Den eigenen Perfektionismus wertschätzen lernen

Von: dapd
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Hamburg. Ständig nach dem perfekten Ergebnis zu streben, kann auf Dauer ganz schön anstrengend sein.

„Manche Perfektionisten leiden darunter, dass ihr Perfektionismus sie ausbremst, da sie mit ihren Aufgaben nicht fertig werden”, sagt die Diplom-Psychologin Karin Joder aus Kiel. Schwierig sei auch, wenn man ständig unzufrieden mit sich und anderen sei, weil die eigenen Ansprüche nie erreicht werden.

„Grundsätzlich sollte man sich bewusst machen, dass Perfektionismus eine sehr positive Eigenschaft ist, die man an sich wertschätzen kann”, sagt Joder. Perfektionisten hätten eine hohe Wahrnehmungsfähigkeit und registrierten daher auch winzige Punkte, an denen sich noch etwas verbessern lässt.

„Dieses Talent haben nicht viele”, betont die Psychologin. Zudem sei Perfektionismus etwa in medizinischen Berufen eine sehr wichtige Kompetenz. Perfektionisten sollten sich allerdings auch klar machen, dass ihr eigener Anspruch deutlich höher ist als der Anspruch anderer. „Wenn man selbst findet, man hat 80 Prozent erreicht, würden das andere vielleicht eher als 120 Prozent bewerten”, gibt Karin Joder zu bedenken.

Zudem sei eine wichtige Erkenntnis, dass man meist verhältnismäßig viel Aufwand betreiben müsse, um eine fast perfekte Sache noch ein bisschen besser zu machen - „Dabei gilt die 80:20-Regel: Um 80 Prozent einer Aufgabe zu schaffen, muss man meist 20 Prozent Leistung erbringen. Die übrigen 80 Prozent wendet man wiederum dafür auf, am Ergebnis zu feilen.”

Es gehe also darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann etwas gut genug ist. Daher sollten sich Perfektionisten ganz bewusst entscheiden, wo die Perfektion wichtig ist und wo man auch mal auf sie verzichten kann. „Nun kann man ausprobieren, in diesem Bereich auch mal etwas abzuliefern, das noch nicht hundertprozentig perfekt ist - und dieses Gefühl auszuhalten”, sagt Joder. Dadurch werde man gelassener und störe sich mit der Zeit immer weniger an kleinen Makeln.
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