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Deutsche Babynamen als Zankapfel der Statistiker

Von: Friedemann Kohler, dpa
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Babynamen
Liegt Mia an der Spitze der beliebtesten Mädchennamen oder ist es Sophie? Heißen Jungen häufiger Leon oder Maximilian? Jahr für Jahr gibt es Streit in Deutschland, wer die genauere Hitliste der populärsten Vornamen erstellt. Foto: dpa

Wiesbaden. Liegt Mia an der Spitze der beliebtesten Mädchennamen oder ist es Sophie? Heißen Jungen häufiger Leon oder Maximilian? Jahr für Jahr gibt es Streit in Deutschland, wer die genauere Hitliste der populärsten Vornamen erstellt.

Am kommenden Freitag (9. März) präsentiert die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden ihr Forschungsergebnis für 2011. Doch es wurmt die ehrwürdige Gesellschaft, dass immer schon zum Jahreswechsel der Hobbyforscher Knud Bielefeld aus Ahrensburg bei Hamburg seine Liste vorstellt - und damit auf großes Interesse bei den Medien stößt. Für Bielefeld waren 2011 Mia bei den Mädchen und Ben bei den Jungen top.

„Wir haben die Liste, die deutlich präziser ist”, nimmt Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels für die GfdS in Anspruch. „Wir sind mit mehr als 500 Standesämtern in Kontakt.” Doch geschützt ist die Kür der populärsten Vornamen nicht. Es gibt keine amtliche Namensstatistik in Deutschland, die Daten der GfdS kommen einer offiziellen Zählung noch am nächsten. Daneben kann Bielefeld frei seinem Hobby frönen.

Es ist auch ein Konflikt zwischen Populärwissenschaft und akademischer Linguistik, zwischen Computerrecherche und dem Papierkrieg mit Behörden. „Ich werte öffentlich zugängliche Quellen aus”, sagt der Wirtschaftsinformatiker Bielefeld. Das sind vor allem die Internetseiten von Kranken- oder Geburtshäusern, auf denen täglich die Ankunft neuer Erdenbürger verzeichnet wird.

Mit Helfern sammelt er Monat für Monat die Namen, ergänzt sie um Geburtsanzeigen und die Angaben einiger Standesämter - pünktlich zum Jahresende ist seine Zählung fertig. „Ich muss nicht warten, bis mir das geschickt wird.” 2011 erfasste Bielefeld nach eigenen Angaben knapp ein Viertel aller Geburten in Deutschland. Seine Internetseite trägt sich durch Werbung selbst.

Bielefelds Gegenspieler bei der GfdS, der Sprachwissenschaftler Lutz Kuntzsch, muss warten, bis das Jahr herum ist. Dann schicken die Standesämter ihre Listen zur Auswertung nach Wiesbaden. Die GfdS hat ihre Stichprobe in den vergangenen Jahren ausgeweitet. Für 2011 lieferten 575 Ämter Daten zu. „Wir haben 75 Prozent der Geburten erfasst”, sagt Kuntzsch. Für die Gesellschaft ist wichtig, dass ihre Ergebnisse wissenschaftlich valide sind - Namensforschung war schon immer ein wichtiger Zweig der Linguistik.

Wenn aber alle Lenas und Pauls ausgezählt sind, liegen die Konkurrenten nicht weit auseinander. „Er kommt nicht zu grundsätzlich anderen Ergebnissen”, sagt Kuntzsch über Bielefeld. Die Top Ten sind bis auf drei oder vier Namen identisch, nur die Rangfolge ist anders.

Bei der GfdS führen meist Namen, die als Erst- wie als Zweitnamen populär sind. Das sind Sophie/Sophie oder Maria/Marie bei den Mädchen, Maximilian und Alexander bei den Jungen. Zwei von fünf Kindern haben mehrere Vornamen - die Standesämter zählen sie ohne Unterschied. Hobbyforscher Bielefeld macht getrennte Einträge für erste und zweite Namen. Auch wenn die GfdS die Wissenschaftlichkeit seiner Ergebnisse bezweifelt, hält er seine Methode für genau.

Zu ihrem Trost hat die Sprachgesellschaft bei anderen Ranglisten weniger Konkurrenz. Ihr jeweils im Dezember gekürtes „Wort des Jahres” (2011: Stresstest) kann gut neben dem „Unwort des Jahres” (2011: Döner-Morde) stehen. Außer Konkurrenz läuft ihr Preis für guten Sprachgebrauch in den Medien. Anfang Mai werden ZDF-Moderatorin Marietta Slomka und Blogger Stefan Niggemeier ausgezeichnet.
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