Fürth/München - Die Kirche im Dorf lassen: Kommunion und Konfirmation planen

Die Kirche im Dorf lassen: Kommunion und Konfirmation planen

Von: Johanna Uchtmann, dpa
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Feierlich, aber nicht stocksteif: So wird die Kommunion zur gelungenen Feier. Foto: dpa

Fürth/München. Völkerball spielen im Kommunionsanzug? Der beste Freund des Konfirmanden am Ehrentisch? Spaghetti Bolognese statt Fünf-Gänge-Menü? Geht das? Auf jeden Fall, sagen Experten. Kommunion und Konfirmation müssen nicht pompös und stocksteif sein.

„Die Kirche im Dorf lassen”, auch wenn es um Geschenke geht, rät Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Wird die Feier etwas gelassener angegangen, profitierten alle davon - Gäste wie Organisatoren.

Übertreiben es Eltern und Verwandte beim Erstkommunion- oder beim Konfirmationsfest, kann der Ehrentag für das Kind schnell zur Tortur werden. „Ein gemeinsames Essen gehört zum Fest dazu”, sagt Uwe Globisch vom Deutschen Katecheten-Verein in München. Der Theologe rät aber zu gesunder Zurückhaltung. Es muss also nicht ein stundenlanges Fünf-Gänge-Menü sein. Und Eltern gehen bei der Vorbereitungen am besten auch auf die Wünsche des Kindes ein. „Meine Kinder würden Sushi zum Beispiel nicht essen”, sagt er. Spaghetti Bolognese stattdessen? Wenn es sich die Hauptperson des Tages wünscht, ist der Geburtstagsklassiker durchaus legitim.

Eine Absage an die Feierlichkeit ist das nicht, findet auch der katholische Religionspädagoge Hermann Schulze-Berndt aus Bad Bentheim (Niedersachsen): „Mit einem gemeinsamen Essen kann man immer Feierlichkeit herstellen.” Dafür können auch Musik oder sogar gemeinsames Singen sorgen - allerdings nur, wenn es nicht erzwungen wirkt. Auch ein selbst vorbereitetes Tischgebet ist am Tag der Erstkommunion passend und sogar wichtig, sagt Schulze-Berndt: „Wann, wenn nicht dann?”

Die Festgesellschaft darf dem Kind nicht zu viel zumuten, rät Schulze-Berndt. Gerade Geschenke könnten leicht überfordern. „Die Geschenke sollten nicht maßlos sein und nicht im Vordergrund stehen.” Und sie sollten altersgemäß sein. Ein Kommunionkind mit seinen acht oder neun Jahren könne mit einem 200-Euro-Schein im Kuvert der Oma emotional wenig anfangen.

Es lohnt sich, den Schenkenden vorher Tipps zu geben. Wertvolle Mitbringsel sind für Globisch klein, aber mit viel Mühe ausgesucht. Er schlägt etwa einen Leuchter für die Kommunionkerze, ein Poesiealbum für Einträge der Gäste oder eine Einladung zum Spielnachmittag vor: „Gemeinsames Zeitverbringen ist besser als ein einsames Spielzeug.”

„Auch durch ein Spiel im Garten wird der Tag in keinem Fall entheiligt”, findet Globisch, der als Kind im schwarzen Kommunionsanzug mit der Festgesellschaft Völkerball spielte. Wer so etwas anstrebt, sollte den Ort der Feier entsprechend auswählen. Soll die Feier zu Hause oder im Gasthaus stattfinden? Ist da auch genug Platz? Denn eines ist sicher, wenn unter den Gästen Kinder sind: „Die wollen irgendwann raus”, sagt der Theologe.

Schon bei der Einladung können Eltern die Weichen für ein gelungenes Fest stellen. Globisch schlägt vor, neben den obligatorischen Fakten auch die Bitte um ein Kommunion- oder Konfirmationsfoto jedes Gastes in das Einladungsschreiben aufzunehmen. „Die könnte man alle an einer Pinnwand sammeln, und dann wird geraten, wem welches Foto gehört.”

Aber wer soll überhaupt eine Einladung bekommen? „In erster Linie ist das ein Familienfest”, sagt Engel. Es sei unüblich, dass der Konfirmand Freunde einlädt. Da aber der Jugendliche am Konfirmationstag und das Kind bei der Erstkommunion im Mittelpunkt stehen, sollten Eltern auch bei der Gästewahl auf deren Wünsche eingehen, rät der Erziehungsberater. Uwe Globisch findet sogar, dass Freunde zu einem so besonderen Tag dazugehören: „Das tut der Festlichkeit keinen Abbruch.”

Ein halbes bis Dreivierteljahr kann die Vorbereitung auf das Konfirmations- und Kommunionsfest die Eltern kosten, auch wenn keine gewaltige Feier geplant ist. „Das hält einen schon in Atmen”, sagt Engel. Doch auch bei der Vorbereitung gelte: Übertreibung macht das Fest schnell zur Tortur.

Weitere Informationen:

Wie Kommunion und Konfirmation gefeiert werden, ist von Ort zu Ort verschieden. Zugezogene und Verwandte aus anderen Gegenden sollten sich vorher über die Bräuche kundig machen. So ist es etwa in Oberfranken Usus, dass der Konfirmand einige Tage nach der Konfirmation allen Gästen ein Stück vom Konfirmationskuchen vorbeibringt.

Andernorts verlangt es die Tradition, Gastgeschenke bereits vor der Konfirmation zu überreichen. Aber auch viele weitere Gepflogenheiten gilt es zu kennen: Müssen die Plätze in der Kirche reserviert werden? Wie viele stehen der Familie zu? Außerdem sollte vorher geklärt werden, ob in der Kirche fotografiert werden darf oder ob ein Profi diese Aufgabe übernimmt.
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