die Mädchen und Jungen sind, desto wichtiger sei ihnen die direkte Umgebung. Deshalb sollten Eltern vor allem beim Kinderzimmer möglichst viel aus der alten in die neue Wohnung übernehmen.

Rückt der Umzug näher, sollten Eltern eines nicht tun: den Termin zum Anlass nehmen, einmal gründlich das Kinderzimmer auszumisten. „Da sollten die Großen erstmal bei sich anfangen”, sagt Dierk Hochgesang vom Bundesverband Möbelspedition in Hattersheim am Main. Er rät, das Kinderzimmer möglichst lange unangetastet zu lassen und dort erst am Umzugstag zu packen. „So extrem voll ist das Zimmer oft gar nicht.”

Das Kind sollte seiner Ansicht nach selbst beim Packen helfen - selbst wenn es dabei im Weg steht. „So sieht es, dass seine Sachen alle mitkommen.” Und oft helfe es auch, wenn das Lieblingsstofftier nicht im Umzugskarton, sondern im Auto der Familie mitfährt - und somit ganz sicher nicht verloren gehen kann.

Im neuen Zuhause ist das Kinderzimmer dann der Raum, der möglichst früh wieder eingerichtet wird, rät Egert. So falle es dem Kind leichter, sich einzugewöhnen. „Und wenn es vielleicht ein kleines Umzugsgeschenk gibt, verbindet das Kind eher etwas Positive damit.”

Abschied feiern und Einstand geben

Wie möchte ein Kind vor einem Umzug Abschied von seinen Freunden nehmen? „Überlegen Sie das gemeinsam”, rät Karin Jacob vom SOS-Familienzentrum Berlin. Eine Möglichkeit sei eine Abschiedsparty, eine andere, Freundschaftsbänder zu verteilen. Für den Start in der neuen Schule hilft es, wenn die Familie versucht, schon vorher Kontakt zu einem Kind aus der Klasse aufzunehmen. „Dann gibt es am ersten Schultag wenigstens ein bekanntes Gesicht”, erklärt die Psychotherapeutin Susanne Egert aus Rendsburg. Und bringt das Kind den neuen Klassenkameraden etwas Kleines mit, steht es bei ihnen gleich gut da.
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