Der schwierige Weg zum richtigen Job

Von: Christian Schultz, dpa
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Das große Angebot macht es nicht einfacher: Jugendliche können zwischen 450 Ausbildungsberufen wählen. Foto: dpa

Mainz/Koblenz. Konzentriert starrt der 15-jährige Askar Eriksohn auf den Bildschirm. Er sitzt im Berufsbildungszentrum der Arbeitsagentur und klickt sich durch eine Liste von Berufen.

Ein Jahr geht er noch zur Hauptschule, bald muss er wissen, was er werden will. So wie ihm geht es jährlich mehr als 800.000 Schulabgängern in Deutschland. Einfach ist diese Wahl bei mehr als 450 Ausbildungsberufen nicht. Die Suche nach dem richtigen Job kann verflixt mühsam sein.

Doch wer weiß, auf was es ankommt, wen man fragen kann und welche Tricks es gibt, macht es sich leichter.

Wichtig ist, der Flut an Informationen Herr zu werden, sagt der Berufs- und Karriereberater Ralf Klinge vom Klinge-Institut für angewandte Psychologie in Koblenz. „Es gibt zu viele Infos.” Nicht umsonst bezeichnet die Industrie- und Handelskammer Hessen den Ausbildungsmarkt in ihrem Bildungsreport 2008/09 als Dschungel.

Um sich durch das Dickicht zu kämpfen, sollte die Zahl möglicher Berufe gleich am Anfang begrenzt werden. Das aber ist einfacher gesagt als getan. Denn das Nachdenken über die eigene Zukunft gehört zu den schwierigsten Übungen überhaupt, schreibt die Autorin Gina Schulze aus Erlangen. Schließlich ist dieser Entschluss folgenschwer.

„Das Problem ist zunächst, dass die Jugendlichen einfach nicht wissen, wer sie sind und was sie gerne machen möchten”, sagt Klinge. Daher sei es unumgänglich, sich zu Beginn ausgiebig mit den eigenen Fähigkeiten und Interessen auseinandersetzen, auch um späteren Frust zu vermeiden. „Wenn hier Klarheit besteht - das ist meine Erfahrung - dann kommen die Informationen praktisch von alleine hereingeströmt.”

Askar Eriksohn hat die Suche hinter sich, der 15-Jährige hat sich im Internet und bei seinen Eltern schlau gemacht. Er möchte im Krankenhaus arbeiten. „Es ist spannend, wie der Körper funktioniert”, sagt er. „Das fasziniert mich.” Den nächsten Schritt hat er schon geplant: Er wird sich um ein Praktikum bewerben, um Einblick in den Arbeitsalltag zu bekommen. Denn dort ist manches anders, als man es sich vorstellt.

Auch Askar kennt Jugendliche, die sich längst noch nicht über ihre Jobwünsche klar sind. „Für viele ist das schwierig.” Um rechtzeitig den passenden Job zu finden und Bewerbungen loszuschicken, muss ein Zeitplan eingehalten werden: Mittelständische Betriebe vergeben Stellen meistens ein halbes Jahr vorher, große Unternehmen ein Jahr im Voraus.

Deswegen stattet Sascha Skubski, Berufsberater bei der Arbeitsagentur in Mainz, Schulklassen rund anderthalb Jahre vor dem Abschluss einen ersten Besuch ab. Trotzdem sind einige mit der Jobsuche zu spät dran. „Manchen fällt im Juni ein, dass die Schule vorbei ist”, sagt er. „Und die fragen sich dann auf einmal: Was mache ich jetzt?”

Dass einige Jugendliche trotz Berufsberatung ratlos sind, liegt auch daran, dass nicht alle Schulen gute Unterstützung bieten. „Was die Vorbereitung in der Schule angeht, muss man sagen, dass sie kaum systematisch erfolgt”, kritisiert Klinge. Oft sei es Glückssache, ob ein Lehrer engagiert und fit in der Berufsberatung ist.

Diese Mängel kennt auch Steffen Schüpferling von der Mainzer Berufsberatung Kiwi. Er hilft Jugendlichen dabei, Stärken, Interessen und Vorlieben zu entdecken. Die Fragen, die er stellt, sind: Was steckt in mir? Was passt zu mir? Wie komme ich ans Ziel? Dabei sollte man nicht nur an Geld denken. „Das ist der schlechteste Motivator.”

Doch bloßes Nachdenken hilft nicht immer, oft sind praktische Übungen sinnvoller. Schüpferling baut in seinen Kursen manchmal einen Parcours auf mit verschiedenen Stationen. Da muss an einer Stelle zum Beispiel eine Blume gepflanzt und an einer anderen mit dem Schraubenzieher gearbeitet werden. Das hilft, Talente zu erkennen.

Heraus kommen oft keine großen Überraschungen. Doch viele konnten vorher ihre Fähigkeiten nicht artikulieren, sagt Schüpferling. Das sei aber notwendig, um den richtigen Weg einzuschlagen. Die Entscheidung, welcher Beruf es letztlich werden soll, kann niemand abnehmen. „Das müssen die Schüler selbst schaffen.”

Ein Problem bei der Ausbildungsplatzsuche sei häufig mangelndes Selbstvertrauen. „Viele haben für sich festgemacht, ich bekomme doch sowieso keinen Job”, sagt Sascha Skubski, Berufsberater bei der Arbeitsagentur in Mainz. Das sei vor allem bei Hauptschülern verbreitet. „Aber das stimmt nicht.” Wer einen guten Abschluss hat und Praktika macht, der könne sehr wohl etwas finden.

Literatur: Gina Schulze: Arbeit - Leben - Glück: Wie man herausfindet, was man werden will, Deutscher Taschenbuch-Verlag, ISBN: 978-3-423-62220-2, 7,50 Euro.
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