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Den Kleinen immer an der Hacke: Geschwister nicht ständig abweisen

Von: Aliki Nassoufis, dpa
Letzte Aktualisierung:

Köln/Fürth. Oh nein, nicht schon wieder! Eigentlich will Malte nur seine Ruhe haben und sich mit Freunden treffen - doch dann kommt ständig sein jüngerer Bruder Anton dazu und will mit Malte spielen.

Doch der hat darauf überhaupt keine Lust und faucht Anton an. Der Streit eskaliert und endet mit Türenknallen und Tränen. Ein Einzelfall ist das nicht. Schon seit langem ist der 16-jährige Malte aus Berlin gefrustet: „Kleine Geschwister nerven”, findet er.

„Wut ist in solchen Situationen total verständlich, schließlich ist es wirklich nervig, wenn jüngere Geschwister ständig um einen herum sind”, sagt die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln. Doch dabei sollte man wissen: Die Kleineren wollen nicht nerven, sie interessieren sich für die Großen.

Wenn sie beispielsweise fragen, ob sie am Nachmittag zum Treffen mit den Freunden der älteren Geschwister mitkommen können, dann wollen sie wissen, was Größere so machen und bereden.

„Was für Jugendliche normal ist, ist für kleinere Kinder sehr spannend”, erklärt Raffauf. „Sie wollen dazugehören und bewundern die älteren Geschwister für vieles, was diese tun.”

Die Anhänglichkeit der Kleinen ist also kein bewusstes Piesacken, sondern eher Ausdruck von Interesse und Bewunderung. „Das ist doch eigentlich das Schöne an kleineren Geschwistern: In ihren Augen ist man häufig der King”, ergänzt der Diplom-Psychologe Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth.

„Und deswegen kann man es ja auch etwas genießen, dass da jemand darum kämpft, mit einem zusammen zu sein.”

Trotzdem muss man die jüngeren Geschwister nicht immer dabei haben. „Man sollte in Ruhe mit ihren sprechen und einen Kompromiss finden”, rät Raffauf.

Dabei sei wichtig, die Schwester oder den Bruder nicht vollständig auszuschließen. „Der oder die Kleine wird einen eher in Ruhe lassen, wenn er oder sie auch mal dran ist.”

So könne man den Jüngeren vorschlagen: „Du darfst jetzt zehn Minuten bei meinen Freunden und mir bleiben, aber dann gehst du und lässt uns allein” oder „Bitte geh jetzt, aber ich verspreche Dir, ich erzähle Dir nachher, was wir gemacht haben”.

Schwieriger wird es, wenn die Geschwister ein Zimmer teilen. „In solchen Fällen ist es zum Beispiel hilfreich, einen Raumteiler zu haben”, sagt Raffauf.

„Jeder braucht seinen eigenen Bereich.” Es sei außerdem gut, wenn festgelegt wird, wer welche Teile des Raumes selber gestalten darf. „Da können dann eigene Poster oder Fotos aufgehängt und persönliche Dinge gesammelt werden.”

Außerdem sollte geklärt werden, wer wann alleine in dem Zimmer sein darf. „Das ist gerade bei Besuch wichtig, kann aber auch bei den Hausaufgaben sinnvoll sein, wenn einer der beiden Ruhe braucht”, sagt Gerth.

Dabei darf aber nicht einer einfach aus dem Zimmer verbannt werden. „Man sollte auch regeln, wohin der andere gehen kann, wenn er gerade nicht im Zimmer sein darf.”

Hierfür eine Lösung zu finden, ist nicht immer einfach. Deswegen werden manchmal die Eltern helfen müssen. „Auch das sollte in Ruhe angesprochen werden, damit die Eltern Zeit haben, sich auf die eigenen Sorgen einzulassen”, sagt Raffauf.

„Gut ist auch, wenn man gleich einen Vorschlag machen kann, über den man mit den Eltern diskutiert.” Außerdem können Eltern helfen, klare Regeln aufzustellen und diese durchzusetzen.

Das muss allerdings für alle Seiten fair verlaufen. „Es kommt immer wieder vor, dass Eltern ein Kind bevorzugen oder die Älteren damit beauftragen, die Kleineren regelmäßig zu beaufsichtigen”, sagt Gerth.

„Dann sollten die Jugendlichen bei den Eltern ihre eigenen Wünsche klar äußern und feste Regeln vereinbaren.” Klappt das nicht, kann es sinnvoll sein, sich Hilfe zu holen. „Andere Verwandte oder Jugendberatungsstellen können gute Ansprechpartner sein.”

Mit kleinen Geschwistern verbünden

Kleine Geschwister können auch eine Stütze sein. Gerade bei Konflikten mit den Eltern helfe es, sich mit ihnen verbünden zu können, sagt die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf.

Gemeinsam ist man stärker. Die Kleinen können aber auch in anderen Situationen helfen. „Jüngere Kinder haben oft nicht so viele Hemmungen und sind forscher - viele ältere Geschwister sind deswegen froh, bei fremden Menschen die Kleinen vorschicken zu können, damit diese das Eis brechen.”
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